Montageständer im Test Sicher und bequem am Fahrrad arbeiten

Montageständer erleichtern das Reparieren und Reinigen von Fahrrädern enorm. Wir haben fünf Modelle ausprobiert, die sich für engagierte Hobbyschrauber mit und ohne eigene Garage eignen.
Von Markus Linden
Wie freischwebend, aber festgeklemmt: Ein Fahrrad in einem Montageständer

Wie freischwebend, aber festgeklemmt: Ein Fahrrad in einem Montageständer

Foto:

Markus Linden / DER SPIEGEL

Brauchen Sie einen Montageständer fürs Fahrrad? Wenn Sie nur ab und zu einen Platten flicken und das Rad sonst in die Werkstatt geben, eher nicht. Geht es aber um das Einstellen der Schaltung, das Justieren der Bremsen, das Wechseln der Kette oder andere Arbeiten an der Antriebseinheit, dann erleichtert ein Montageständer das Basteln enorm.

So etwas machen Sie nicht? Denken Sie vielleicht nochmal drüber nach: Bei der Terminvergabe vieler Fahrradwerkstätten wird angesichts der Nachfrage derzeit nicht in Tagen, sondern in Wochen gerechnet. Viele Arbeiten am Fahrrad lassen sich schnell und günstig selbst erledigen – notfalls mit Unterstützung eines entsprechenden YouTube-Videos.

Montageständer fixieren das Fahrrad dabei in einer erhöhten Position. Zum einen lassen sich so Pedale, Kurbeln und Kette durchdrehen, zum anderen laufen die Räder frei. Das ist wichtig, um die Funktion von Antrieb und Bremsen prüfen zu können. Eine andere Aufgabe des Montageständers ist, das Rad in einer angenehmen Höhe zu fixieren. Das schont den Rücken und macht die Arbeit leichter.

Die von uns getesteten Montageständer sind allesamt mobil und können – anders als die großen Brüder in der Werkstatt – zusammengeklappt und schnell in Keller oder Garage verstaut werden. Alle stehen auf drei Füßen – entweder nach dem Prinzip eines Fotostativs oder aber der Hauptarm ist gleichzeitig Hauptfuß und wird durch zwei ausklappbare Beine gestützt. Letzteres bietet etwas mehr Freiraum nach unten, sollte aber nicht Entscheidungsgrund beim Kauf sein.

Wichtiger ist vielmehr der Einsatzzweck: Geht es nur um leichte Rennräder, oder soll der Montageständer auch schwere Cityräder, vollgefederte Mountainbikes oder sogar E-Bikes tragen? Und: Wie viel wollen Sie ausgeben? In unserem Testfeld sind Montageständer von rund 60 bis etwa 300 Euro vertreten.

Bei der Fixierung der Fahrräder gib es zwei Ansätze: Die meisten Montageständer arbeiten mit einer höhen- und winkelverstellbaren Klaue, in die das Rad geklemmt wird. Bei anderen werden Tretlagergehäuse und Unterrohr auf einer höhenverstellbaren Schiene fixiert. In unserem Testfeld ist es nur der PrepStand von Topeak, der mit einer solchen Schiene arbeitet. E-Bikes mit Mittelmotor lassen sich auf solchen Schienen übrigens nicht befestigen.

Bei den Montageständern mit Klaue stellt sich die Frage, wo man diese greifen lässt: Da alle Klauen drehbar sind, kann wahlweise das Oberrohr, das Stützrohr oder die Sattelstütze eingeklemmt werden. Sollten Sie ein Rennrad oder Mountainbike mit einem Carbonrahmen besitzen, so dürfen die Klauen nicht zu fest angezogen werden – anders als Stahl und Aluminium ist Carbon nicht in alle Richtungen gleich steif und könnte in Mitleidenschaft gezogen werden. Auf der sicheren Seite sind Sie, wenn Sie die Sattelstütze einklemmen.

Je nach Art des Montageständers stehen die Klauen waagerecht oder senkrecht. Die meisten Fahrräder lassen sich mit beiden Varianten gleich gut einspannen. Der etwas leichteren Handhabung einer waagerechten Klaue steht die Einschränkung entgegen, dass nur senkrechte Klauen konische Sattelstützen greifen können – so eine Sattelstütze finden Sie aber nur an speziellen Aero-Rennrädern.

Xtreme S3000

Der S3000 von Xtreme

Der S3000 von Xtreme

Foto: Markus Linden / DER SPIEGEL

Der S3000 von Xtreme, der in Deutschland auch unter Bezeichnungen wie Boss S3000 und CFP S3000 angeboten wird, ist der günstigste Montageständer im Test. Beim Öffnen des Kartons werden Erinnerungen an den letzten Einkauf bei Ikea wach: Viele Einzelteile sind zu sehen, drei Tüten voller Schrauben, eine Bauanleitung. Letztere ist leider nicht von Ikea inspiriert und sehr ungenau. Man benötigt viel räumliches Vorstellungsvermögen, um den Ständer für den ersten Einsatz zusammen zu setzen. Über eine Stunde brauchte der bastelerfahrene Tester für den Zusammenbau. Gut, das macht man nur einmal. Aber die anderen Ständer kamen alle zumindest vormontiert an und waren nach zwei Minuten einsatzbereit.

Angesichts des günstigen Preises ist der S3000 sehr stabil – sofern man ihn selbst ordentlich zusammengeschraubt hat. Ist das Rad einmal fixiert, hängt es sicher. Allerdings ist das Einstellen der Klauen etwas mühsam, da derenSchnellspanner nur einen schmalen Bereich abdeckt und vorher durch Drehen voreingestellt werden muss.

Das sind die Vorteile: Vor allem der Preis. Für gelegentliche Arbeiten ist er durchaus eine gute Wahl.

Das sind die Nachteile: Der Ständer ist mit einem Gewicht von 6,2 Kilogramm schwer und etwas unhandlich. Alles läuft weniger geschmeidig als bei der Konkurrenz. Die Klaue ist nicht besonders stark und muss voreingestellt werden. Bei 18 Kilo ist Schluss – E-Bikes trägt der Ständer definitiv nicht, aber auch schon so manches Fully-Montainbike kommt an diese Grenze.

Für wen eignet sich der Montageständer? Für alle, die wenig Geld ausgeben wollen, keine Angst vor der ersten Aufbauarbeit haben und den Montageständer nicht ständig auf- und zuklappen müssen.

Topeak PrepStand Max

Als einzige Im Test lagert der Topeak das Fahrrad auf einer Schiene

Als einzige Im Test lagert der Topeak das Fahrrad auf einer Schiene

Foto: Markus Linden / DER SPIEGEL

Der PrepStand Max ist der kleinste und mit 2,45 Kilogramm leichteste Montageständer im Testfeld. Das liegt vor allem daran, dass er komplett anders aufgebaut ist als die Konkurrenzprodukte: Das Fahrrad wird an Tretlagergehäuse und Unterrohr abgestützt, ein Bügel über das Unterrohr geschoben und festgespannt. Daher muss der Auszug gar nicht besonders lang sein – das Rad steht auf jeden Fall weit genug oben. Ein gabelförmiger Auszug kann das Vorderrad fixieren. Anders als bei den anderen Montageständern lässt sich der Winkel des Rades nicht verstellen – das Vorderrad steht immer leicht tiefer als das Hinterrad. Der Taiwanesische Hersteller liefert eine Transporttasche mit.

Wie sicher das Rad auf dem Montageständer steht, hängt von der Form des Unterrohres ab: Bei den meisten Rädern muss man nur den Bügel drüber klappen und festziehen. Manchmal ist dafür viel Kraft notwendig und dann hakt der Bügel, wenn man ihn nach der Arbeit wieder lösen will.

Das sind die Vorteile: Der PreStand Max ist klein, leicht, relativ günstig und innerhalb von Sekunden einsatzbereit.

Das sind die Nachteile: Der Ständer bietet wenig Flexibilität. Für die meisten E-Bikes eignet er sich nicht.

Für wen eignet sich der Montageständer? Alle, die den Ständer in der Wohnung aufbewahren müssen. Und natürlich für die Reise: Wer die Fahrräder auf das Auto packt, kann den kleinen Montageständer in den Kofferraum legen. Platz nimmt er kaum weg.

Contec Rock Steady

Ganz in Schwarz: Der Rock Steady von Contec

Ganz in Schwarz: Der Rock Steady von Contec

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Markus Linden / DER SPIEGEL

Vom Prinzip her folgt der Rock Steady von Contec dem S3000 von Xtreme. Er wird allerdings fertig montiert geliefert und ist deutlich besser verarbeitet. Der Arm mit der Klaue rastet fest ein. Der Drehwinkel der Klaue wird über ineinandergreifende Zähne fixiert und ist so ebenfalls sicher gegen Verdrehung bei Belastung geschützt. Leider zeigen die Zähne etwas Spiel, so dass das eingespannte Fahrrad sich leicht bewegt.

Die waagerecht angelegte Klaue ist gut gepolstert und kräftig. Beim Fixieren des Fahrrads muss der Schnellspannhebel (wie beim Xtreme S3000) erst durch Drehen in den passenden Abstand gebracht werden, bevor er verschlossen werden kann. Das machen die teureren Ständer besser.

Mit einem Gewicht von unter 5 Kilo gehört der Rock Steady zu den leichten Montageständern und lässt sich auch kompakt zusammenfalten. Leider verlangt Contec für die Tasche (und den optionalen Werkzeugteller) einen Aufpreis.

Den Rock Steady gibt es unter anderem Namen fast baugleich auch von anderen Anbietern. Contec bietet den in Taiwan gefertigten Montageständer allerdings zum besten Preis an.

Das sind die Vorteile: Der Rock Steady ist gut verarbeitet, hat eine Auszugsbegrenzung und vor allem am Oberrohr lassen sich Fahrräder sehr leicht in die waagerechte Klaue einhängen. Der leichte Montageständer ist relativ günstig, trägt aber trotzdem bis zu 30 Kilo.

Das sind die Nachteile: Die leicht wackelige Zahnfixierung und der eher einfache Schnellspanner der Klaue können nicht komplett überzeugen.

Für wen eignet sich der Montageständer? Alle, die gelegentlich am Rad schrauben, den Montageständer danach zusammenklappen und in den Keller tragen wollen.

Pedro’s Foldable Repair Stand

Gelb, stark, schwer: Pedro’s Foldable Repair Stand

Gelb, stark, schwer: Pedro’s Foldable Repair Stand

Foto: Markus Linden / DER SPIEGEL

Das gelb-schwarze Monster der US-Firma wird in Taiwan gefertigt und wiegt mit 8,9 Kilogramm mehr als so manches Rennrad. Immerhin wird der Ständer mit einer kräftigen Tragetasche geliefert, sodass er transportabel bleibt. So richtig klein ist er aber auch zusammengefaltet nicht, was vor allem an der ungewöhnlichen Klaue und der Konstruktion des Klauenträgers liegt: Der wird nämlich über ein stabiles Scharnier einfach um 180 Grad über das Hauptrohr geklappt. Die Klaue hat einen Pistolengriff: Bei Betätigung des Abzugs zieht sie sich Stück für Stück zusammen, eine kleiner Hebel löst sie wieder. Ein ungewöhnliches Konstrukt, an das man sich schnell gewöhnt. Allerdings hakt der Hebel für den Lösemechanismus gelegentlich.

Da mit Ausnahme des Pistolengriffs (und dem Polster der Klauen) alles aus Stahl gefertigt ist, ist das gesamte System sehr stabil. 40 Kilogramm Tragkraft traut Pedros dem Montageständer zu. Der Pistolengriff kann im Falle eines Defekts übrigens nachbestellt und vom Anwender selbst getauscht werden.

Das sind die Vorteile: Der Foldable Repair Stand ist sehr stabil, lässt sich schnell aufstellen und spannt alle Fahrräder sicher ein. Ein versehentliches Umstoßen ist schon aufgrund des Gewichts unwahrscheinlich.

Das sind die Nachteile: Das hohe Gewicht und ein eher hoher Preis. Selbst zusammengeklappt nimmt er viel Raum ein.

Für wen eignet sich der Montageständer? Für alle, die viel am Fahrrad basteln und eine Garage haben – oder den Ständer zumindest nicht über mehrere Stockwerke schleppen müssen. Und natürlich für alle E-Bike-Schrauber.

Elite Feedback Sports

Der Feedback Sports von Elite trägt mit einer Maximallast von 38 Kilogramm fast ebenso schwere Fahrräder wie der Pedros, wiegt aber selbst nur 5,5 Kilogramm. Das liegt vor allem daran, dass er aus Aluminium gefertigt ist. Mit seinem klassischen Dreibein-Stativ-Aufbau steht er nicht ganz so sicher wie die Konkurrenz von Pedros. Man sollte, wie bei allen Ständern dieses Typs, darauf achten, dass eines der drei Beine exakt nach vorne in Richtung der Klaue zeigt.

Elite hat sich für die senkrecht stehende Klaue einen cleveren Mechanismus einfallen lassen: Fahrrad einhängen und zudrücken – die nötige Spannung wird erst auf den letzen Millimetern mit einem Drehrad erzeugt. Gelöst wird der Mechanismus über einen Druckknopf. Mit der einen Hand draufdrücken, dabei das Rad mit der anderen sichern. Einfacher geht es nicht. Da der Arm mit der Klaue recht schlank ist und sich einfach anklappen lässt, nimmt der zusammenklappte Montageständer wenig Raum im Keller ein.

Das sind die Vorteile: Der leichte Montageständer ist sehr stabil. Mit dem cleveren Mechanismus für die Klaue ist das Ein- und Aushängen eine Sache von Sekunden.

Das sind die Nachteile: Der Feedback Sports ist der teuerste Montageständer im Testfeld, kommt aber von der Stabilität her nicht ganz an den Pedros heran.

Für wen eignet sich der Montageständer? Für alle, die einen transportablen, aber dennoch kräftigen Montageständer brauchen und bereit sind, für diese eierlegende Wollmilchsau so viel Geld auszugeben.