Wassersprudler im Test Ein paar Blasen blubbern lassen

Selbst sprudeln statt Kisten schleppen, das soll Geld sparen und die Umwelt entlasten. Unser Autor hat vier Wasseraufbereiter getestet. Lohnt es sich, bis zu 350 Euro dafür auszugeben?
Präsentation von Wassersprudlern

Präsentation von Wassersprudlern

Foto: Arne Dedert / dpa

Wenn man im Fragebogen für deutsche Teilzeit-Inselbewohner des »Mallorca Magazin« die Antworten auf »Was braucht Mallorca am dringendsten?« vergleicht, kommt mit weitem Abstand als häufigste Nennung: »Ein Pfandsystem für Wasser und andere Getränke«. Das nämlich gibt es auf den Balearen trotz eines auch dort langsam zunehmenden Umweltbewusstseins nur für die Gastronomie. Privathaushalte werden zwar von den Stadtwerken angehalten, das Wasser aus dem Hahn zu trinken. Doch das kommt meist in derart unterirdischer Qualität oder mit kaum zu ertragendem Chlorgehalt ins Glas, dass die gelben Tonnen permanent überquellen von den entsorgten Einwegplastik-Wasserflaschen aus dem Supermarkt.

Reiche Finca-Residenten lassen sich sündhaft teure Umkehr-Osmose-Anlagen in ihre Keller bauen, während wir Otto-Normal-Pendler mit Aktivkohlefiltern versuchen, das Wasser wenigstens zum Nudelkochen aufzubereiten. Mein erster Anlauf, das Nass mithilfe eines Kohlendioxid-Sprudlers (siehe unten) zu halbwegs erträglichem Blubberwasser aufzupumpen, scheiterte trotz guten Willens am fiesen Basisaroma des Leitungswassers. Die anderen Sprudler in diesem Vergleich wurden daher mit dem bewährt hochwertigen, im Bundesdurchschnitt angenehm weichen Wasser getestet, das in Hamburg aus dem Hahn fließt. In einer Umfrage gab im Jahr 2019 ein Drittel der Befragten in Deutschland an, ein solches Gerät zu benutzen .

SodaStream Duo und Terra

Foto: SodaStream

SodaStream sorgte im vergangenen Jahr mal wieder für Aufregung. Der im Jahr 2018 für 3,2 Milliarden Dollar vom PepsiCo-Konzern übernommene Weltmarktführer aus Israel stellte zwei neue Wassersprudler vor: Duo und Terra. Beide funktionieren nur noch mit den neuen »Quick-Connect«-Gaskartuschen, nicht jedoch mit den millionenfach verbreiteten Zylindern mit Schraubgewinde.

Genau wie ihre Vorgänger können die neuen Kartuschen wieder aufgefüllt werden. Doch der Kompatibilitäts-Bruch mit der alten Generation bedeutet, dass man sich beim Kauf eines neuen SodaStream-Sprudlers zwischen den beiden Welten entscheiden muss. Für die neuen Kartuschen gibt es noch nicht viele Umtauschstellen, günstige Kohlendioxidzylinder von Drittanbietern gibt es bisher gar nicht. Kein Wunder, die neue Technik ist zum Patent angemeldet.

Immerhin werden alte Gasflaschen ohne Aufpreis durch die neuen ersetzt. Dass der Kartuschentausch am Gerät mit den neuen Modellen leichter ist, können wir nicht bestätigen, das war mit Schraubgewinde auch nicht komplizierter.

Spart das was?

Wer jetzt ins Wassersprudeln einsteigen will, ist mit den neuen Geräten sicher nicht schlecht bedient. Im Test kamen wir bei beiden Modelle, Duo und Terra, mit einer Kartuschenfüllung 50 bis 60 Litern weit. Bei maximal möglicher Besprudelung (bis zum Auslösen des Überdruckventils) waren es allerdings deutlich weniger.

Der Blubber-Effekt am Gaumen ist hierbei im Vergleich zu Industriesprudel zwar immer noch eher bei »medium« als bei »spritzig« angesiedelt, aber das ist systembedingt bei all diesen Geräten der Fall: Auch die Stiftung Warentest kam bei ihrem Vergleich zu dem Ergebnis, dass kein Heimsprudler die in abgefülltem Mineralwasser üblichen 4,2 bis 6,2 Gramm CO₂ je Liter schafft. Wer damit leben kann und halbwegs hochwertiges Leitungswasser bekommt, spart sich mit einem SodaStream jede Menge Schlepperei.

Geld indes spart man nicht. Selbst wenn man die Anschaffung des Gerätes und eines Erstzylinders (ca. 27 Euro) nicht umlegt, kostet ein Liter Sprudel bei 60 Liter Ertrag pro Kartusche 15 Cent. Hinzu kommen ca. 0,2 Cent für das Wasser. Sprudelt man etwas kräftiger, kommt man auf mehr als 20 Cent pro Liter. Auf Dauer ist das deutlich teurer als Mineralwasser vom Discounter, bei dem es Sprudel in 1,5-Liter-Pfandflaschen schon für 17 Cent pro Liter gibt.

Glas oder Kunststoff?

Auch wenn die beiden neuen SodaStreams identische Sprudelergebnisse liefern, unterscheiden sie sich in der Handhabe immens. Der einfachere, schlanke Terra arbeitet mit spülmaschinengeeigneten BPA-freien Kunststoffflaschen, während man mit dem Duo auch Glasflaschen verwenden kann (jeweils ein Liter mit 840 ml Maximalfüllung).

Bei diesem System wird die Flasche nicht direkt eingeschraubt, sondern in einen ausklappenden Behälter gesetzt, der von oben mit einem senkbaren Kopf abgeschlossen wird. Dadurch kann beim Aufsprudeln nichts schiefgehen. Allerdings sind komplexe Geräte wie dieses auf lange Sicht auch anfälliger. Außerdem kann sich trotz aller Vorsicht in dem Flaschenbehälter Wasser sammeln. Zum Ausgießen muss das komplette Gerät umgedreht werden.

Weil es die einfachen Dinge sind, die das Leben reicher machen, wird wohl bald ein Terra meinen Blubberdurst stillen.

Was ist das? Der erste Wassersprudler vom Marktführer, der wahlweise mit Glas- oder Kunststoffflaschen benutzt werden kann.

Wer braucht das? Wo immer alte Sprudler gut funktionieren, gibt es nur wenige Gründe, zum Systemwechsel. Bei Neuanschaffung sind Duo und Terra eine gute Wahl.

Was kostet das? 130 Euro (im Set mit CO2-Zylinder und drei Flaschen). Den kleineren und ebenfalls mit dem neuen Zylinder arbeitenden Terra Black gibt es schon ab 80 Euro.

Brita sodaONE

Foto: BRITA

Nachdem wir unser erbärmliches Palma-Leitungswasser mithilfe der Aktivkohlefilter des gleichen Anbieters wenigstens zum Nudel- und Kartoffelkochen hernehmen konnten, probierten wir das vergleichsweise preiswerte und in der Miniküche nicht viel Platz beanspruchende sodaOne-System von Brita. Es funktioniert ohne große Erklärung und nach dem Aufsprudeln tröpfelt nichts mehr aus dem Kopf, was bei anderen Geräten ziemlich nervig sein kann.

Die anfängliche Euphorie, damit unseren Plastikmüll zu reduzieren, verflog rasch. Denn die hinzugekaufte Glasflasche desselben Herstellers passt nicht in den sodaONE, dessen Kunststoffbuddeln wir schon ab dem zweiten Tag mit abgefülltem Mineralwasser aus dem Supermarkt füllen mussten – auch aufgesprudelt war das spanische Leitungswasser nicht genießbar.

Ein weiteres Manko, das dieses Gerät aber mit fast der gesamten Sprudlerkonkurrenz teilt: Die versprochenen 60 Liter pro Gaszylinder sind kaum zu schaffen, weil selbst sonst als »medium« verkaufte Spritzigkeit mehr als 5 bis 6 Gasstöße benötigt. Das lässt die Kartusche schon nach 30 bis 40 Litern schlapp machen. Ein Tipp: Eiskaltes Wasser aus dem Kühlschrank nimmt minimal mehr Kohlensäure auf.

Außerdem hatten wir den Eindruck, dass das System trotz der versprochenen Kompatibilität mit Zylindern anderer Hersteller aus den markeneigenen Kartuschen mehr herausholt als bei Produkten der Mitbewerber. Wie auch immer, als Freunde hochschäumender Trinkfreuden griffen wir nach ein paar Wochen doch wieder lieber zum industriell aufgeblasenen Mineralwasser.

Was ist das? Ein schicker, nur 13 cm breiter Wassersprudler.

Wer braucht das? Eine schlanke Alternative für alle, die ganz wenig Platz in der Küche haben.

Was kostet das? Ca. 65 Euro.

Mitte Home

Foto: Mitte Home

Nachdem das Narrativ »Wassersprudler« technisch als längst auserzählt gilt, versucht das Berliner Start-up Mitte Home zwar nicht die Neuerfindung des Rades, sehr wohl aber, mit einer cleveren Kombination aus Wasserfilter und -sprudler den Blubbermarkt aufzumischen.

Um Investoren wie Bitburger, Kärcher und Danone einen zweistelligen Millionenbetrag aus den Rippen zu leiern (zusätzlich kamen niedliche 400.000 Euro per Crowdfunding zusammen), braucht es offenbar eine Menge Start-up-Lyrik. Auf der Website etwa das »Manifest« mit den »vier Säulen, die Mitte tragen«. Bleibt noch eine fünfte hinzuzufügen: das Geschäftsziel. Satte 350 Euro kostet das zugegeben todschicke, mattweiße System, das auch gut zu Apple-Hardware passen würde.

Zudem verkauft Mitte Home seine Produkte nur im Direktvertrieb  über seine Website. Das hat für das Unternehmen den Vorteil, dass es seine Kunden eng an sich bindet und die Marge der Zwischenhändler einspart. Der Nachteil: Die Produkte sind zwischenzeitlich immer mal wieder ausverkauft.

Gut für große Küchen

Mitte bearbeitet das etwas hakelig in den Gerätetank einzufüllende Wasser zunächst in einer Filterkartusche, die mittels Aktivkohle den Gehalt an Schadstoffen, darunter Microplastik, reduziert. Im Anschluss wird dem Nass eine Extraportion Kalzium und Magnesium hinzufügt. Das solchermaßen remineralisierte Wasser wird in schicke Glas- oder PET-Literflaschen (Nettoinhalt 860 ml) gepumpt, in denen es in einer von drei per Knopfdruck einstellbaren Stufen aufgesprudelt wird.

Das Mitte-Modell hat also neben dem CO2-Zylinder noch eine Filterkartusche und benötigt zum Betrieb eine Steckdose. Weil es viel zu groß ist, um unter einen Hängeschrank zu passen, fügt sich das System am besten in eine 30-Quadratmeter-Designerküche ein. Überall, wo das Wasser besonders kalkhaltig oder gechlort ist, durch alte Bleirohre fließt oder aus dem eigenen Brunnen hochgepumpt wird, würde man es vor dem Trinken ohnehin mit einem Filtergerät säubern.

Schmeckt das?

Da Trinkwasser in Deutschland nun aber zu den am besten kontrollierten Lebensmitteln überhaupt gehört, dünnt sich die Mitte-Zielgruppe nicht nur wegen der hohen Kosten aus. Die bleiben auch im Gebrauch deftig: Nach 300 Filtervorgängen sperrt das System den weiteren Gebrauch der Filterkartusche und legt nahe, über die ansonsten eher nutzlose Smartphone-App eine neue zu ordern. Kostenpunkt: 45,00 Euro. Ein Viererpack CO2-Zylinder kostet 39,99 Euro, kommt immerhin mit kostenlosem Rücksende-Etikett.

Und wie schmeckt das Wasser aus der Mitte Home? Wegen der Aktivkohle im Filter etwas weicher als aus dem Hahn. Die feinen Unterschiede der in Kürze (wir testeten Vorserien-Versionen) erhältlichen Kartuschen »Active« und »Light« werden Wassersommeliers mit jahrelanger Erfahrung ganz bestimmt herausschmecken können. Uns sagte das Aroma der mitgelieferten »Balance« eher nicht zu. Hier scheint das richtige Kalzium-Magnesium-Verhältnis noch nicht final gefunden worden zu sein – das Wasser schmeckte leicht abgestanden.

Aber hey, das macht doch nichts, solange man ein derart cooles Tool in der Küche hat. Soziale Distinktion beim Wassersprudeln – wer hätte das für möglich gehalten?

Was ist das? Ein ebenso schicker wie teurer Versuch, Wasserfilter und -sprudler in einem Gerät zu kombinieren.

Wer braucht das? Besitzer geräumiger Küchenlofts in Berlin Mitte.

Was kostet das? 344,99 Euro.

Info: Webseite Mitte-Home