Smarte Thermostate im Test Wenn die Heizung auf Automatik läuft

Per App steuerbare Regler sollen helfen, beim Heizen Energie zu sparen. Wir haben acht Modelle getestet und festgestellt: Nicht nur beim Preis gibt es gewaltige Unterschiede.
Von Berti Kolbow-Lehradt
Wie viel spart das digitale Thermostat? Tados App gibt dazu Prognosen ab

Wie viel spart das digitale Thermostat? Tados App gibt dazu Prognosen ab

Foto: Berti Kolbow-Lehradt

Smarte Heizkörperthermostate sollen helfen, Energieverschwendung zu vermeiden, indem sie Heizkörper genauer steuern, als es von Hand möglich wäre. Für die Installation braucht man keinen Fachmann, mit ein paar Handgriffen und vielleicht unter sanfter Zuhilfenahme einer Wasserpumpenzange ist der alte Regler abgeschraubt und durch ein smartes Modell ersetzt.

Mit unterschiedlichen Abschaltautomatiken sorgen die elektronisch gesteuerten Regler dann dafür, dass die Heizung nicht unnötig bollert. Temperatursensoren und Funkchips können etwa dafür sorgen, dass ein batteriebetriebener Elektromotor das Ventil des Heizkörpers schließt, sobald ein Fenster zum Lüften geöffnet wird oder alle das Haus verlassen haben. Praktisch ist auch die Möglichkeit, die digitalen Stellantriebe per Smartphone-App, Sprachbefehl oder Display am Gehäuse haargenau auf die Wunschtemperatur einzustellen. So lassen sie sich exakter drosseln als herkömmliche Modelle.

Hersteller smarter Thermostate versprechen Einsparpotenziale von bis zu 30 Prozent. Das ist meist zu hoch gegriffen. Realistischer ist eine Heizkostenersparnis zwischen neun und 15 Prozent , prognostiziert die gemeinnützige Beratungsgesellschaft co2online. Dabei gilt: Vergesslichen Menschen nützt die smarte Technik mehr als solchen, die ohnehin schon diszipliniert daran denken, die Heizung herunterzuregeln. Letztere profitieren dann rein von der Option, auf Kommando alle Heizkörper gleichzeitig regulieren zu können.

Bei der Kosten-Nutzen-Rechnung darf zudem noch etwas nicht außer Acht bleiben. Weil die digitale Technik viel teurer ist als ein manueller Regler, amortisiert sich die Anschaffung mitunter erst nach zehn Jahren, rechnet co2online vor. Die Kosten für regelmäßige Batteriewechsel kommen hinzu.

Damit die smarte Temperatursteuerung überhaupt eine Hilfe ist, sollten sich die Heizkörperthermostate einfach einrichten und den eigenen Vorlieben anpassen lassen. Denn wenn eine Fehlbedienung zu vergeudeter Heizenergie führt oder die smarte Technik wegen eines unverständlichen Bedienkonzepts ungenutzt im Schrank landet, ist niemandem geholfen. Wie nützlich sie tatsächlich sind, mussten acht smarte Heizkörperthermostate im Test beweisen.

Die getesteten Modelle im Überblick:

  • AVM Fritz!DECT 302 (70 Euro): Temperatur mit der Fritz!Box steuern

  • Bosch SmartHome Heizkörperthermostat II (80 Euro): Keine Cloud nötig

  • Eve Thermo 4 (80 Euro): Heizen mit HomeKit

  • Homematic IP Heizkörperthermostat Evo: Steuern mit System

  • Netatmo Smartes Heizkörperthermostat (85 Euro): Empfindlicher Schönling

  • Shelly TRV Heizkörperthermostat (75 Euro): Funktioniert ohne Gateway

  • Tado Smartes Heizkörper-Thermostat v3+: Allrounder mit Abo

  • Telekom Magenta SmartHome Heizkörperthermostat (45 Euro): Günstige Alternative vom rosa Riesen

So haben wir getestet:

Design und Montage: Wie gut fügt sich das Gerät optisch ins Zuhause ein? Wie schnell lässt es sich in Betrieb nehmen?

Bedienung: Wie einfach und passgenau ist das Thermostat von Hand oder per Zeitschaltplan in der App einstellbar? Physische Tasten und ein gut ablesbares Display am Gerät sind Pluspunkte.

Smarte Funktionen: Schaltet sich das Heizkörperthermostat von selbst aus, wenn alle Bewohner mit ihren Smartphones das Haus verlassen haben? Erkennt der Regler geöffnete Fenster? Lässt sich die Temperaturmessung mit externen Sensoren präzisieren, damit es auch in der Raummitte warm wird? Ist das Thermostat mit den großen Smart-Home-Plattformen koppelbar?

Zusatzkosten: Von Vorteil ist, wenn das Thermostat ohne ein zusätzlich zu erwerbendes Gateway funktioniert. Negativ fällt ins Gewicht, wenn wichtige Funktionen erst nach Abschluss eines Abos oder dem Kauf zusätzlicher Sensoren nutzbar sind. Abzüge gibt es auch, wenn ein Thermostat durch ungewöhnlich häufig notwendige Batteriewechsel auffällt.

AVM Fritz!DECT 302

Foto: Berti Kolbow-Lehradt

Der Heizregler von AVM kommt für viele Smart-Homes infrage, weil er als Schaltzentrale die verbreiteten Fritz!Box-Router von AVM akzeptiert. Das neue Modell sieht mit seiner Quaderform und den versenkten Tasten aufgeräumter und dezenter aus als der konische Vorgänger 301 mit seinen hervorstehenden Knöpfen. Außerdem verspricht AVM beim Neuzugang wegen dreier statt zwei AA-Batterien eine längere Laufzeit von mehr als zwei Heizperioden. Zudem sollen ein besserer Chip und mehr Speicher das Reaktionstempo des Thermostats verkürzen, sodass er binnen zwei Minuten auf Steuerbefehle reagiert. Beim Vorgänger konnte das fünfmal so lange dauern.

Vieles andere ist unverändert, auch die Einrichtung. Die mechanische Montage und das Software-Setup gehen schnell von der Hand. Letzteres erfolgt weiterhin etwas unzeitgemäß über die Web-Oberfläche der Fritz!Box. Sie ist bloß am Computer mit Maus und Tastatur bequem zu bedienen. Dort lassen sich etwa Heizpläne, eine Urlaubsschaltung und eine Sommerpause einstellen. In der Smartphone-Anwendung (Download für Android  und iOS ) lässt sich die Temperatur nur ablesen und manuell ändern. Alternativ geht das auch am Fritz!Fon-Telefon, dem Funktaster Fritz!DECT 440 – und am Thermostat selbst. Praktisch: Dessen Anzeige lässt sich in 90-Grad-Schritten für besseres Ablesen drehen.

Wirkliche Smart-Home-Funktionen bietet AVMs Regler nur wenige. Eingebaut ist eine Fenster-Offen-Erkennung. Registriert das Thermostat einen Temperatursturz, drosselt es die Heizung vorübergehend. Externe Fensterkontaktsensoren, die schneller reagieren, sollen sich nach einem Update der Fritz!Box auf FritzOS 7.50 ergänzen lassen. Wann dieses Update kommt, ist bei Erscheinen dieses Artikels aber noch unklar.

Geofencing fehlt komplett. Auch mit Zusatzdiensten ist eine standortabhängige Steuerung nicht nachrüstbar. Keiner von AVMs Spielpartnern hat sie in petto. Der Hersteller unterstützt offiziell die Plattform Home Connect Plus von Bosch. Sprachbefehle mit Amazon Alexa und Google Assistant gehen zwar auch, aber die Verknüpfungen stammen von einem unabhängigen Softwareentwickler. AVM übernimmt keine Verantwortung, dass sie funktionieren.

Pro

  • Außer Fritz!Box mit DECT-Modul keine Schaltzentrale nötig

  • Einfache Einrichtung und Bedienung

  • Viele Funktionen für die manuelle Temperatursteuerung

  • Per Maus und Tastatur im PC-Browser bedienbar

Contra

  • Keine standortabhängige Steuerung (Geofencing)

  • Funktionsarme App

  • Kaum Smart-Home-Integrationen

Bosch SmartHome Heizkörperthermostat II

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Boschs neuer smarter Regler sieht wegen der kantigen Form und den Metallic-Akzenten nicht weniger futuristisch aus als sein Vorgänger. Dafür ist der Neuzugang kleiner, hat ein größeres Display und lässt sich über seinen Drehschalter leicht bedienen. Die Temperatur durch ein Wippen, statt mit Tasten zu steuern, ist gefälliger.

Für den Betrieb ist eine 60 Euro teure Schaltzentrale erforderlich, die den ZigBee-Funk des Thermostats ins WLAN-Heimnetzwerk überträgt. Beide Komponenten sind schnell installiert. Die Bosch-App (Download für Android  und iOS ) nimmt Neulinge gut an die Hand. Für die Ersteinrichtung reicht ein QR-Code. Ein Cloud-Konto mit E-Mail und Passwort ist kein Zwang. Wer, will, verwendet das Bosch-System rein lokal ohne Fernzugriff aufs Internet. Zusammen mit AVM und Shelly bietet Bosch damit komplett Cloud-unabhängige Systeme an.

Heizpläne einzurichten, ist ein Klacks. Die App schlägt Zeitfenster »für Warmphasen« und »Kaltphasen« vor, die sich für jeden Tag anpassen lassen. Größere Hürden setzt Bosch beim Einrichten von Automatiken, die die Heizung steuern, sobald mal etwas außer der Reihe geschieht. Als einziges Thermostat dieses Vergleichs reagiert das Bosch-Modell nicht ab Werk auf einen Temperatursturz, wenn das Fenster geöffnet ist. Nur sofern externe Bosch-Fensterkontaktsensoren eine solche Situation erkennen, drosselt die Software die Heizung. Ohne den Extrakauf geht es nicht.

Auch Geofencing gibt es nicht ab Werk. Eine standortabhängige Schaltautomatik lässt sich nur über Apples HomeKit einrichten. Dafür ist dann aber ein Cloud-Konto als Nahtstelle nötig. Das gilt auch, wenn Amazon Alexa oder Home Connect Plus verwendet werden sollen. Bei einer anderen wichtigen Funktion lässt Bosch sich nicht lumpen. Der Temperaturversatz zwischen kälterer Raummitte und wärmeren Heizkörpermesswert lässt sich in der Bosch-App genauso einfach einstellen wie bei den meisten anderen Thermostaten in diesem Vergleich.

Pro

  • Kein Cloud-Zwang

  • Futuristisches Design

  • Einfache Montage

  • Komfortabler Heizphasen-Editor

  • Gute Smart-Home-Integrationen

Contra

  • Fenster-Offen-Erkennung nur mit externen Sensoren

  • Geofencing erfordert Zusatzdienst – und Cloud-Kontakt

Eve Thermo (2020)

Foto: Berti Kolbow-Lehradt

Wer sein Smart-Home ausschließlich mit Apple-Geräten steuert, kann einen Blick auf Eve Thermo werfen, denn dieser Thermostat funktioniert nur mit Apples Plattform HomeKit. Als Schaltzentrale für Automationen und die Fernsteuerung von außer Haus dienen wahlweise ein HomePod Mini (100 Euro) oder ein Apple TV 4K (ab 200 Euro). Sie leiten Signale mit der Funklöcher stopfenden Thread-Technik an das Thermostat weiter. Ein separates Gateway ist dadurch überflüssig.

Ohne Apples Lautsprecher oder Set-Top-Box lässt sich das Thermostat per Bluetooth-Funk aus entsprechend kurzer Distanz bedienen. Das setzt aber zwingend ein iPhone, iPad oder einen Mac mit M1-Chip voraus. Nur dafür gibt es die Eve-App zum Download . Android bleibt außen vor. Zudem nutzt Eve iCloud, sodass der Bedarf für ein separates Nutzerkonto entfällt. Apples Webserver sind wichtig, damit Eve das Geofencing von HomeKit für standortabhängiges Schalten nutzen kann. Für Zeitschaltpläne ist keine dauerhafte Internetverbindung nötig, weil das Thermostat sie lokal speichert.

Eve Thermo ist schnell am Heizkörper installiert und per App schnell eingerichtet. Einmal in die mächtige Software eingearbeitet, lassen sich pro Tag drei Heizphasen sowie Urlaubs- und Sommerpausen mit wenigen Handgriffen einstellen. Den Temperaturverlauf visualisiert die App per Diagramm.

Offene Fenster erkennt Eve Thermo zwar ab Werk auch so, mit einem zusätzlichen Kontaktsensor aber viel schneller. Eine Einstellung für einen Temperaturversatz zwischen Heizkörper und Raummitte lässt sich nur von Hand in der App vornehmen. Am Gerät selbst ist die Temperatur mit zwei Sensortasten änderbar. Wie warm es ist, zeigen um 180 Grad drehbare Leuchtziffern gut lesbar an.

Für Apple-Fans bietet Eve damit eine tolle Heizhilfe. Ein klobiger Look und ein nicht fürs Schlafzimmer geeignetes Betriebsgeräusch sind verkraftbare Kompromisse. Da das Thermostat wegen des Thread-Funks den im November starteten Matter-Standard unterstützt, könnte die Plattform-Auswahl bald größer werden. Der Standard soll den Brückenschlag zu Amazon sowie Googles und Samsungs Smart-Home-Apps und Sprachassistenten – auch auf Android-Geräten – ermöglichen.

Pro

  • Einfache Einrichtung und Bedienung

  • Viele gute smarte Heizfunktionen

  • Kommt fast ohne Cloud aus

  • Perfekt auf HomeKit abgestimmt

  • Unterstützt den Matter-Standard

Contra

  • Vorerst nur für Apple-Hardware

  • Klobiger Look

Homematic IP Heizkörperthermostat Evo

Foto: Berti Kolbow-Lehradt

Bisher verlangte Homematic IP einen optischen Kompromiss. Entweder fiel die Wahl auf ein kompaktes, aber einfach gestricktes Modell ohne Display, oder auf eine sehr gut ausgestattete, aber klobige Variante. Beim Neuzugang Evo kombiniert der Hersteller die Vorzüge der beiden Modelle: viele Funktionen und eine schlanke Form. Weil der ganze Thermostatkopf in einen beweglichen Zylinder eingebettet ist, reicht ein leichtes Wippen, um die Temperatur zu variieren. Sie lässt sich an Leuchtziffern ablesen, die abhängig von den Sehvorlieben in zwei Richtungen drehbar sind. Außerdem arbeitet das Thermostat auffällig leise – ideal fürs Schlafzimmer.

Diese neuen Talente lässt sich Homematic IP mit einem Preisaufschlag bezahlen. Der zwingend notwendige Kauf einer Schaltzentrale kommt hinzu. Zum Preis von 50 Euro ist der Homematic IP Access Point aber günstig. Die geschätzte Batterielaufzeit der Thermostate, zwei Jahre, ist sehr gut.

Das Thermostat lässt sich schnell mit dem Heizkörper, die Schaltzentrale schnell mit dem Router koppeln. Das geht sogar sehr datensparsam. Die Schaltzentrale kommuniziert zwar zwingend mit der Hersteller-Cloud. Aber ein persönliches Konto ist dafür nicht nötig. Daher lässt sich die Technik trotz Cloud-Zwangs anonym nutzen. Für den Heizungsbetrieb ist ein etwaiger Internetausfall kein Problem, weil das Thermostat die Schaltpläne lokal speichert.

Da die Hersteller-App (Download für Android  und iOS ) nicht nur fürs Heizen, sondern für über 100 Geräte des sehr großen Markensortiments gedacht ist, braucht sie etwas Eingewöhnung. Nach kurzer Lernphase sind Heizprofile, Urlaubspausen und ein Temperaturversatz leicht angelegt. Eine Fenster-Offen-Erkennung ist vorhanden, lässt sich um externe Fensterkontaktsensoren des Herstellers ergänzen, drosselt die Heizung dann noch schneller.

Geofencing bietet Homematic IP dagegen selbst nicht an. Die standortabhängige Steuerung lässt sich immerhin mit einem Zusatzdienst nachrüsten, genauer, mit der etwas fummeligen Smartha App (Download für Android  und iOS ). Zwar ist Homematic IP auch mit den populäreren Plattformen Home Connect Plus und Amazon Alexa koppelbar – aber die beherrschen Geofencing nicht. Weil das System von Homematic IP so viel Auswahl bietet, ist der Bedarf für Drittgeräte ansonsten viel geringer als bei den anderen Thermostaten dieses Vergleichs.

Pro

  • Schickes, minimalistisches Design

  • Einfache Bedienung

  • Datensparsame App

  • Leiser Betrieb

  • Fenster-Offen-Erkennung

  • Umfangreich erweiterbares System

Contra

  • Geofencing nur per Zusatz-App

  • Hoher Preis

Netatmo Smartes Heizkörperthermostat

Foto: Berti Kolbow-Lehradt

Netatmos smartes Thermostat sieht nicht nach schnöder Technik aus. Der in eine bewegliche Plexiglas-Hülle gekleidete Zylinder steht für eine avantgardistische Wohnästhetik. Ein Aufkleber wahlweise in Gelb, Orange, Grün oder Blau bringt den transparenten Drehrücksteller zum Schimmern. Leider ist der Schönling empfindlich, die Montage verlangt Fingerspitzengefühl. Der zwingend benötigte Ventiladapter aus weichem Kunststoff verkantet leicht, ebenso der hakelige Batteriedeckel. Beim Festschrauben des Thermostats muss Handkraft reichen und die Rohrzange außen vorbleiben – sonst verkratzt die weiche Überwurfmutter.

Dass das herstellereigene Funkprotokoll des Reglers eine Schaltzentrale als Verbindung zum WLAN-Router benötigt, verlängert die Ersteinrichtung um wenige Minuten und treibt den Einstiegspreis nach oben. Ein Starterset aus Gateway und zwei Thermostaten kostet 200 Euro, jeder weitere Regler 85 Euro. Den vom Hersteller auf rund alle zwei Jahre geschätzten Batteriewechsel kann man gut verkraften. Zur langen Laufzeit trägt ein sparsames E-Ink-Display bei.

Abgesehen vom Drehrücksteller des Thermostats lässt sich die Temperatur mit der angenehm übersichtlichen Smartphone-App Netatmo Energy (Download für Android  und iOS ) regulieren. Darin sind auch die Heizpläne und die eingebaute Fenster-Offen-Erkennung konfigurierbar. Außer bei offenen Fenstern drosselt die smarte Technik die Heizung ebenfalls selbsttätig, wenn ein Webdienst Sonnenschein ankündigt. Ein etwaiger Temperaturversatz zwischen Heizkörper und Raummitte muss manuell eingegeben werden.

Externe Fensterkontaktsensoren und eine standortabhängige Geofence-Schaltautomatik lassen sich mithilfe von Zusatzdiensten wie etwa Apple HomeKit ergänzen. Außerdem versteht sich Netatmos Heizkörperthermostat mit Amazon Alexa, Google Home, Home Connect Plus und Samsung SmartThings, was viele Kombinationen mit anderen Markengeräten ermöglicht.

Pro

  • Raffiniertes Design

  • Einfache Bedienung

  • Viele Smarthome-Integrationen

Contra

  • Empfindliches Material

  • Geofencing nur mit Zusatzdiensten

  • Hoher Preis

Shelly TRV

Foto: Berti Kolbow-Lehradt

Shellys Thermostat ist ein wuchtiger Koloss und benötigt mit fast zehn Zentimetern Länge im Vergleich zu den anderen getesteten Geräten den meisten Platz neben dem Heizkörper. Auch in weiteren Aspekten unterscheidet er sich von der Konkurrenz. Ein fest eingebauter Akku versorgt ihn mit Energie für zwei Heizperioden. Dadurch entsteht kein stetiger Batterieschrott, aber der Bedarf, das Gerät rechtzeitig per USB-Kabel aufzuladen. Uneingeschränkt praktisch: Weil ein WLAN-Chip eingebaut ist, kommuniziert das Thermostat direkt mit dem WLAN-Router, braucht keine zusätzliche Schaltzentrale.

Die Inbetriebnahme ist besonders schnell abgeschlossen, vorausgesetzt, der Akku hat genug Power. Es gilt ja nur, das Thermostat am Heizkörper festzuschrauben und es mit der Hersteller-App (Download für Android  und iOS ) oder die Browser-Oberfläche  in Betrieb zu nehmen. Ein Cloud-Zwang besteht nicht, eine Internetverbindung ist rein optional.

Die Bedienlogik der Software weicht vom Konsens ab und ist gewöhnungsbedürftig. Das Heizverhalten zu programmieren, erfordert eine Lernphase, lässt sich dann aber präzise eigenen Vorlieben anpassen. Offene Fenster erkennt das Gerät ab Werk anhand des damit verbundenen Temperatursturzes. Externe Fensterkontaktsensoren präzisieren die Fenster-Offen-Erkennung, externe Temperatursensoren die Einstellung eines Temperatur-Offsets. Außer per App lässt sich die Temperatur auch über Tasten am Thermostat ändern sowie von Leuchtziffern ablesen.

Geofencing ist eine Lücke im ansonsten großen Funktionsumfang. Eine standortabhängige Steuerung ist nicht vorgesehen. Wer hingegen das Shelly-Thermostat zusammen mit anderen Geräten in eine gemeinsame Smarthome-Steuerung einbinden und um Funktionen erweitern möchte, hat viele Optionen. Das Gerät versteht sich etwa mit den populären Plattformen Amazon Alexa, Home Connect Plus, Samsung SmartThings und Bastellösungen wie Home Assistant und Hoobs.

Pro

  • Nutzt das vorhandene WLAN

  • Cloud-Funktionen nur optional

  • Umfangreiche Heizphasensteuerung

  • Fenster-Offen-Erkennung integriert und mit Sensoren möglich

  • Viele Smarthome-Integrationen

Contra

  • Kein Geofencing ab Werk

  • Fest eingebauter Akku erfordert rechtzeitiges Aufladen

Tado Smartes Heizkörper-Thermostat v3+

Foto: Berti Kolbow-Lehradt

Tados schlanker Thermostat-Zylinder mit seinem raffinierten halbtransparenten LED-Display sieht schick aus. Das Lippenstift-große LAN-Gateway fällt außergewöhnlich kompakt aus. Es ist nötig, um die Thermostate ins Netz einzubinden. Beide Komponenten sind dank guter Anleitung schnell betriebsbereit. Die durchdachte und übersichtliche Menüführung der Smartphone-App (Download für Android  und iOS ) sowie der Browser-Oberfläche ist vorbildlich. Damit lassen sich Heizpläne und Automatiken besonders bequem erstellen.

Als nette Boni bietet die Software Berichte zu Energieverbrauch und Luftqualität, eine Heizkostenprognose sowie eine Pollenvorhersage. Im Smart-Home lässt sich Tado-Technik in Alexa, Google Home und HomeKit einbinden.

Das schöne Bild trübt die hohe Abhängigkeit von der Cloud. Fällt das Internet aus, wird das smarte Thermostat dumm und reagiert nur auf den Drehring am Gehäuse. Zudem strapaziert Tados Preispolitik arg den Geldbeutel. Das Starterset, bestehend aus einem Thermostat und Gateway, ist mit 150 Euro recht teuer. Jeder weitere Regler kostet 80 Euro.

Darüber hinaus verlangt der Hersteller als Einziger in diesem Vergleich für den vollen Funktionsumfang ein Abo. Beim Geofencing und bei der Fenster-Offen-Erkennung regelt die Software die Heizung nur dann automatisch, wenn ein Bezahlabo für drei Euro im Monat oder 25 Euro im Jahr gebucht wird. Wer einen Temperaturversatz einstellen möchte, kann das manuell in der App tun oder mithilfe eines Funktemperatursensors von Tado automatisieren.

Zum Glück hält sich bei der aktuellen Thermostat-Version der Batterieverbrauch mit einer etwa einjährigen Laufzeit im Rahmen. Ältere Versionen schafften oft nur die Hälfte, zögerten den Zeitpunkt, ab dem eine mögliche Energieersparnis den Kauf und Betrieb der Thermostate sich amortisiert, damit noch weiter hinaus.

Pro

  • Elegantes, kompaktes Design

  • Umfangreiche, intuitive App

  • Browser-Bedienung möglich

  • Unterstützt alle großen Smarthome-Plattformen

Contra

  • Hohe Hardware-Kosten

  • Ausschaltautomatiken nur per Bezahlabo

  • Keine Zeitpläne oder App-Bedienung ohne Cloud

Telekom Magenta SmartHome Heizkörperthermostat

Foto: Berti Kolbow-Lehradt

Das Telekom-Thermostat empfiehlt sich wegen des klobigen Looks nicht für Design-Fans. Es gefällt eher wegen anderer Talente. Der Regler ist mühelos an den Heizkörper montiert, die nötige Funkschaltzentrale namens Home Base 2 schnell mit dem WLAN-Router verbunden. Zum Preis von 25 Euro kostet letztere etwa die Hälfte des Thermostats. Die Anschaffungskosten fallen damit niedrig aus.

Wer die Temperatur nicht nur per Drehwalze und Display am Gehäuse regulieren will, überlässt das der insgesamt einfach bedienbaren Software. Zur Auswahl stehen zwei Apps: die bewährte Variante Magenta Smarthome (Download für Android  und iOS ) und der Neuzugang MagentaZuhause (Download für Android  und iOS ).

Der Unterschied: In der Zuhause-App sind Heizpläne und die Fenster-Offen-Erkennung mit oder ohne externe Sensoren noch etwas schneller eingerichtet. Bessere Anleitungen machen es möglich. Aber nur die SmartHome-App bietet derzeit Geofencing. Die standortbasierte Schaltautomatik ist dort unter dem Begriff »Abwesend« in den Tiefen der globalen App-Einstellungen versteckt. Einmal entdeckt, lässt sich die Funktion schnell aktivieren.

Damit ist die Magenta-Software insgesamt stark ausgestattet. Nur eine Standardfunktion fehlt in beiden Apps seltsamerweise. Als einziger Anbieter im Vergleich erlaubt die Telekom nicht, einen Temperaturversatz zu korrigieren. Wenn es etwa an der Couch ein paar Grad kälter als am Heizkörper ist, muss man die Differenz auf die Zieltemperatur aufschlagen.

Praktisch hingegen: Außer markeneigenen Thermostaten steuert die Magenta-Software auch Modelle von Homematic IP. Zudem lassen sich viele andere Smart-Home-Geräte weiterer Hersteller einbinden. Die Magenta-Apps eignen sich somit als Universalfernbedienung fürs vernetzte Zuhause. Anders als früher verlangt die Telekom dafür kein Abo mehr. Außer mit Amazons Alexa kommuniziert das System mit keinen anderen Smart-Home-Plattformen.

Pro 

  • Günstiger Preis

  • Einfache Montage und Einrichtung

  • Viele Funktionen

  • Heizpläne und Fenster-Offen-Erkennung einfach zu konfigurieren

  • Software steuert auch Thermostate von Homematic IP

  • Gutes System für die Smart-Home-Steuerung

Contra

  • Klobiges Design

  • Geofencing in Smart-Home-App umständlich einzurichten

  • Außer zu Alexa kein Anschluss an andere Smart-Home-Plattformen

Fazit

Die beste Kombination aus Bedienkomfort und Energiesparfunktionen bietet Tado. Zudem lässt es sich unkompliziert einrichten und mit vielen Smart-Home-Systemen vernetzen. Weil die Kosten für Anschaffung und Betrieb hoch sind, dauert es aber besonders lange, bis sich der Kauf eines Tado-Systems rechnet. Viel schneller amortisiert sich die Investition beim Telekom-System. Es bietet ebenfalls ein großes Funktionspaket, das auch ohne Abo läuft. Die fehlende Anschlussfähigkeit an andere Systeme lässt sich verkraften, wenn man Produkte von Marken verwendet, die sich in die Telekom-Apps einbinden lassen.

Die weiteren Thermostate sind keinesfalls schlechte Optionen, sie bieten aber weniger runde Gesamtpakete und zeichnen sich durch spezifische Talente und Funktionslücken aus. Wer möglichst keine persönlichen Daten in einer Cloud ablegen möchte, zieht AVM, Homematic IP, Shelly und Bosch in Betracht. Fehlendes oder umständlich nachrüstbares Geofencing bei all diesen Marken und der Zwang zu externen Kontaktsensoren für die Fenster-Offen-Erkennung bei Bosch sind von Nachteil.

Spielt ansehnliches Design die wichtigste Rolle, ist das Thermostat von Netatmo ein heißer Kandidat. Die hohe mechanische Empfindlichkeit darf aber nicht stören. Eve Thermo ist die interessanteste Option für alle, die ihr Smart-Home ausschließlich über Apples HomeKit, also mit iPhones, iPads und Macs steuern. So gut harmoniert kein anderes Modell mit der Plattform.

Hintergrund: Produkttests im Ressort Tests

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