Kinder- und Jugendbücher über Berufe Wenn ich groß bin …

Was machen die Eltern eigentlich den ganzen Tag und wie findet man seinen Beruf? Fünf sachliche und fantasievolle Bücher übers Erwachsenwerden, Arbeiten und darüber, was uns motiviert.
Foto: BELTZ & Gelberg

Kinder leben in Erwartung eines lässigen Lebens als Erwachsene: keine Hausaufgaben, alles free und easy. Doch je älter sie werden, desto mehr Zweifel können auftauchen, ob das mit der eigenen Verantwortung wirklich so eine tolle Sache ist. Anscheinend muss man dann arbeiten, um Geld zu verdienen. Aber wie?

Es gibt diverse Bilderbücher über Berufe wie Polizistin, Bauer oder Tierärztin und auch Jugendbücher, die Zukunftsfragen thematisieren. Im Altersspektrum dazwischen wurde ich allerdings nicht recht fündig. Darum können sich all die freuen, die mehr Jugendbücher in dieser Rubrik reklamieren: Drei Titel sind für ältere Jugendliche gedacht. Zwei Bilderbücher wenden sich an jüngere Leserinnen und Leser.

Bei den Jugendbüchern habe ich mir eine sehr offene Bücherauswahl erlaubt, die eher inspirierend ist: Ein Buch über Handwerksberufe, eins zur Unterstützung beim Nachdenken über sich selbst sowie ein sehr lustiger Jugendroman über einen verirrten Schülerpraktikanten.

Guck mal, was ich kann

Die schrägen Perspektiven der schwedischen Illustratorin Pija Lindenbaum erinnern mich an die erste »Pippi«-Illustratorin Ingrid Vang Nyman. Passend dazu sind auch Lindenbaums Geschichten ziemlich schräg. Sie lässt Realität und Fantasie verschmelzen, erinnert uns Erwachsene, wie selbstvergessen Kinder spielen können.

Was ist hier los? Elin, Micky und Jina spielen, nein, arbeiten, dass es kracht: In einem roten Auto geht’s zum Job ins Krankenhaus und nach Feierabend in den Supermarkt, um das Abendbrot einzukaufen. Es gibt Marshmallows. Im Wald erleben die drei dann noch ein wildes Abenteuer mit einer Hexe und grillen den nahrhaften Einkauf, bevor sie matt auf dem Teppich des Kinderzimmers landen.

Beste Lesezeit: Was wollen wir spielen?

Empfohlenes Alter: Ab 4 Jahren.

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Pija Lindenbaum

Wir müssen zur Arbeit

Verlag: Klett Kinderbuch
Seitenzahl: 40
Übersetzung: Jana Hemer
Für 15,00 € kaufen
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Kann Arbeit aussterben?

Wieder einmal überrascht der Verlag Beltz & Gelberg mit einem Sachbuch zu einem ganz alltäglichen Thema: Arbeit. Dieses große, farbenfrohe Buch schaut über den Tellerrand und steckt voller Denkanstöße. Je öfter ich es lese, desto mehr begeistert es mich. Luftig und lustig gestaltet und mit kurzen Texten von Mieke Scheier versehen, die als Kind Detektivin und Schauspielerin werden wollte.

Was ist hier los? Ausgehend von einfachen Fragen nimmt die Autorin die Kinder mit auf eine mitunter philosophische Entdeckungsreise durch die Arbeitswelt. Da geht es um Bezahlung und Wertschätzung von Arbeit, den Spaß, den man haben kann oder auch nicht, Kinderarbeit, alte Menschen und Lieferketten. Ein Rückblick auf die geschichtliche Entwicklung des Broterwerbs fehlt genauso wenig wie lustige Szenen aus dem mysteriösen »Büro«, in das es so viele Menschen treibt.

Hier werden nicht einfach Berufsbilder vorgestellt, sondern Arbeit als Teil des Lebens diskutiert. Darum bietet es meiner Meinung nach auch Jugendlichen Gelegenheit, ihr Verständnis von Arbeit und Beruf zu erhellen.

Beste Lesezeit: Nach Feierabend.

Empfohlenes Alter: Ab 5 Jahren und alle anderen auch.

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Mieke Scheier

Alles Arbeit oder was?!

Verlag: Beltz & Gelberg
Seitenzahl: 40
ca. 16,00 €
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Auf andere Ideen kommen

Im Kunstunterricht sollten wir mal eine Zigarrenschachtel umgestalten. Ein Freund malte sie einfach rot an und bekam dafür eine 6. Zu Recht, wie er selbst zugab, denn er hatte sich exakt null Gedanken gemacht, sondern gehofft, dass er damit Andy-Warhol-mäßig durchkommen würde. Später studierte er Jura.

Wir lernen daraus: Kreativ sein ist eine unterschätzte Hirnleistung. Ob beim Musizieren, Stricken, Schreiben, Tanzen, Fotografieren oder Kochen – wer sich ausprobiert und eigene Ideen entwickelt, aber auch Rückschläge einsteckt und durchhält, erlebt Selbstwirksamkeit und gewinnt Selbstkenntnis. Dinge also, die bei der Berufswahl und beim Lernen nützlich sind.

Was ist hier los? Ein inspirierendes Buch (das schreibe ich wirklich selten) über Schaffensprozesse, inklusive Persönlichkeitstest und Rezepten gegen Startprobleme, Selbstzweifel und den inneren Schweinehund. Bergmann schreibt nachvollziehbar und überzeugt auch durch die gute Gestaltung des Buches.

Beste Lesezeit: Bei Überspannung.

Empfohlenes Alter: Ab 12 Jahren und für alle.

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Roberta Bergmann

Kopf frei für den kreativen Flow: Übungen, Impulse und Rezepte

Verlag: Haupt Verlag
Seitenzahl: 160
Für 26,00 € kaufen
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Wer ist hier doof?

Jugendbücher strapazieren mit ihren langatmigen Problemgeschichten oft die Geduld der Leserinnen und Leser. Tobias Steinfeld dagegen schreibt lustig und lässt die Handlung für sich sprechen. Ich mag diese Geschichte auch deswegen, weil sie in unserer Gesellschaft spielt, eingebettet in die hier geltenden Regeln und Moralvorstellungen, statt denen der US-amerikanischen Gesellschaft. Ansonsten wird der Büchermarkt ja sehr von amerikanischer Jugendliteratur dominiert.

Was ist hier los? Berufsorientierung. Wer sich nicht selbst kümmert, bekommt einen Praktikumsplatz zugewiesen. Genau das passiert dem Gymnasiasten Paul (»Ich bin eher faul«) und er landet für drei Wochen in einer Förderschule. Als er dort am ersten Tag verspätet auftaucht, wird er für einen neuen Schüler gehalten. Statt das Missverständnis aufzuklären, hält Paul die Klappe und hofft, auf diese Weise die Zeit stressfrei rumzukriegen. Doch da irrt er sich gewaltig.

Beste Lesezeit: Bewerbungsfrist verpasst?

Empfohlenes Alter: Ab 12 Jahren, gerne älter.

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Tobias Steinfeld

Scheiße bauen: sehr gut

Verlag: Thienemann
Seitenzahl: 272
Für 12,00 € kaufen
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Konditorei, Tischlerei, Schneiderei

Aus vielen Gründen ich noch nie ein Buch zu einer TV-Reihe besprochen. Da mir nun aber dieses über den Weg lief und wirklich schön gemacht ist, soll es stellvertretend für viele Bücher dieser Art stehen. Es soll ein Kontrapunkt zu der Vorstellung sein, dass man nur mit Studium etwas werden kann. Schließlich kann eine Ausbildung auch ohne Abitur ein Studium ermöglichen.

Was ist hier los? Eine High-End-Berufsberatung bei der man 16 leidenschaftlichen Frauen und Männern bei ihrer Arbeit über die Schulter schaut. Detailliert werden die Arbeitsschritte bei der Fertigung beispielhafter Produkte beschrieben und in stimmungsvollen Fotos gezeigt. Eine bunte Mischung toller Handwerksberufe, die viele unterschiedliche Talente erfordern.

Beste Lesezeit: Berufsinformationsabend.

Empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren.

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Dorothee Eisinger, Rolf Hüffer

Handwerkskunst!: Alltägliches aus Meisterhand

Verlag: ‎ Belser
Seitenzahl: 144
Für 25,00 € kaufen
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