Das Brettspiel der Achtziger wurde als Konkurrenz zu »Monopoly« vermarktet

Das Brettspiel der Achtziger wurde als Konkurrenz zu »Monopoly« vermarktet

Foto: Hendrik Breuer

Spieleklassiker Was wurde eigentlich aus »Hotel«?

Gefühlt lag das Brettspiel »Hotel« in den Achtzigern in jedem Haushalt herum. Gespielt wurde es auch. Doch wie gut ist es gealtert? Wir haben uns den Klassiker und modernere Konkurrenten angesehen.

Der Klassiker: »Hotel«

Worum ging's noch mal?

Alle wollen das Boomerang und niemand das Fujiyama! Die Spielerinnen und Spieler fahren mit ihren Autos im Kreis herum, kaufen Grundstücke, bauen spektakuläre 3D-Hotels und versuchen, sämtliche Konkurrenten in den Ruin zu treiben. Der Zufall und die Würfel bestimmen ziemlich viel. Wo lande ich? Kann ich jemandem ein Grundstück für die Hälfte abkaufen? Darf ich bauen? Zahle ich das Doppelte oder gar nichts? Wo muss ich Miete zahlen und vor allem wie viel? Und bei einer Sechs darf man flugs noch mal würfeln.

Würfel, Grundstücke, Hotels, Miete und Insolvenzen, bis nur noch eine Person übrig ist und als Monopolist alle Hotels betreibt – das Prinzip kennen wir doch? Ganz offensichtlich wurde »Hotel« von »Monopoly« inspiriert und war wohl auch von Milton Bradley Mitte der Achtziger-Jahre als direktes Konkurrenzprodukt gedacht. Das Spiel erschien zwar bereits in den Siebzigern bei einem kleineren Verlag, wurde aber erst etwa zehn Jahre später in vielen Ländern von MB vertrieben. (Der Werbeslogan »MB präsentiert …« dürfte einigen noch in den Ohren klingen.) Die erste deutsche Ausgabe kam 1986 in die Läden.

Trotz der großen Parallelen zu »Monopoly« fand »Hotel« viele Fans. Das Spiel machte nicht nur optisch mehr her, sondern passte auch vom Spielgefühl besser in die Zeit von »Wall Street«. »Hotel« bot im Vergleich zu »Monopoly« einige Vorteile, insbesondere einen entscheidenden: Es spielte sich viel schneller herunter und war meist in einer guten Stunde zu Ende. Wer ausschied, musste also nicht ewig auf die anderen warten. Pleitezugehen tat weniger weh, wenngleich die Zwangsversteigerung des Royal inklusive Freizeitparks oder des mühsam errichteten Waikiki mit allen Nebengebäuden einem den Sonntagnachmittag auch mal ordentlich vermiesen konnte.

Taugt das heute noch etwas?

Seit einigen Jahren ist eine grafisch komplett überarbeitete Neuauflage des Spiels namens »Hotel Tycoon« auf dem Markt. Auch die Hotelgebäude wurden umbenannt und neu gestaltet. Das Boomerang heißt jetzt Reef Resort und aus dem Fujiyama wurde das Dragon Gate. Am Spielprinzip hat sich ansonsten nichts geändert, außer dass das La Reine (ehemals L'Etoile) nur noch aus vier Gebäuden besteht, vorher waren es fünf.

Foto: Hendrik Breuer

Das Spiel macht auf dem Tisch noch immer einiges her. Auch wenn der Spielplan etwas kleiner ist und die Hotels auch nicht mehr wie aus einem Guss aussehen. Die Schachtel von »Hotel Tycoon« erinnert optisch kaum noch an das klassische »Hotel«. Fans des Originals, die »Hotel Tycoon« im Laden sehen, erkennen vermutlich gar nicht mehr, dass es sich um eine neue Version des Klassikers handelt. Vielleicht ist das auch ganz gut so.

Foto: Hendrik Breuer

Heutzutage gibt es einfach viele bessere Spiele, weniger glückslastig und mit echten Entscheidungen für alle Beteiligten. Auch muss niemand mehr zwanzig Minuten vor Ende der Partie ausscheiden. Das alte »Hotel« kommt wie so manches Produkt aus den Achtzigern mit vielen schönen Erinnerungen und dem wohligen Gefühl, noch einmal ein Kindheitserlebnis nachzuspielen, gerne auch mit dem eigenen Nachwuchs. Mehr hat das Spiel »Hotel« oder »Hotel Tycoon« heutigen Spielerinnen und Spielern aber nicht mehr zu bieten.

Hotel Tycoon von Asmodee; 2–4 Spielerinnen und Spieler ab 8 Jahren; Autor: Denys Fisher

Für alle, die nach modernen Alternativen zu »Hotel Tycoon« suchen, stellen wir drei aktuelle Spiele vor, welche bestimmte Aspekte des Spiels bedienen.


Carnegie

Foto: Hendrik Breuer

Worum geht's?

Wenn es in einem Spiel schon darum gehen soll, Wirtschafts-Tycoon zu werden, warum nimmt man sich dann nicht einfach mal ein Beispiel aus der Geschichte? Etwa Andrew Carnegie, ein amerikanischer Stahlmagnat und einer der reichsten Menschen seiner Zeit. Bekannt wurde er auch als Philanthrop, der über 350 Millionen Dollar spendete. Im nach ihm benannten Spiel »Carnegie« geht es demzufolge darum, ein möglichst erfolgreiches Unternehmen aufzubauen und gleichzeitig als Menschenfreund dazustehen. Die Spielerinnen und Spieler investieren dafür in amerikanischen Städten und Regionen, entwickeln das Transportnetz und spenden immer mal wieder an Bibliotheken, Krankenhäuser und andere gemeinnützige Unterfangen. Am Schluss gewinnt, wer sowohl geschäftlich erfolgreich ist als auch als Wohltäterin oder Wohltäter dasteht.

Taugt das was?

Bei »Carnegie« handelt es sich um ein knallhartes – einige würden auch sagen: ziemlich verkopftes – Strategiespiel, welches mit einer Reihe guter Ideen aufwartet. Der Aktionsauswahl-Mechnismus ist besonders clever, ebenso der Einsatz von Angestellten in den Bürogebäuden der Spielerinnen und Spieler. Dass diese Angestellten auch mal in den Außendienst beordert werden können, ist neu und frisch. Andere Aspekte des Spiels wie das Verbinden von Städten oder Hinaufklettern auf Wertungsleisten sind bekannt. Unter dem Strich ist »Carnegie« ein echter Brocken für Kennerinnen und Kenner, die sich gerne auch mal in ein aufwendiges Spiel hineinarbeiten.

Carnegie von Pegasus Spiele; 1–4 Spielerinnen und Spieler ab 12 Jahren; Autor: Xavier Georges


Startups

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Worum geht's?

Früher machten erfolgreiche Unternehmerinnen und Unternehmer ihr Geld vielleicht noch im Stahlgeschäft und bauten Schienennetze auf. Heutzutage investieren erfolgreiche Menschen lieber in Start-ups. Das ist weniger anstrengend und kann einen in kürzester Zeit richtig reich machen. Passend zum Thema kommt das Kartenspiel »Startups« dann auch in kleiner Schachtel daher und ist in einer kurzweiligen halben Stunde durchgezockt. Im Spiel geht es darum, in sechs verschiedene Unternehmen zu investieren und am Spielende jeweils die meisten Anteile zu halten. Dann müssen einen die Minderheitsaktionäre nämlich auszahlen. Auch hier gewinnt die Person mit dem meisten Geld. Einige Dinge ändern sich eben nie.

Taugt das was?

»Startups« ist ein schnell zu erlernendes Kartenspiel, welches zum Spekulieren und Bluffen einlädt. Etwas Glück wird beim Ziehen vom Kartenstapel schon benötigt und manchmal hat man alt einfach Pech und bekommt keine Mehrheiten zusammen. So ist das im Start-up-Geschäft. Das Geld ist dann nicht weg, sondern in den Taschen anderer. Aber was soll's? Bei 30 Minuten Spielzeit fordert man eine Revanche und postet einfach bei LinkedIn etwas über die Learnings aus der ersten Pleite. Weiter geht's!

Startups von Oink Games; 3–7 Spielerinnen und Spieler ab 10 Jahren; Autor: Jun Sasaki


Azul: Der Sommerpavillon

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Worum geht's?

»Azul« ist das »Spiel des Jahres 2018« und ein weltweit erfolgreicher Bestseller. »Azul: Der Sommerpavillon« ist eine besonders hübsche Variante des ausgezeichneten Spiels. Wer an »Hotel« mochte, dass etwas Schönes aufgebaut wurde, aber lieber eigene Entscheidungen trifft, als sich aufs Spielglück zu verlassen, kann gerne einen Blick auf »Azul: Der Sommerpavillon« werfen. Die Spielerinnen und Spieler sammeln bei diesem Spiel bunte Bausteine ein und werkeln an ihren Pavillons herum. So entstehen im Laufe der Partie farbenfrohe Auslagen. Allerdings ist das Spiel nicht so friedlich, wie es klingt, da man versuchen muss, den Mitspielerinnen und Mitspielern besonders wertvolle Bausteine vor der Nase wegzuschnappen und ihnen nutzlose zu überlassen.

Taugt das was?

Der Vorgänger dieses Spiels gewann mehrere Auszeichnungen als bestes Spiel des Jahres 2018, ist also über jeden Zweifel erhaben. »Azul: Der Sommerpavillon« übernimmt viele bekannte Mechanismen des Originals (etwa die Auswahl von Bausteinen), macht das Spiel aber etwas komplexer. In jeder Runde gibt es eine Jokerfarbe, extra Bausteine kann man sich auch verdienen.

Azul: Der Sommerpavillon von Next Move Games; 2–4 Spielerinnen und Spieler ab 8 Jahren; Autor: Michael Kiesling

»Carnegie« ist ein dicker Strategie-Brocken und »Start-ups« ein schnelles Kartenspiel. »Azul: Der Sommerpavillon« liegt zwischen den beiden und ist gut geeignet für alle, die Spiele auf dem Niveau von »Catan« oder »Zug um Zug« mögen.

Hintergrund: Produkttests im Ressort Tests

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