Digitale Küchenwaagen im Test Ausgewogen

Ohne eine gute Waage klappt in der Küche nichts so richtig. Aber, wie genau messen eigentlich gängige Digitalwaagen? Wir haben fünf Geräte getestet.
Die fünf getesteten Waagen: Nicht nur optisch sehr unerschiedlich.

Die fünf getesteten Waagen: Nicht nur optisch sehr unerschiedlich.

Foto: Matthias Kremp/ DER SPIEGEL

Wer das mag und es sich zutraut, kann sich beim Kochen und Backen natürlich auf sein Bauchgefühl verlassen. Eine Tasse hiervon, eine Handvoll davon, eine Prise von jenem, wird schon passen. Fernsehkoch Jamie Oliver macht es schließlich vor, wenn er im Fernsehen schnell mal eben ein leckeres Curry aus einem Dutzend Zutaten zusammenwirft. Aber was beim Profi perfekt funktioniert, kann für den Hobbykoch oder die Gelegenheitsköchin eine große Herausforderung sein.

Spätestens wenn man Rezepte aus Kochbüchern oder dem Internet nachkochen will, kommt es darauf an, die dort vorgegebenen Mengen möglichst genau einzuhalten. Sonst droht die eigentlich leckere Pizza zum warmen Wabbelbrot zu werden.

Digitale Küchenwaagen können helfen, solche kulinarischen Katastrophen zu verhindern, indem sie Mengen nicht abschätzen, sondern aufs Gramm genau anzeigen. Reichtümer muss man dafür nicht investieren. Das günstigste Modell im Test kostet nur knapp mehr als zehn Euro.

Diese Waagen haben wir getestet

  • Adoric Digitalwaage (12,99 Euro) - ein einfaches Modell ohne Extras, aber mit einer Messplatte aus Edelstahl.

  • Bonsenkitchen Digitale Waage (10,99 Euro) - das günstigste Gerät im Test wirkt wie ein knallbuntes Schneidbrett. Praktisch: Man kann sie auch an die Wand hängen.

  • CHwares Digitale Küchenwaage (13,99 Euro) - die einzige im Test, die nicht mit Batterien läuft, sondern einem Akku, der per USB-Kabel aufgeladen wird.

  • Soehnle Page Profi Digitalwaage (28,78 Euro) - das größte Modell im Vergleich. Bietet interessante Extras und kann Lasten bis zu 15 Kilogramm auswiegen.

  • WMF Digitale Küchenwaage (29,99 Euro) - die teuerste unter den getesteten Waagen besticht mit ihrem edlen Design.

So haben wir getestet

Messgenauigkeit - Das wichtigste Kriterium bei einer Waage ist natürlich, wie genau sie Massen misst. Wir haben das mit verschiedenen Vergleichsgewichten geprüft. In erster Linie kamen dabei Euro- und Cent-Münzen zum Einsatz, deren Gewichte klar definiert sind. Eine 1-Cent-Münze beispielsweise wiegt 2,3 Gramm, sollte also von den Waagen mit 2 Gramm angezeigt werden. Wir prüften aber auch Kleingeld-Kombinationen und ein paar Gadgets mit klar definierten Gewichtsangaben.

Maßeinheiten - Hier gilt: Je mehr, desto besser. Kann eine Waage ihre Messergebnisse auch in anderen Einheiten als Kilo und Gramm darstellen, wird es leichter, ausländische Kochrezepte umzusetzen.

Fotostrecke

So haben wir die Messgenauigkeit geprüft

Foto: Matthias Kremp/ DER SPIEGEL

Batterien - Da gilt es abzuwägen: Knopfzellen brauchen wenig Platz, sind dafür relativ teuer, AAA-Batterien sind leicht zu bekommen, dafür aber auch weit größer.

Verarbeitung - Eine Küche sollte immer sauber sein, doch beim Kochen und Backen spritzt und krümelt es trotzdem unweigerlich. Eine Küchenwaage sollte deshalb aus hochwertigen Materialien bestehen und sauber verarbeitet sein, damit kein Schmutz eindringen kann.

Zusatzfunktionen und Extras - Manch Hobbykoch wird sich freuen, wenn seine Waage nicht nur wiegen, sondern beispielsweise auch Nüsse zählen kann oder ihr Messergebnis auch noch anzeigt, nachdem man das Wiegegut heruntergenommen hat.

ADORIC Digitalwaage

Foto: Matthias Kremp/ DER SPIEGEL

Mit ihrer Wiegeplatte aus - sehr dünnem - gebürstetem Stahl macht die Adoric-Waage optisch einen guten, robusten Eindruck. Wenn beim Wiegen mal ein wenig Soße danebengeht und auf der Metallplatte landet, lässt sich das leicht wegwischen. Die aus Plastik geformte Unterseite mit dem großen Batteriefach zeigt dagegen deutlich, wie der günstige Preis zustande kommt.

Der Wiegebereich reicht von einem Gramm bis fünf Kilogramm. Bei unseren Testmessungen lieferte dieses Modell immer sehr exakte Ergebnisse. Dabei lassen sich problemlos auch kleine Mengen zu großen hinzufügen, ohne das Messwerk zu verwirren. Die beiden Tasten klackern leider sehr laut und sind - wahrscheinlich - mit einer Lasergravur beschriftet, die nur aus schrägen Blickwinkeln gut lesbar ist. Das Display hingegen ist am besten von direkt oberhalb der Waage ablesbar (siehe Vergleichsbild unten).

Das kann sie messen: Gramm, Milliliter, Unzen, Flüssigunzen

Stromversorgung: Zwei AAA Batterien (im Lieferumfang enthalten)

Zusatzfunktionen und Extras: Keine

Die Lesbarkeit von Beschriftung und Display verändert sich deutlich mit dem Blickwinkel
Die Lesbarkeit von Beschriftung und Display verändert sich deutlich mit dem Blickwinkel

Die Lesbarkeit von Beschriftung und Display verändert sich deutlich mit dem Blickwinkel

Foto: Matthias Kremp/ DER SPIEGEL / Matthias Kremp/ DER SPIEGEL

Bonsenkitchen Digitale Waage

Foto: Matthias Kremp/ DER SPIEGEL

Mit ihrem knalligen Türkis ist die Bonsenkitchen-Waage ein feiner Farbklecks im silbergrau-schwarzen Einerlei der Küchenwaagen. Und auch sonst hebt sie sich optisch angenehm aus der Masse heraus: statt eckig ist sie tropfenförmig, ein Loch am dünnen Ende dient zum Aufhängen, das ist in kleinen Küchen praktisch. Die ungewöhnliche Konstruktion hat allerdings einen Haken: Wenn man eine der beiden Tasten drückt, springt die gegenüberliegende Seite der Waage hoch. Beim Wiegen muss man deshalb meist auf der Seite mit dem Loch leichten Gegendruck aufbauen, damit nichts kippelt.

Das Material wirkt nicht sehr hochwertig und bei unserem Testmodell waren an einem der Füße blaue Farbspuren, wie von einem Kugelschreiber, zu sehen. Dafür ist die Bonsenkitchen mit einem Preis von 10,99 Euro das günstigste Modell im Test.

Beim Wiegen gibt sie sich dafür keine Blöße, misst kleine und große Gewichte akkurat und kann im Modus "Kilogramm" auch kleine Zugaben von ein oder zwei Gramm erkennen. Im Modus "Gramm" nimmt die Genauigkeit ab, was auch daran liegen könnte, dass es wegen der wackligen Konstruktion schwierig ist, sie auf null zu justieren.

Das kann sie messen: Gramm, Kilogramm, Milliliter, Unzen, Pfund

Stromversorgung: Eine CR2032-Knopfzelle (im Lieferumfang enthalten)

Zusatzfunktionen und Extras: Keine

CHwares Digital Küchenwaage

Foto: Matthias Kremp/ DER SPIEGEL

Feiner wiegt zumindest in diesem Testfeld keine, denn die Waage von CHWares zeigt sogar Nachkommastellen an. Zum Kochen und Backen braucht man das freilich nicht. Eher dürften Hobbygoldschmiede diese Funktion schätzen. Die Waage hingegen schätzt nicht, sondern ist bei ihren Messungen sehr genau und macht auch bei Zugaben korrekte Angaben, etwa als wir zu einem Becher Tee eine einzelne 1-Cent-Münze aufs Messtablett legten.

Eine Besonderheit ist die Stromversorgung, die hier ein Akku übernimmt, der via USB aufgeladen wird. Ein passendes Kabel liegt bei, ein Netzteil nicht, man kann dafür aber so ziemlich jedes Handyladegerät verwenden. Laut Hersteller reicht einmal aufladen für etwa 1000 Wiegevorgänge. Öfter als alle paar Monate wird man das Kabel also nicht hervorholen müssen.

Das kann sie messen: Gramm, Karat, Pennyweight, Feinunzen, Unzen, Grain, Pfund, Tael, Milliliter

Stromversorgung: Integrierter Akku (via USB)

Zusatzfunktionen und Extras: Zwei kleine Kunststofftabletts. Zählfunktion, um etwa Nüsse auszuzählen.

Soehnle Page Profi Digitalwaage

Foto: Matthias Kremp/ DER SPIEGEL

Die Soehnle ist die mit Abstand größte Waage im Test und man kann mit ihr bis zu 15 Kilogramm auch die schwersten Lasten messen. Kleine Gewichte nimmt sie aber nicht immer ganz akkurat wahr. Bei unseren Messungen mit Geldstücken wurden ab und zu die 1- und 2-Cent-Münzen mit jeweils drei Gramm statt der korrekten zwei Gramm angezeigt.

Auch beim Hinzugeben kleiner Mengen zu großen kam es gelegentlich zu leichten Abweichungen von einem Gramm. Im Alltag ist das leicht verschmerzbar. Eine Neujustage mit der Tara-Taste half stets, die Waage wieder zu korrekten Messungen zu bewegen.

Das kann sie messen: Gramm/Kilogramm, Unzen/Pfund

Stromversorgung: Zwei AAA Batterien (im Lieferumfang enthalten)

Zusatzfunktionen und Extras: Die Soehnle hat eine Hold-Funktion, die den Messwert zehn Sekunden lang anzeigt, nachdem man das zu wiegende Gut von der Waage genommen hat. Bei großen Gegenständen, die das Display verdecken, zum Beispiel Paketen, ist das sehr praktisch.

WMF Digitale Küchenwaage

Foto: Matthias Kremp/ DER SPIEGEL

Die WMF-Waage wirkt mit ihrem robusten Kunststoffkorpus und der glänzenden Glas-Wiegefläche sehr edel, braucht aber auch Pflege, weil das Glas empfänglich für Fingerschmutz und Fettflecken ist. An Material und Verarbeitung gibt es hier absolut nichts auszusetzen.

Die Messfunktion arbeitet einwandfrei. Es werden sowohl kleine Mengen im Grammbereich als auch größere Mengen korrekt ausgewogen. Bei der 1-Cent-Münze zeigte die WMF-Waage allerdings manchmal nur ein, statt zwei Gramm an. Ein kurzer Druck auf die Einschalttaste reichte dann aus, um beim nächsten Mal die korrekte Angabe zu erzielen. Das Hinzufügen kleiner zu großen Gewichten klappte problemlos.

Das kann sie messen: Gramm, Unzen, Pfund, Milliliter, Flüssigunzen

Stromversorgung: Zwei CR2032-Knopfzellen (im Lieferumfang enthalten)

Zusatzfunktionen und Extras: Keine

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