Minitools Wenn das Fahrrad unterwegs flottgemacht werden muss

Ob ein Reifen ausgewechselt werden muss oder nur der klappernde Getränkehalter zum Schweigen gebracht werden soll: Das richtige Werkzeug ist für Radfahrer unverzichtbar. Wir haben sechs Sets getestet.
Von Markus Linden
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Markus Linden

Wie der Name schon sagt, sollen Minitools möglichst wenig Platz wegnehmen. Alle von uns getesteten Tools passen problemlos in eine kleine Satteltasche und dabei bleibt noch ausreichend Raum für einen Ersatzschlauch und/oder Flickzeug. Wie klein die Werkzeuge tatsächlich sind, hängt neben dem Ideenreichtum der Hersteller beim Kombinieren verschiedener Werkzeugtypen natürlich auch von der Anzahl der Werkzeuge ab – prinzipiell bedeutet: Je kleiner und leichter, desto weniger Werkzeuge sind integriert.

Kleine und leichte Werkzeuge werden tendenziell von Radrennfahrern und Mountainbikern bevorzugt, aber auch bei Mehrtagestouren ist es hilfreich, wenn das Werkzeug wenig wiegt. Am E-Bike wird man nicht auf jedes Gramm schauen, sondern eher Wert darauflegen, dass bei einer Panne nicht plötzlich wichtige Werkzeuge fehlen.

Welche Werkzeuge man mitnehmen sollte, hängt auch davon ab, wie lang man unterwegs ist. Bei längeren Touren kann auch ein lockerer Getränkehalter, ein klappernder Gepäckträger oder schleifende Bremsen so nerven, dass man das Problem unterwegs reparieren will.

Welche Werkzeuge benötigt man?

Abhilfe schaffen bei modernen Rädern oft Inbus-Schlüssel in verschiedenen Größen. Unsere Minitools haben Inbus-Größen zwischen 2 und 10 im Programm. Welche Sie wirklich benötigen, hängt vom Fahrrad ab. Kleine 2er-Größen benötigen Sie für das Feintuning von Felgenbremsen am Rennrad oder zum Justieren einer Kettenschaltung – das aber eher selten und meist auch nicht unterwegs. Einen großen 8er-Inbus nutzt man ebenfalls selten – aber einige Pedale werden damit festgeschraubt. Ein 10er Inbus kommt fast nie vor.

Bei Torx benötigen Sie die Größe T25 – zumindest, wenn Ihr Fahrrad eine Scheibenbremse von Shimano hat. Ein Kettenwerkzeug ist hilfreich, wenn unterwegs die Kette reißt. Dann kann man ein Glied entfernen und mit der zu kurzen Kette zumindest bis nach Hause fahren. Das funktioniert bei Rädern mit Kettenschaltung eigentlich immer – bei Nabenschaltung fehlt gelegentlich der notwendige Spielraum.

Reifenheber sind fast schon Pflicht. Mit ihnen heben Sie einen platten Reifen von der Felge und kommen so an den Schlauch. Wenn das Minitool keinen Reifenheber integriert hat, dann sollte man unbedingt einen oder besser zwei mitnehmen. Sie kosten nur ein paar Euro und wiegen auch wenig.

Schraubendreher sind ebenfalls in der Kreuz- oder Schlitz-Version wichtig. Zumindest die Kreuz-Variante haben alle unsere Minitools. Was es sonst noch an wichtigen und weniger wichtigen Werkzeugen gibt, lesen Sie im Test.

Alle Speichenspanner in unserem Test kommen mit den Speichenstärken G14 und G15 klar. Damit lassen sich die meisten Laufräder ausrichten. Nur wenige Räder haben Sondergrößen bei den Speichennippeln.

Contec PG1

Foto: Markus Linden

Das PG1 von Contec hat nur 8 verschiedene Funktionen: Inbus von 3 bis 6, Torx T25, Kreuz- und Schlitz-Schraubendreher und einen Kettennieter. Das Ganze hat Contec mit einem cleveren Mechanismus auf eine sehr kompakte Größe gebracht: 5 mal 5 Zentimeter bei einer Dicke von etwa einem Zentimeter und einem Gewicht von knapp 90 Gramm sind sehr kompakt und leicht.

Ein mit Gummi überzogener Stahlwinkel schützt die sieben Bit-Werkzeuge vor dem Herausfallen und kann abgezogen werden. Dann dient er als Aufnahme für die Bits und als Dreharm für den Kettennieter. Die Hebelwirkung des nur fünf Zentimeter langen Winkels ist nicht groß, reicht aber aus, wenn die Schrauben nicht allzu fest sitzen. Die Bits selbst sind beschriftet, ebenso deren Aufnahme. Contec liefert kein Täschchen mit. Aber das PG1 hat keine scharfen Kanten, da alle Werkzeuge im inneren geschützt sind. Man kann es also ohne Risiko für das restliche Gepäck einfach in eine Tasche oder sogar die Trikot-Tasche stecken.

Das sind die Vorteile: Das PG1 von Contec ist leicht, klein und günstig. Die wichtigsten Tools sind dabei.

Das sind die Nachteile: Ein Reifenheber fehlt, ebenso werden einige Radler einen 2er- oder 8er-Inbus vermissen. Viel Hebelkraft bietet das Tool auch nicht.

Für wen sich das PG1 eignet: Vor allem für Rennradfahrer, die auf jedes Gramm achten wollen. Auch Mountainbiker können das Tool auf ihren Touren einfach in die Trikot-Tasche stecken.

Tom 18

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Das Tom 18 vom deutschen Hersteller SKS bringt die schon im Namen versprochenen 18 Werkzeuge in klassischer Minitool-Bauweise unter: Sie sind in einem kleinen Metallrahmen eingespannt und können nach oben und unten aufgeklappt werden. Das sorgt bei einer Länge von 7,3 Zentimetern für ausreichend Hebelkraft. Inbus-Schlüssel sind in den Größen von 2 bis 8 dabei, Torx in 25er Größ. Kettennieter und Kreuz- sowie Schlitz-Schraubendreher sind ebenfalls vorhanden.

Zum Spannen von Speichen hat das Tom 18 ein Speichenwerkzeug, hinzu kommen ein Reifenheber und ein kleines Fach für eine Kettenniete. Will man die Speichenwerkzeuge nutzen, muss man den Kettennieter komplett aus seinem Gewinde herausdrehen. Schön ist das Tool zum Auseinanderdrücken der Scheibenbremsbeläge: Das benötigt man zwar selten, aber beim Tom 18 kann es auch als Flaschenöffner eingesetzt werden. SKS liefert eine kleine Tasche für das kompakte Werkzeug (7,3 x 4,8 mal 2 Zentimeter) mit. Das Gewicht von 188 Gramm ist Mittelmaß im Testfeld.

Das sind die Vorteile: Das Tom 18 enthält viele Tools auf kleinem Raum. Das Kettennietfach muss man zwar selbst (mit der richtigen Niete für die eigene Kette) bestücken, hat dann aber auch immer eine dabei. Auch der integrierte Reifenheber gefällt.

Das sind die Nachteile: Zwar sind alle Tools aus Chrom-Vanadium-Stahl, der Kettennieter mit den integrierten Speichenspannern aber nicht. Hier könnte eine Schwachstelle sein. (Im Test zeigte sich der Kettennieter einer Shimano-Kette aber dennoch gewachsen).

Für wen sich das Tom 18 eignet: Das Minitool ist mit seiner ausgewogenen Mischung ideal für Tourenfahrer, ob elektrisch unterstützt unterwegs oder nur mit Beinkraft. Auch für die täglichen Pendeltouren zur Arbeit kann das Tom 18 in jeder Satteltasche bleiben.

Super V23

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Das Super V23 von Lezyne folgt dem klassischen Aufbau im Rahmen wie das Tom 18 und das MTC-40. Insgesamt lassen sich 23 Funktionen nach oben und unten ausklappen. Die Hebelwirkung beim Einsatz der Tools ist sehr gut – was daran liegt, dass das Super V23 knapp 10 Zentimeter lang ist. Auch die Breite ist mit 6 Zentimetern nicht ohne. Gut verstauen lässt es sich trotzdem: Es ist mit knapp über einem Zentimeter sehr flach. Neben dem breiten Inbus-Angebot von 2 bis 8 und den Torx-Größen T10, 25 und 30 gibt es einen Kreuz-Schraubendreher und den obligatorischen Kettennieter, der zudem Speichenspanner von 12G bis 15G enthält.

Eine Besonderheit ist die Schlauchlos-Nadel: Mit ihr lassen sich Löcher in Schlauchlos-Reifen von außen flicken. Zwei entsprechende Stopfen sind ebenfalls in einem Halter dabei. Zum anderen gibt es ein Bremsscheiben-Tool, das nicht nur Bremsbeläge auseinander drücken, sondern auch unrunde Bremsscheiben greifen kann. So lassen sie sich gerade biegen. Und Flaschen öffnet es auch.

Das sind die Vorteile: Das Tool enthält clevere Werkzeuge für Schlauchlos-Fahrer und ist angesichts der Fülle der Funktionen mit 156 Gramm leicht.

Das sind die Nachteile: Damit sich die Werkzeuge nicht von allein ausklappen, liefert Lezyne nur ein Gummiband mit. Eine kleine Tasche wäre angemessener. Das besonders, weil das Bremsscheiben-Werkzeug eine scharfe Kante hat, die die gemeinsame Lagerung von Super V23 und einem Ersatzschlauch unmöglich macht. Ein Reifenheber fehlt.

Für wen sich das Super V23 eignet: Vor allem für Schlauchlos-Fahrer, die gelegentlich Probleme mit Scheibenbremsen bekommen könnten. Das sind vor allem engagierte Mountain-Biker, mit E-Antrieb oder ohne. Aber auch für den ein oder anderen Rennradfahrer oder Gravel-Biker könnte das Super V23 die richtige Wahl sein.

Hummer II

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Das Hummer II mit 18 Funktionen folgt zwar dem klassischen Minitool-Aufbau im Rahmen-Design, Topeak hat jedoch in der Außenseite des Rahmens zwei Reifenheber untergebracht, die beide weitere Funktionen haben: Der eine als Speichenspanner, der andere als Griff für den Kettennieter. Die Reifenheber sind bei Nichtgebrauch in den Rahmen eingeknipst – das Herauslösen ist etwas schwierig.

Neben Kreuz- und Schlitz-Schraubendreher gibt es Inbus-Größen von 2 bis 8. Die Nummer 8 ist ebenso wie Torx T25 als kleiner Aufsatz für den 4er und 5er Inbus konzipiert. Sie könnten verloren gehen, sind aber bei Nichtgebrauch beide gut gesichert. Mit seinem Rahmen aus Aluminium wirkt das Hummer II sehr robust und liegt auch gut in der Hand.

Das sind die Vorteile: Das Tool ist schlank und Reifenheber sind clever integriert. Mit einem Gewicht von 167 Gramm ist es relativ leicht. Alle Kanten sind abgeschliffen – es kann also neben dem Ersatzschlauch in der Satteltasche liegen.

Das sind die Nachteile: Der 3er Inbus und der Schlitz-Schraubendreher sind mit zwei Zentimetern Länge sehr kurz – an einige Stellen wird man damit schlicht nicht herankommen.

Für wen sich das Hummer II eignet: Es handelt sich um ein Universal-Tool, das Radlern ohne besondere Anforderungen Hilfe bietet und daher Tourenfahrern ebenso dient wie Pendlern.

MTC-40

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Das MTC-40 von Park Tool wirkt mit seiner blauen Plastik-Einfassung zunächst nicht besonders robust, blieb aber im Einsatz zuverlässig und lässt sich gut greifen. Besonders der Kettennieter ist gut verwendbar, da er mit dem Bremsscheiben-Tool kombiniert ist. Der kann somit als zweiter Griff für die andere Hand bei Nieten-setzen oder -ziehen dienen. Ebenfalls gut: Die Spitze des Kettennieters kann ausgetauscht und nachbestellt werden. Diese bricht nämlich gelegentlich.

Torx gibt es in T25 und 30, Inbus-Größen von 2 bis 8 sind vorhanden. Der größte Inbus ist ein winziger Aufsatz für die Größe 5 und wird über einen federgelagerten Knopf in Position gehalten – er geht schnell verloren, wenn man nicht aufpasst. Der Schlitz-Schraubendreher ist so gestaltet, dass er auch die meisten Kreuzschlitz-Schrauben fasst.

Eine Besonderheit ist der Adapter für CO2-Kartuschen: Mit den kleinen und leichten Kartuschen lässt sich ein Reifen auch ohne Luftpumpe aufpumpen. Die Kartusche selbst befindet sich nicht im Lieferumfang. So gibt es insgesamt 13 Funktionen im MTC-40.

Das sind die Vorteile: Das MTC-40 ist im Einsatz gut handhabbar. Mit seiner Länge von 8 Zentimetern bleibt ausreichend Hebelwirkung, die abgerundete Plastikeinfasssung hilf bei der Arbeit.

Das sind die Nachteile: Das Bremsscheiben-Tool ragt oben weit heraus, sodass das MTC-40 eine Dicke von 3 Zentimetern aufweist. Mit einem Gewicht von 214 Gramm ist es für die dreizehn Funktionen recht schwer.

Für wen sich das MTC-40 eignet: Für alle, die statt einer Luftpumpe lieber eine CO2-Kartusche mitnehmen und Wert auf ein stabiles Kettenniet- und Bremsscheiben-Tool legen.

Alien III

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Ganze 31 Funktionen bringt Hersteller Topeak im Alien III unter. Das funktioniert, weil sich das gesamte Minitool in zwei Teile spalten lässt. Die obere und untere Hälfte werden entriegelt und können auseinandergeschoben werden.

Neben den Inbus-Größen von 2 bis 10 gibt es Kreuz- und Schlitzschraubendreher, wobei letzterer auch als Flaschenöffner dient. Das aber macht ihn etwas voluminös, sodass man eventuell an versteckte Schrauben nicht herankommt. Ein Torx T25 und ein Kettennieter sind integriert. Gedreht wird der Kettennieter mit dem 5er Inbus an der anderen Hälfte des Tools.

Zusätzlich enthält das Alien III noch Maul- und Ringschlüssel in den Größen 8, 9 und 10, Speichenspanner und noch zwei für spezielle Mavic- und Shimano-Speichen.

Eine Besonderheit ist das mit partiellem Wellenschliff ausgestattete Messer, das sich ausklappen lässt und durch Druck auf eine Taste wieder eingeklappt werden kann. Der integrierte Reifenheber ist aus gehärtetem und rund geschliffenem Aluminium. Das macht ihn stabil, bei lackierten Felgen sollte man ihn aber mit Sorgfalt einsetzen, da es sonst Kratzer gibt.

Wer gelegentlich zum Transport das Vorderrad ausbaut und Scheibenbremsen hat, kennt das Problem: Ein versehentlicher Druck auf den Bremshebel drückt die Beläge zusammen. Abhilfe schafft eine Scheibenbremssicherung, die sich im Inneren des Alien III befindet und die für die Dauer des Transports zwischen die Beläge geklemmt wird.

Die Funktionsvielfalt hat ihren Preis, der sich vor allem im Gewicht ausdrückt: Mit 294 Gramm ist er das schwerste Minitool im Testfeld und mit den Abmessungen von 8 mal 4,5 mal 4,5 Zentimetern auch recht voluminös. Topeak liefert eine kleine Tasche mit.

Das sind die Vorteile: Das Alien III ist ein Alleskönner, der den Radler für (fast) alle Eventualitäten wappnet. Durch die geschickte Anordnung der Werkzeuge bleibt die »Miniwerkstatt« kompakt.

Das sind die Nachteile: Das Minitool ist zwar mehr oder weniger »mini«, trägt aber mit 300 Gramm schwer auf.

Für wen sich das Alien III eignet: Für alle Radfahrer, bei denen das Gewicht nicht an erster oder zweiter Stelle steht: E-Bike-Tourenradler und alle Radfahrer, die auf mehrtägige Touren gehen und unterwegs nicht wegen fehlender Werkzeuge liegen bleiben wollen.

Hintergrund: Produkttests im Ressort Tests

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