Gedichte, Reime, Zungenbrecher Lies lieber ungewöhnlich

Ein Gefühl in Worte gefasst, Geschichten in Melodien erzählt – Poesie ist auch für Kinder eine Bereicherung. Fünf Bücher für Kinder und Jugendliche, auf die man sich einen Reim machen kann.
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Daniel Ingold / imago images/Westend61

Gedichte sind – jammer, jammer – zu Unrecht in Vergessenheit geraten. Dabei bietet diese Textform, im Gegensatz zu Geschichten, schnellen Leseerfolg und spielerisches Entdecken unserer Sprache. In Reimen und Gedichten darf man sich textlich locker machen. Wer Kindern heute damit eine Freude bereiten will, sollte aber lieber nicht zu tief in die Mottenkiste greifen.

Schlimm wird es immer dann, wenn man gar nicht versteht, was gemeint sein könnte. Gelungen ist es, wenn man jemanden mit wenigen Zeilen zum Staunen bringt.

Die Zungenbrecher machen es einem leicht. Da geht es meist um gleiche Buchstaben am Anfang des Wortes, die einen stolpern lassen. Durch sie macht man sich Laute oder Buchstaben der eigenen Sprache bewusst. Das reinste Gehirnjogging.

Wir empfehlen eine leichte Gedicht-Anthologie, alberne Zungenbrecher, die Geschichte des großen Butterbrots, verlorene Buchstaben und eine Dichterlesung voller schräger Töne als Hörbucherlebnis.

Die schönsten Gedichte für Kinder

Es geht doch nichts über ein Riemchen Kindergedichte; das Format der Insel-Bücherei passt da perfekt. Witzig, klug und nachdenklich, da ist alles drin. Und dazu noch stimmungsvoll von Antje Damm illustriert.

Man nimmt es schnell mal zur Hand, um mit dem Kind zu staunen und Spaß dabei zu haben, zu entdecken, wie wenige Worte man braucht, um einen Gedanken oder ein Gefühl einzufangen.

Was ist hier los? Nöstlinger, Brecht, Gernhardt und viele mehr: Dem Herausgeber Matthias Reiner ist eine richtig gute Mischung alter und neuer Reime und Gedichte gelungen, die nicht altbacken sind und vornehmlich einen lustigen Ton anschlagen.

Beste Lesezeit: In der Badewanne.

Empfohlenes Alter: 3 bis 13 Jahre.

Paul klaut blaue Prickelbrause

Endlich neue Zungenbrecher, die altbekannten sind ja schon sehr abgehangen. Inspirierende Lektüre, nach der man wahrscheinlich eine Weile nicht mehr normal sprechen kann.

Hier werden endlich wichtige Fragen beantwortet: Womit braut Paula blaue Prickelbrause? Und was klebt eigentlich zwischen Zebra Zeldas Zähnen?

Was ist hier los? Ein lustiger Reigen Zungenbrecher über den pupsenden Ruben, die nette Mette und eine gewisse Klapperschlange. Einige sind dem Volksmund bekannt und wurden von der Autorin einfach aufgelesen, andere hat sie abgewandelt und sich manche selbst ausgedacht. Das Ganze ist mit herrlich absurden Bildern von Antje von Stemm illustriert.

Beste Lesezeit: Bei Lampenfieber.

Empfohlenes Alter: Ab 5 Jahren.

Hunger! Käpt’n Piet hat Appetit

Und noch mehr Blödsinn, lustig illustriert von Andreas Német: Ein Pirat (höhö – mit »Mama«-Tattoo!) belegt ein riesiges Brot mit sich reimenden Zutaten. Große Bilder, wenige Worte. Man kann noch ganz klein sein und wird mit dieser Reimerei in großen Bildern Spaß haben. Perfekt für Reimsteiger.

Was ist hier los? Manno! Käpt’n Piet hat HUNGER! Und es ist kein Smutje an Bord, der ihm was kocht! Also muss er sich selbst eine Stulle machen mit dem, was die Kombüse zu bieten hat: Mais und Erdbeereis, Chicorée und Beuteltee sowie vielen anderen, ziemlich überraschenden, Zutaten. Guten Appetit, Piet!

Beste Lesezeit: Vor dem Essen.

Empfohlenes Alter: Ab 3 Jahren.

Haltet den Die !

Es gibt so vieles, worüber man sich freuen kann. Zum Beispiel über all die Buchstaben, die uns zur Verfügung stehen. Autor und Illustrator Horst Klein hat allerhand Wortbeispiele dafür gefunden, wie wichtig jeder einzelne von ihnen ist, und das Ganze lustig illustriert.

Was ist hier los? Schräge Gedankenspiele, die sich irgendwie auch reimen. Was wäre zum Beispiel Europa ohne sein E? Ja, genau. Oder ein Eis ohne sein S? Tja. Ein schöner Sprachspaß für jedes Alter, bei dem man nebenbei Lesen und Buchstabieren übt.

Beste Lesezeit: Alle zusammen auf dem Sofa.

Empfohlenes Alter: Ab 6 Jahren.

Eile mit Feile

Jandl war immer cool und zeitlos. Er spielte respektlos mit der deutschen Sprache und schien keine Regeln zu kennen. Seine Gedichte heißen »schtzngrmm«, »liegendes gedicht« oder »otto mops«. Kein Wunder also, dass Jandl manchen als »Verderber der Jugend« galt.

Liebesgedichte, Kindisches, Politisches. Dieser ungewöhnliche Poet hat in jeder Situation einen klugen Gedanken parat. Kleine Kostprobe: »demokratie. unsere ansichten gehen als freunde auseinander.«

Was ist hier los? Es ist ein Genuss, den Wiener in dieser Lesung aus dem Jahr 1995 zu hören; diese knarzige Stimme mit einer schönen dialektalen Färbung. Da viele Gedichte lautmalerisch angelegt sind, erschließen sie sich erst in einer Lesung und sind dank ihrer Kürze auch für junge Ohren geeignet. Einfach mal anmachen.

Beste Lesezeit: Während eines Waldspaziergangs.

Empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren.