Fitnesstracker im Test Läuft bei mir

Weg mit dem Winterspeck? Fitnessarmbänder wie das Honor Band 6 sollen ihre Nutzer zum Sport animieren und Fortschritte protokollieren. Wie gut das wirklich klappt, haben wir mit sieben Geräten getestet.
Sechs der sieben getesteten Produkte: Kleine Geräte, große Unterschiede

Sechs der sieben getesteten Produkte: Kleine Geräte, große Unterschiede

Foto: Rainer Claaßen

Es gibt viele Methoden, mit denen man sich dazu bringen kann, regelmäßig Sport zu treiben. Eine davon ist die Nutzung eines Fitnesstrackers. Die Geräte zeichnen nicht nur die Aktivitäten auf, die man durchführt, während man sie trägt – die meisten lassen sich auch so einstellen, dass sie mit regelmäßigen Erinnerungen, Tageszielen und kleinen Belohnungen dazu beitragen, dass man sich tatsächlich regelmäßig an seine guten Vorsätze erinnert.

Die Auswahl an Geräten ist allerdings gewaltig, und bei den Preisen gibt es ordentliche Unterschiede. Wir haben uns ein paar Armbänder etwas genauer angeschaut und waren damit sportlich unterwegs. Fazit nach einigen Testtagen: Die Motivation lässt sich durch die Analyse definitiv steigern. Wie lange der Effekt anhält, dürfte auch davon abhängen, wie gut Funktionen, Design und der Aufbau der zugehörigen Smartphone-App sich ins eigene Leben integrieren lassen.

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Die Produkte im Überblick:

  • Honor Band 6 Fitness Armband mit Pulsuhr (49,99 Euro) – das neueste Modell im Test hat ein mit 1,47 Zoll vergleichsweise großes Display. Neben der täglichen Schrittzahl und verschiedenen Sportarten kann es auch den Schlaf protokollieren und soll seinen Nutzer bei Stresssymptomen warnen.

  • Fitbit Inspire Gesundheits- & Fitness Tracker (68,19 Euro) – das Gerät ist besonders schlank und wiegt gerade mal 18 Gramm. Es wird in den Farben Sangria (Violett) und Schwarz angeboten. Einige Einstellungen lassen sich ausschließlich über die Smartphone-App vornehmen.

  • Garmin vívosport GPS-Fitness-Tracker (94,34 Euro) – das Display des Garmin-Fitnessbands ist relativ klein und leuchtet nicht besonders hell. Das 26,5 Gramm schwere Gerät kann viele Aktivitäten auch dann aufzeichnen, wenn das damit gekoppelte Smartphone nicht in der Nähe ist.

  • Honor Band 5 Fitness Armband (32,90 Euro Euro) – das kleine Gerät wird über die Health-App von Huawei kontrolliert – Honor ist eine Marke dieses Konzerns. Die App  bietet enorm viele Möglichkeiten, ist dadurch aber auch etwas unübersichtlich.

  • Willful Smartwatch,1.3 Zoll (39,99 Euro) – dieses Modell fällt etwas aus der Reihe, da es kein reiner Fitnesstracker ist, sondern auch einige SmartWatch-Funktionen mitbringt. Das Display ist deutlich größer als bei den Mitbewerbern, das Gewicht mit 34,3 Gramm relativ hoch.

  • Xiaomi Mi Smart Band 5 Fitness- & Aktivitätstracker (34 Euro) über Design kann man streiten – die schnörkellose Form dieses Modells bietet wenig Ansatz für Kritik. Das Funktionsteil lässt sich unkompliziert vom Armband lösen und kann so mit Bändern in anderen Farben kombiniert werden.

  • Yamay Fitness Armband mit Blutdruckmessung (23,99 Euro) – beim günstigsten Modell im Test ist ein USB-A-Anschluss integriert – er verbirgt sich in der unteren Armbandhalterung. Zum Aufladen muss das Armband abgezogen werden, was etwas Kraft erfordert.

So haben wir getestet:

Funktionsumfang – Was können die Geräte messen, und mit welcher Präzision gelingt ihnen das?

Tragekomfort – Stören die Armbänder beim Sport, oder bemerkt man ihre Anwesenheit fast nicht?

Handhabung – Wie leicht oder schwer lassen sich die Armbänder an- und ablegen? Gelingt die Anbindung an die App problemlos? Lassen sich die wichtigsten Funktionen direkt am Gerät nutzen?

Verarbeitung Darf man sich von den Geräten eine lange Lebensdauer erhoffen? Sind sie alltagstauglich?

Honor Band 6 Fitness Armband mit Pulsuhr

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Mit dem Band 6 versucht die ehemalige Huawei-Tochter Honor ofenbar, die Grenze zwischen Fitnessstracker und Smartwatch aufzuweichen. Das langestreckte Display ist mit 1,47 Zoll relativ groß, die Farbwiedergabe sehr gut, wenngleich es bei Sonne gern etwas heller sein dürfte. Das schmale Armband schließt zuverlässig und ist angenehm zu tragen, die Verarbeitungsqualität wirkt gut. Das mitgelieferte Ladekabel klemmt sich magnetisch an das Gerät, lässt sich aber nur in eine Richtung korrekt anstecken. Allzu häufig ist das allerdings nicht nötig. Honor verspricht 14 Tage Laufzeit, das Testgerät hatte nach elf Tagen noch 37 Prozent Restkapzität.

Insgesamt bietet das Honor Band 6 zehn Modi für Sportaten wie laufen, Schwimmen und Radfahren an. Beim Lauftraining war die Messung der Schrittlänge zwar korrekt, die gemessene Laufstrecke lag aber bei mehrere Test-Trainings unter der parallel per GPS vermessenen Laufstrecke. Hier empfiehlt es sich, zumindest gelegentlich ein mit dem Gerät gekoppeltes Handy für Vergleichsmessungen mitzunehmen. Die Messungen der Herzfrequenz waren akkurat.

Bemerkenswert gut ist die sehr umfangreiche Huawei-Health-App, die man zwingend für dieses Fitnessband braucht und die sowohl für Android als auch für iOS verfügbar ist. Zudem lässt sich das Band 6 auch zur Schlafanalyse verwenden und verfügt über einen Modus, der Stresssituationen erkennen und beruhigende Atem-Übungen empfehlen soll. Für verspielte Nutzer gibt es die Möglichkeit, aus einer umfangreichen Auswahl anderer Designs verschiedene Ziffernblätter zu installieren.

 Fitbit Inspire Gesundheits- & Fitness Tracker

Foto: Rainer Claaßen

Trotz des vergleichsweise hohen Preises ist das Display dieses Trackers nur etwa 3 x 1 Zentimeter groß und zeigt nur eine Farbe an. Die ist aber immerhin mit der Farbe des Armbandes abgestimmt. Diverse Aktivitäten werden automatisch aufgezeichnet. Besonders zuverlässig klappt das bei Spaziergängen und beim Laufen. Überraschend, dass der Puls dabei nicht gemessen wird, da das Fitbit-Gerät schlicht keine Funktion zur Pulsmessung hat.

In der Smartphone-App lassen sich Bewegungsziele definieren. Regelmäßige Erinnerungen, die auch auf dem Armband signalisiert werden, erinnern dann daran, diese auch im Auge zu behalten. Dazu gehören auch Dinge wie gesundes Essen und ausreichender Schlaf. Um den zu überwachen, empfiehlt der Hersteller, das Armband auch im Bett zu tragen.

Die App bietet sehr viele Hintergrundinformationen zu einer gesunden Lebensweise. Allerdings fordert sie sehr oft dazu auf, Fitbits Premium-Service zu buchen. Der ist für 90 Tage kostenlos, kostet danach 8,99 Euro pro Monat oder 79,99 Euro pro Jahr.

Garmin vívosport GPS-Fitness-Tracker

Foto: Rainer Claaßen

Mit 26,5 Gramm zählt auch der Garmin-Tracker eher zu den Leichtgewichten. Zumindest in der schwarz-gelben Variante, die wir für den Test verwendet haben, sieht das Ding auch sportlich aus. Das Display ist mit einer Bildschirmfläche von 20 x 8 Millimetern nichts für Weitsichtige – ohne gute Lesebrille erkennen die darauf kaum etwas. Was aber auch daran liegt, dass das Display nicht sonderlich hell leuchtet.

Das Gerät erfasst in erster Linie Daten, die dann in der dazugehörigen »Garmin Connect«-App detailliert ausgewertet werden können. Dort lassen sich auch Ausrüstungsgegenstände wie etwa die Schuhe erfassen, damit man den Überblick behält, wie weit man damit schon gelaufen ist.

Zumindest zu Beginn der Nutzung ist die App großzügig bei der Vergabe von Anreizen: So verleiht sie dem Träger nach den ersten absolvierten Übungen das Wappen »Persönlicher Weltrekord«. Die Ansprüche steigen dann allerdings mit intensiverer Nutzung.

Mit der Live-Track-Funktion lässt sich die eigene Position sowie die Aktivität mit anderen Nutzern teilen – dank integriertem GPS-Modul klappt das recht zuverlässig. Armband und Tracker sind fest miteinander verbunden – ein Austausch des Armbandes ist nicht möglich.

Honor Band 5 Fitness Armband

Foto: Rainer Claaßen

Während das Anbringen des Ladegerätes bei einigen Mitbewerbern sehr einfach ist, muss man diesen Tracker recht präzise in eine Ladeschale klemmen – das ist etwas fummelig.

Die Marke Honor gehört zum Huawei-Konzern. Dementsprechend wird das Gerät mit der »Huawei Health«-App verbunden, die es für Android und iOS gibt. Älteren Versionen der iPhone-Variante mussten viel Kritik einstecken, mittlerweile funktioniert die App auf iPhones aber recht zuverlässig. In der Android-Version, die für den Test zum Einsatz kam, gibt es zwar ein paar hakelige Übersetzungen, insgesamt lässt sie sich aber gut nutzen. Neben der Herzfrequenz kann das Gerät auch die Sauerstoffsättigung des Blutes messen – bei Gesundheitsexperten ist der Sinn dieser Funktion allerdings umstritten.

Besonders auffallend an dem ansonsten nüchtern gestalteten Gerät ist das sehr hell leuchtende Amoled-Display. Das Layout des Hauptbildschirms ist sehr verspielt und bunt, in der App lassen sich viele Varianten davon auswählen. Der Funktionsumfang ist zwar vergleichsweise überschaubar, dafür fordert die App aber auch nicht dazu auf, zu einer kostenpflichtigen Premiumversion zu wechseln. Während sich alle Trainingsarten gut aufzeichnen lassen, gehört  eine GPS-Ortung nicht zum Funktionsumfang.

Willful Smartwatch,1.3 Zoll

Foto: Rainer Claaßen

Der Anschluss zum Aufladen auf der Rückseite der Willful Smartwatch erinnert etwas an die Magsafe-Adapter, die in älteren MacBooks verwendet wurden. Das Ladekabel wird von Magneten an den Kontakten arretiert. Das funktioniert hier aber nur, wenn der Stecker richtig herum angelegt wird.

Die Steuerung der Uhr ist etwas gewöhnungsbedürftig. Eine schnelle Drehung des Armes soll das Display aktivieren. Das funktioniert aber nicht immer. Der Funktionsumfang ist überschaubar – so ist es aber relativ einfach, sich mit den Möglichkeiten der Uhr vertraut zu machen.

Auch die App »VeryFit Pro« hat nicht allzu viele Funktionen – was aber durchaus ein Vorteil sein kann, wenn man sich nicht mit Daten überfluten lassen möchte. Während andere Modelle sportliche Aktivitäten mehr oder minder gut automatisch erkennen, muss man hier den Trainingsbeginn stets manuell einstellen. Hat man das Bedienkonzept aber grundsätzlich verstanden, fällt das nicht allzu schwer. Auch eine rudimentäre Fernsteuerung des Smartphones über die Uhr lässt sich umsetzen. Diese zeigt dann zum Beispiel auch eingehende Anrufe an und kann als Fernbedienung für die Kamerafunktion genutzt werden.

Xiaomi Mi Smart Band 5 Fitness- & Aktivitätstracker

Foto: Rainer Claaßen

Das Design des Xiaomi Mi Smart Band 5 ist schlicht und nüchtern – was auf dem Display angezeigt wird, wirkt hingegen auffallend bunt und verspielt. Wie man das vielleicht von Videospielen kennt, gibt es auch hier ein Belohnungssystem. Durch regelmäßiges Training kann man den sogenannten PAI-Wert steigern. Was genau es damit auf sich hat, kann man sich auf dem hellen Display in einer sehr ausführlichen Beschreibung anzeigen lassen – leider nur in sehr kleiner Schrift.

Neben der Herzfrequenz misst das Gerät auch das aktuelle Stresslevel. Dafür muss das Handgelenk, an dem das Band befestigt ist, für etwa eine Minute ruhig gehalten werden. Wie sich der Wert berechnet, der nach etwa einer Minute angezeigt wird (er kann zwischen 0 und 100 liegen), ist allerdings nicht dokumentiert.

Die Integration in die Smartphone-App »Mi Fit« ist gut gelungen. Außer Sportaktivitäten wird auch die Qualität des Schlafs bewertet, wenn man das Smart Band auch nachts trägt. Die daraus resultierenden Angaben deckten sich allerdings nicht mit der individuellen Wahrnehmung: Auch nächtliche Wachzeiten wurden als leichter Schlaf dokumentiert.

Yamay Fitness Armband mit Blutdruckmessung

Foto: Rainer Claaßen

Das Yamay-Armband wirkt mit dem rotgoldenen Rand um das Display elegant. Der Funktionsumfang ist überschaubar. In der Standardeinstellung kann durch Hochwischen auf dem Bildschirm zwischen sieben Anzeigen ausgewählt werden. Außer der Uhr kann hier die Pulsfrequenz und eine Messung des Blutdrucks ausgewählt werden. Letztere liefert allerdings keine plausiblen Werte – dafür wären auch anders dimensionierte Geräte nötig.

Welche drei Sportaktivitäten hier zusätzlich dargestellt werden, kann in der Smartphone-App festgelegt werden. Das Band arbeitet – wie auch die Willful Smartwatch – mit der App »Veryfit Pro« zusammen. Auch deren Funktionsumfang ist – verglichen mit einigen anderen getesteten Apps – überschaubar.

Eine Hilfe-Funktion bietet viele Erklärtexte, die allerdings schlecht übersetzt sind: Was mit »Warum habe ich angefangen zu gehen, das Armband nicht beginnt zu treten?« gemeint ist, lässt sich zwar unschwer erahnen, in anderen Fällen sind die Sätze aber noch kryptischer.

Das Zitat weist aber auf ein auffälliges Problem hin: Die Verbindung zwischen Tracker und Smartphone war relativ unzuverlässig. Die Anzeige ist recht dunkel, der überschaubare Funktionsumfang macht das Handling vergleichsweise leicht.

Fazit

Die Ansprüche an Fitnessarmbänder sind sehr unterschiedlich. Gut, dass sich alle getesteten Geräte per App mehr oder weniger genau an Ansprüche des jeweiligen Benutzers anpassen lassen. Deren Funktionsumfang dieser Apps ist allerdings sehr unterschiedlich.

Alle Geräte können helfen, Gewohnheiten zu überprüfen, an regelmäßige Aktivitäten erinnern und deren Ausführung auch dokumentieren. Es braucht aber etwas Geduld und Freude am Experimentieren, um den Funktionsumfang wirklich auszunutzen. Ist die Einrichtung gelungen, unterstützen die Geräte nicht nur beim Sport: Sie zeigen auch Nachrichten und eingehende Anrufe vom Smartphone an.

Einen besonders großen Funktionsumfang hat der Garmin vívosport GPS-Fitnesstracker, dessen Bedienung aber recht komplex ist. Ein besonders guter Allrounder mit einem hell leuchtenden Display ist hingegen das Honor Band 5.

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