Videochats Was externe Kameras und Mikros bringen

Kaum etwas nervt bei Videokonferenzen mehr als ruckelnde Videobilder und knarzender Ton. Wir haben Kameras und Mikros getestet, die bessere Auftritte versprechen.
Die getesteten Webcams und Mikros

Die getesteten Webcams und Mikros

Foto: Gerd Blank

Schon klar, wahrscheinlich kann kaum noch jemand das Wort Videokonferenz hören. Aber die Kommunikation am Bildschirm ist inzwischen nun einmal ein wichtiger Teil unseres beruflichen und privaten Alltags geworden. Es ist abzusehen, dass Gespräche per Zoom, Teams, FaceTime, Skype und wie die Services alle heißen, uns auch nach der Pandemie erhalten bleiben. Die Notlösung ist Alltag geworden.

Und da gehört nicht nur das bestmögliche Bild, sondern auch ein sauberer Sound zum guten Ton. Wer spricht schon gern mit einem Gegenüber, das man vor lauter Pixeln kaum erkennen und schlecht verstehen kann?

Zwar verfügen inzwischen fast alle Notebooks und Smartphones über Kameras und Mikrofone, doch nicht immer genügt diese Grundausstattung den Ansprüchen. Das liegt auch an der Positionierung des Computers, mal am Blickwinkel und mal an der Entfernung zur Kamera. Auch die Lichtverhältnisse spielen eine Rolle.

Beim Ton sind die eingebauten Mikrofone häufig zu weit vom Sprecher entfernt, oft von mäßiger Qualität und so ausgerichtet, dass sie jedes Geräusch im Raum aufzeichnen, auch die von anderen Familienmitgliedern oder Kollegen. Mit einem guten externen Mikrofon ist man da besser aufgestellt. Für diesen Test habe ich deshalb drei aktuelle Webcams und zwei externe Mikrofone ausprobiert.

Die getesteten Produkte im Überblick


So haben wir getestet

  • Verarbeitung: Wie gut sind Kamera und Mikro verarbeitet?

  • Aufbau und Betrieb: Wie schnell ist die Hardware startklar – und wie gut funktioniert sie im Alltag?

  • Preis-Leistung: Lohnt sich die Anschaffung?


Logitech StreamCam

»Oh, die ist aber schön«, sagte meine Frau, als ich die Kamera auspackte. Ja, die Optik muss stimmen – im doppelten Sinne. Man schaut ja nicht nur in die Kamera hinein, sondern sieht auch den ganzen Tag, wie sie auf dem Bildschirm sitzt. Die StreamCam von Logitech, die in Schwarz und Weiß erhältlich ist, gibt auf jeden Fall äußerlich ein gutes Bild ab.

Die Kamera ist etwa so groß wie eine Action-Cam und bietet mehrere Befestigungsmöglichkeiten. Die Standardhalterung lässt sich einfach auf einen Flachbildschirm oder das Notebook-Display klemmen. Die Kamera kann sowohl quer als auch hochkant eingesetzt werden – je nachdem, welches Bildformat man bevorzugt. Für Smartphone-Streamer oder für die Produktion von Instagram-Stories ist die Hochkant-Position in Verbindung mit der kostenlosen Software Logitech Capture  sicher interessant, ich bevorzuge das Querformat. Mit einer zweiten Halterung lässt sich die Kamera auf einem Stativ befestigen.

Über ein fest verbautes USB-C-Kabel wird die StreamCam mit dem Rechner verbunden. Das ist für neuere Computer praktisch, wer noch einen Rechner ohne USB-C hat, muss einen Adapter nutzen. Eine Kappe zum Abdecken des Objektivs gibt es leider nicht.

Vom Auspacken bis zum Einschalten hat es zwei Minuten gedauert. Sobald die Kamera am USB-Port hängt, kann sie im Videochat-Programm der Wahl als Videoquelle ausgewählt werden. Auch zwei Mikros sind eingebaut. Sollen die genutzt werden, muss die Kamera auch als Audioquelle aktiviert werden. Doch das würde ich nicht empfehlen, denn der Ton klingt blechern und unrund.

Das Bild der Full-HD-Kamera ist dagegen bei guten Lichtverhältnissen sehr scharf und dank der 60 Bilder pro Sekunde auch sehr flüssig. Dafür rauscht es ein wenig, und die Farben sind deutlich zu hell. Außerdem hat Logitechs Kamera offensichtlich Probleme, sich bei schnellen Bewegungen auf den Anwender zu fokussieren. Es dauert dann immer einen Moment, bis das Bild wieder scharf gestellt wird. Doch trotz dieser kleinen Makel macht die Kamera einen guten Job.

Für Videokonferenzen reicht die Gesamtqualität sicher aus, für das Streaming auf Videoplattformen ist die Leistung nicht optimal. Und dafür ist der Preis dann zu hoch – ganz gleich, wie hübsch die StreamCam aussieht. Rein äußerlich gesehen ist Optik bei einer Kamera eben nicht alles.

👍 einfache Bedienung
👍 ordentliche Videoqualität
👍 variables Bildformat

👎 mäßiger Ton
👎 hoher Preis
👎 Kabel fest verdrahtet


Razer Kiyo Pro

Mit der Kiyo hat Razer ursprünglich eine Kamera für Gamer und Streamer entwickelt. Der Clou war der eingebaute Leuchtring, der das Gesicht etwas aufhellte. Die Pro-Version verzichtet auf das zusätzliche Licht – und das ist hier auch gar nicht nötig. Denn selbst schummrige Räume sind für die Kiyo Pro kein Problem, sie produziert selbst bei widrigen Lichtverhältnissen ein ansprechendes Bild. Besser wird es natürlich, wenn der Arbeitsplatz vernünftig ausgeleuchtet wird, dann wird das Bild knackscharf, die Farben satt und lebensecht.

Die vielseitige Halterung der Kamera lässt sich am Monitor oder per Schraubgewinde auf einem Stativ befestigen. Oder man stellt sie einfach auf den Tisch. Die Position des Objektivs lässt sich dank der beweglichen Aufhängung noch etwas justieren, damit der Blickwinkel stimmt.

An der Kamera befindet sich zwar ein USB-C-Anschluss, das mitgelieferte Textilkabel ist aber am anderen Ende mit einem klassischen USB-A-Stecker bestückt. Auf meinem Monitor befestigt, erinnerte mich das große Kameraobjektiv der Kiyo Pro an »Saurons Auge« aus »Der Herr der Ringe«. Unauffällig ist sie jedenfalls nicht. Eine deutlich sichtbare LED zeigt an, wenn sie aktiviert ist.

Was Sie über Videokonferenzen wissen müssen

Die Bildqualität der Full-HD-Kamera ist sehr gut. Mit 60 Bildern pro Sekunde gibt sie Bewegungen sehr flüssig wieder. Bewegt man sich jedoch schnell vor der Kamera, bekommt die Kiyo Pro Probleme. Geht man zum Beispiel von ihr weg oder auf sie zu, dauert es immer etwas, bis das Bild wieder scharf gestellt ist. Bei einem Onlineseminar dauerte das manchmal mehrere Sekunden.

Auch die automatische Lichtjustierung reagiert träge. Die eingebauten Mikros sind dagegen recht empfindlich, ihr Klang erfreulich gut. Ärgerlich ist es dagegen, dass man für einige Funktionen die Razer-Software Synapse  installieren muss. Zum Beispiel, wenn man den erfassten Bildausschnitt ändern möchte. Ein Schalter an der Kamera könnte das besser regeln. Dafür liegt dem Paket eine Kappe bei, die auf das Objektiv gesetzt werden kann.

Trotz einiger Makel ist die Kiyo Pro ein stimmiges Gesamtpaket, allerdings zu einem viel zu hohen Preis: Für rund 200 Euro sollte die Kamera das Pro nicht nur im Namen tragen, sondern sich auch in allen Belangen professionell verhalten.

👍 sehr hohe Bildqualität
👍 guter Klang
👍 praktische Aufstellmöglichkeiten

👎 träge Fokussierung
👎 Probleme bei Lichtschwankungen
👎 hoher Preis


Creative Live! Cam Sync 1080p

Die Live! Cam von Creative kostet nur ein Viertel von dem, was Razer für die Kiyo Pro verlangt. Beim Öffnen der Verpackung merkt man schnell, wo der Hersteller gespart hat: Die Kamera ist sehr leicht, sie fühlt sich wie ein Kinderspielzeug an und nicht wie ein Stück Hightech. Immerhin ist eine Objektivabdeckung dabei.

Die Halterung für den Monitor lässt sich auch auf ein Stativ schrauben, die Kamera ist mit einem Gelenk flexibel daran befestigt. Im Gegensatz zu den beiden anderen Kameras geht die Live! sehr in die Breite, das USB-A-Kabel ist auf der Rückseite fest angebracht.

Die technischen Werte klingen erst einmal gut: Die Full-HD-Kamera schafft immerhin 30 Bilder pro Sekunde, zwei Mikrofone nehmen den Ton auf. Spezielle Software wird nicht benötigt: einstecken, Chatprogramm starten, Kamera auswählen und losplaudern.

Beim Start musste ich allerdings zunächst etwas blinzeln, denn das gezeigte Bild war sehr hell und blass. Außerdem wurde mein Konterfei viel zu scharf dargestellt, als hätte ich in einem Bildbearbeitungsprogramm den Schärferegler zu weit nach rechts geschoben. Es sah fast so aus wie im Jahr 1999, als Michael Jackson in Saarbrücken bei »Wetten, dass..?« auftrat: viel zu grell, viel zu weit weg von der Realität. Nachdem ich im Raum die Lichtverhältnisse geändert habe, wurde das Bild besser – wenn auch nicht perfekt.

Klasse ist die integrierte Weitwinkel-Optik, da so auch mehrere Personen nebeneinander von der Kamera erfasst werden können. Der Ton, den die beiden Mikrofone aufzeichnen, ist nur dann in Ordnung, wenn man relativ dicht vor der Kamera sitzt und es im Raum keine Nebengeräusche gibt.

Das Bild unterscheidet sich kaum von dem, was die meisten Notebook-Kameras auf den Bildschirm bringen. Aber wer eine flexibel aufzustellende Kamera sucht, um sein Gesicht im Schulunterricht oder bei kurzen Meetings zu zeigen, kann dennoch getrost zugreifen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist okay, die Handhabung einfach. Und da die Kamera so leicht ist, nimmt sie keinen Schaden, wenn sie mal umkippt.

👍 Praktische Weitwinkeloptik
👍 günstiger Preis
👍 Kamera ist sehr leicht

👎 Verarbeitung wirkt billig
👎 reagiert empfindlich auf Lichtänderungen
👎 Bilddarstellung teilweise unnatürlich


RØDE NT-USB

Gamer, YouTuber und Podcaster wissen es schon lange: Wer viel per Computer kommuniziert und möchte, dass die eigene Stimme gut zur Geltung kommt, braucht dafür ein gutes Mikrofon. Die einfachste Variante ist ein USB-Mikrofon, weil dafür kein weiteres Zubehör benötigt wird und auch keine spezielle Software installiert werden muss. Vor einiger Zeit kaufte ich mir deshalb das NT-USB des australischen Herstellers Røde. Es ist ein sogenanntes Kondensatormikrofon, dass selbst höheren Ansprüchen genügt und von vielen Streamern und Podcastern genutzt wird.

Praktisch ist, dass es mit Stativ, einer Ringhalterung und einem Poppschutz geliefert wird, also sofort einsatzbereit ist. Am Gehäuse befinden sich zwei Drehregler. Der obere regelt das Lautstärkeverhältnis des Mikrofons gegenüber dem Audiosignal des Computers. Also etwa bei Videokonferenzen, wie laut man sich selbst und andere hört. Der untere Regler steuert die Lautstärke eines angeschlossenen Kopfhörers.

Das robuste Mikrofon eignet sich hervorragend für Videokonferenzen, womit die Möglichkeiten aber längst nicht ausgeschöpft sind. Wer einen Begleiter für musikalische Gehversuche oder für seinen Podcast sucht, kann ebenfalls bedenkenlos zugreifen.

Unpraktisch sind das relativ hohe Gewicht, die ordentliche Größe und damit die mangelnde Mobilität: Wenn das Mikrofon einmal einen Stammplatz auf dem Schreibtisch gefunden hat, will man es von dort nicht mehr wegbewegen.

👍 hochwertiges Design
👍 integrierter Poppschutz
👍 eingebaute Lautstärkeregler

👎 relativ groß
👎 unpraktisch für unterwegs
👎 keine Soundjustierung möglich


Shure MV88+ Video Kit

Noch mehr Aufnahmemöglichkeiten bietet das kleine MV88+ von Shure. Schon das Auspacken des Sets ist eine Freude: In einer Rolltasche befindet sich das Mikrofon samt Halterung sowie eine spezielle Smartphone-Halterung. Außerdem sind zwei Kabel dabei, eines mit Lightning-Anschluss, ein weiteres mit USB-C-Anschluss. Zudem wird ein Ministativ mitgeliefert.

Das zeigt, wie vielseitig das Set nutzbar ist. Das Mikrofon kann mit dem Smartphone oder am Computer benutzt und dank des Zubehörs ganz nach Bedarf aufgebaut werden.

Vor der ersten Nutzung habe ich mir fürs Smartphone erst einmal die »Motiv«-App von Shure installiert, mit der sich nicht nur Sound aufzeichnen lässt, sondern dieser auch justiert werden kann. Zum Beispiel lässt sich festlegen, mit welcher Charakteristik das Mikrofon aufzeichnen soll. Will man zum Beispiel Stereosound oder soll die Stimme doch lieber in Mono aufgezeichnet werden? Will man einen möglichst weiten Raum abdecken oder nur den Bereich direkt vor dem Mikro? Die per App vorgenommenen Einstellungen werden im MV88+ gespeichert und bleiben erhalten, bis man sie entsprechend ändert.

Auf dem Schreibtisch nimmt das Mikro kaum Platz ein, das Stativ kann auch als Handgriff genutzt werden. Der Klang ist exzellent, die Qualität reicht locker für Podcasts und andere hochwertige Sprachaufnahmen.

Allerdings ist es ein teures Soundvergnügen. Wer nur seinen Ton bei Konferenzen verbessern will, kann dies sicher deutlich günstiger haben. Doch gerade aufgrund der vielseitigen Einsatzmöglichkeiten kann das MV88+ langfristig eine lohnende Investition sein.

👍 handlich
👍 vielseitig einsetzbar
👍 herausragende Qualität

👎 hoher Preis