Spieleklassiker Was wurde eigentlich aus »Halli Galli«?

Der Spieleklassiker mit der Glocke raubte vielen Eltern den Nerv. Macht »Halli Galli« heute noch Spaß? Wir haben es ausprobiert und einige Nachfolger angespielt.
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Diana Doert / DER SPIEGEL

Der Klassiker – »Halli Galli«

Worum ging's noch mal?

Eine Metallglocke, wie man sie vom Tresen einer Rezeption von früher kennt, ein Stapel Karten mit Früchten in unterschiedlicher Anzahl und ein Spieltisch – mehr brauchte es nicht, um meiner Familie den letzten Nerv zu rauben. Heute, gute 30 Jahre später, muss ich feststellen: Wäre ich damals an der Stelle meiner Eltern gewesen, dieses Spiel wäre heimlich, still und leise auf unerklärliche Weise aus dem Spieleschrank »verschwunden«.

Aber der Reihe nach. Als »Halli Galli« 1990 auf den Markt kam, gab es schon eine ganze Reihe solcher Reaktionsspiele. Allerdings wurden die meisten mit normalen Spielkarten gespielt. Man verteilte die Karten gleichmäßig an alle Spielerinnen und Spieler, es wurde reihum vom verdeckten Stapel aufgedeckt. Sobald sich Karten oder Symbole doppelten, musste man fix in die Tischmitte hauen. Denn wer zu langsam war, bekam alle Karten der Mitspieler.

»Halli Galli«-Schachtel, früher (l.) und heute
»Halli Galli«-Schachtel, früher (l.) und heute

»Halli Galli«-Schachtel, früher (l.) und heute

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Diana Doert / DER SPIEGEL

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Bei »Halli Galli« ist das nicht viel anders. Sobald man auf dem Tisch insgesamt fünf identische Früchte liegen hat, muss man in die Mitte auf die Glocke hauen. Ja, genau. Laut und deutlich auf die Metallglocke. Wer zuerst klingelt, bekommt alle offenen Ablagestapel. Wer keine Karten mehr vor sich liegen hat, fliegt raus, und am Ende gewinnt, wer die meisten Karten einsacken konnte.

Alte und neue Spielkarten von »Halli Galli«
Alte und neue Spielkarten von »Halli Galli«

Alte und neue Spielkarten von »Halli Galli«

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Diana Doert / DER SPIEGEL

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Diana Doert / DER SPIEGEL

Taugt das heute noch?

Viel verändert hat sich bei »Halli Galli« wirklich nicht. Gut, die Glocke ist mittlerweile fast ganz aus Plastik, Karten und Box haben minimale Layoutveränderungen erhalten – aber das war’s dann auch schon. Auch wenn es mittlerweile sehr viele neue ähnliche Reaktionsspiele gibt, »Halli Galli« ist immer noch sehr beliebt. Besonders Kinder lieben die Spannung und das laute »Ding« der Glocke. Und es könnte sein, dass demnächst bei uns ein Spiel weniger im Spieleregal zu finden sein wird. Vielleicht ist es heimlich, still und leise für eine Weile in den Keller umgezogen.

Amigo; 2 – 4 Spieler:innen; ab 8 Jahren

Ihnen klingeln auch die Ohren vom Gebimmel der Glocke, und ein oder zwei neue »Draufhau-Spiele« würden der Sammlung und dem Familienfrieden ganz guttun? Hier eine kleine Auswahl für Alternativen:

»Taco, Katze, Ziege, Käse, Pizza«

Worum geht’s?

Auch bei diesem Spiel muss man schnell sein und blitzschnell zuschlagen. Wie der Name des Spiels schon vermuten lässt, sind auf den Karten Tacos, Katzen, Ziegen, Käse oder Pizza abgebildet. Alle Karten werden verdeckt und gleichmäßig an alle Mitspieler:innen verteilt.

Ist man am Zug, deckt man die erste Karte auf und sagt laut »Taco«. Sollte jetzt irgendwas anderes auf der Karte sein als ein Taco, passiert gar nichts. Wer als Nächstes dran ist, deckt eine weitere Karte auf, legt sie auf die vorherige und sagt jetzt laut »Katze«. Und solange das Gesagte nicht mit dem Abgebildeten übereinstimmt, geht es jetzt weiter mit Ziege, Käse und Pizza, um dann mit Taco wieder von vorne zu starten.

Sollte aber das ausgesprochene Wort zu der aufgedeckten Karte passen, also bei Taco auch wirklich ein Taco zu sehen sein, dann heißt es blitzschnell zuzuschlagen, und zwar auf den Kartenstapel in der Mitte. Wer zuletzt draufhaut, muss alle Karten nehmen und diese wieder unter den eigenen Stapel legen.

Wer zuerst alle Karten losgeworden ist, gewinnt. Das allein wäre jetzt schon ein netter Mechanismus, wenn sich da nicht noch so Querulanten wie das Murmeltier, der Gorilla und der Narwal unter die Karten geschlichen hätten. Tauchen die auf, muss man noch ganz andere Dinge machen, bevor man endlich zuschlagen darf.

»Taco, Katze, Ziege, Käse, Pizza«

»Taco, Katze, Ziege, Käse, Pizza«

Foto: Diana Doert / DER SPIEGEL

Taugt das was?

Eine tolle Idee, fünf Gegenstände auszuwählen, die so gar nichts miteinander gemein haben, und sie zum Kern eines Spielmechanismus zu machen. Die schräge Kombination aus dem, was man aussprechen muss, und dem, was man sieht, kann die Gehirnzellen schon ganz ordentlich auf Trab halten. Auch wenn man das Spiel bereits zigmal gespielt hat – an irgendeiner Stelle hängt sich das Gehirn dann doch wieder auf, und man guckt sich verwirrt um, warum die anderen jetzt schon wieder in die Mitte hauen. Beim jüngeren Brettspielnachwuchs lässt man einfach die drei Sondertiere anfangs raus, dann kommen die auch gut ins Spiel.

Blue orange; 2 – 8 Spieler:innen; ab 8 Jahren

»Tarantel Tango«

Worum geht’s?

Die tanzwütige Tango-Tarantel sucht ein Tier, das mit ihr tanzen möchte. Die sind aber alles andere als begeistert und schreien allein schon beim Anblick der achtbeinigen Tanzpartnerin. Na, das kann ja heiter werden.

»Tarantel Tango«

»Tarantel Tango«

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Diana Doert / DER SPIEGEL

Zunächst mal wird die fünfeckige Tarantelkarte in die Tischmitte gelegt. Die übrigen Spielkarten werden gemischt und gleichmäßig verteilt. Auf den Karten findet man eine Reihe Tiere, mal allein, mal gleich im Doppelpack. So gibt es Hunde, Katzen, Kühe, Esel, Ziegen und Papageien. Auf manchen der Karten ist zusätzlich eine, ganz manchmal sind zwei kleine Taranteln zu sehen.

Wer die erste Karte aufdeckt, muss sie lediglich an eine Seite der Tarantelkarte anlegen, noch passiert gar nichts. Die nächste Spielerin muss jetzt, bevor sie ihre Karten an das nächste freie Feld legt, schauen, ob auf der gerade gelegten Tierkarte auch eine Tarantel zu sehen ist. Ist die tatsächlich abgebildet, muss man vor dem Ablegen der eigenen Karte das Geräusch des letzten Tieres machen. Sollten sogar zwei Tiere zu sehen sein, gleich zweimal. Hat etwa der Spieler vor einem eine Kuh mit zwei Taranteln abgelegt, muss man »Muh Muh« sagen, bevor man seine eigene Karte ablegt, dann ist der Nächste dran. Macht man etwas falsch, gehören einem alle ausliegenden Karten. Wer zuerst keine Karten mehr hat, gewinnt.

Das Grundkonzept kann die Gehirnzellen schon ein bisschen aufweichen. Wenn dann aber die ganzen Sonderregeln dazukommen, wird es richtig schön anstrengend. So ist der Papagei sprachbegabt und ahmt das Tier vor ihm nach, die Kuh ist ein Herdentier und kommt nicht allein, daher braucht sie mehr Platz und man muss beim Ablegen ein Feld freilassen. Sie ahnen es, da geht noch viel mehr!

Taugt das was?

Bei uns ist das auf jeden Fall ein Klassiker geworden. Kaum ein Spiel habe ich häufiger an befreundete Familien verschenkt als »Tarantel Tango«. Die Regeln sind schnell erklärt, das Layout ist toll, und mit ein bisschen Fantasie kann man zusätzlich Hausregeln bis zum Umfallen erfinden. Zum Beispiel: Wird ein Hund direkt nach einer Katze aufgedeckt, muss die Richtung gewechselt werden, weil der Hund die Katze jagen will. Mit Neulingen kann man zuerst mit den einfachsten Regeln starten und dann nach und nach die Daumenschrauben anziehen und das Spiel immer komplexer machen.

Drei Magier Spiele; 2 – 5 Spieler:innen; ab 7 Jahren; Autor: Jacques Zeimet

»Geistesblitz«

Worum geht’s?

Die kleine Verpackung kommt mit einem Stapel Karten daher und fünf schönen Holzfiguren. Da gibt es ein weißes Gespenst, einen roten Sessel, eine grüne Flasche, ein blaues Buch und eine graue Maus. Auf den Karten sind immer zwei dieser Gegenstände abgebildet, allerdings meistens nicht in den Originalfarben.

Die Karten werden gemischt und verdeckt auf einen Stapel in die Tischmitte gelegt. Wer am Zug ist, deckt die oberste Karte auf, und dann muss alles wieder ganz schnell gehen. Geschnappt werden muss jetzt der Gegenstand, der korrekt abgebildet ist. Da das aber nur selten der Fall ist, muss man nun stattdessen den Gegenstand greifen, der weder selbst auf der Karte zu sehen ist, noch dessen Originalfarbe hat. Sieht man auf der aufgedeckten Karte also eine grüne Maus mit einem weißen Buch, ist der gesuchte Gegenstand der rote Sessel. Wer richtig und am schnellsten reagiert hat, darf die aufgedeckte Karte als Siegpunkt behalten. Ist der Kartenstapel aufgebraucht, gewinnt, wer die meisten Punkte hat.

»Geistesblitz«

»Geistesblitz«

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Diana Doert / DER SPIEGEL

Taugt das was?

Also so eine einzige Regel bekommt man ja noch gut hin. Stellt man dann aber fest, dass genau diese Regel nur ganz, ganz selten zum Tragen kommt, dann konzentriert man sich doch lieber auf Regel Nummer Zwei. Und schon steckt man in Schwierigkeiten. Ich weiß gar nicht, wie oft wir bei »Geistesblitz« dachten, dass eine Karte »falsch« sein müsse, dabei hatten wir vergessen, wonach wir eigentlich suchen müssen. Ganz bezauberndes Hirn-Hand-Spiel, bei dem die Jüngeren mal wieder klar im Vorteil sind.

ZOCH; 2 – 8 Spieler:innen; ab 8 Jahren; Autor: Jacques Zeimet

Hintergrund: Produkttests im Ressort Tests

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes wurde als Hersteller von »Halli Galli« Hasbro angegeben. Es handelt sich aber um Amigo. Wir haben die Stelle entsprechend korrigiert.

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