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Küchen-Gadgets für Hobbyköche Hilfe beim Homenoodeling

Die beste Pasta ist immer noch die, die man selbst gemacht hat. Wir erklären, was man braucht und was beachten muss, damit am Ende Nudeln auf den Teller kommen, die schmecken.
Von Peter Wagner

Wer - wie ich – verdammt gern Nudeln isst und gleichzeitig die vollständige Kontrolle behalten will für alles, was er in die dafür vorgesehene Gesichtsöffnung zwischen Nase und Kinn steckt, muss auch hier etwas tiefer ins Thema einsteigen. Zum Glück hat die Zunahme des innereuropäischen Warenverkehrs nicht nur dunkle Seiten, sondern in diesem Fall den unschlagbaren Vorteil, dass wir hierzulande längst nahezu flächendeckend hochwertige Pasta aus kleinen italienischen Manufakturbetrieben kaufen können.

Wie immer bei Lebensmitteln, die aus nur zwei oder drei Zutaten hergestellt werden, kommt es bei Nudeln extrem auf die Qualität des Mehls, des Wassers und (falls enthalten) der Eier an. Exakt hier, bei den Eiernudeln, lag denn auch die Wegscheide meines jahrzehntelangen Kampfes um die häusliche Herstellung dieser Mehlspeisen. Bei Hartweizenpasta habe ich irgendwann die weiße Fahne geschwenkt. Bis heute habe ich keine semiprofessionelle vollautomatische Nudelmaschine gesehen, die diesen Teig verlässlich durch Spaghetti- oder Makkaroni-Aufsätze presst und danach wenigstens halbwegs einfach zu reinigen ist.

Inzwischen mache ich Eiernudeln mit allerlei verschiedenen Füllungen fast immer selber. Bei getrockneter Hartweizengrieß-Pasta von Spaghetti über Linguine und Orecchiette bis hin zu Farfalle, Rigatoni und Penne dagegen greife ich lieber zu italienischer Manufakturware im oberen Preissegment (über drei Euro pro 500 Gramm). Die wird in der Regel mit Manufaktur-eigenem Quellwasser und über Jahrhunderte für Pasta optimiertem Hartweizenmehl in teilweise ebenso alten Bronzeformen hergestellt. Die nämlich verleihen der Nudel genau die leicht poröse Oberfläche, mit der sie meine – selbstredend ausnahmslos selbst gekochte – Pastasauce aufnehmen kann.

DIY-Nudelteig wird bei mir also stets mit Ei geknetet und entweder mit Hilfe der Pasta- Walzmaschine und des Raviolibrettes oder komplett händisch zu allerlei Tortellini, Panzotti und Mezzelune verarbeitet. Wenn ich ab und zu halb getrocknete Tagliatelle (zum Beispiel fürs Wildschwein-Ragù) brauche, werden sie für ein paar Stunden auf den praktischen Mini-Wäschetrockner (siehe unten) gehängt.

Insgesamt erscheint mir das als ziemlich gute Strategie für ein zugegebenermaßen recht abgenudeltes Thema.

Hendi Pastamaschine

Was "Tempo" für Papiertaschentücher oder "Googeln" für die Internetsuche sind, ist in Italien "Imperia" für das Genre der Nudelmaschinen. Eben dort erwarb ich für eine Handvoll Lira vor mehr als einem Vierteljahrhundert einen dieser verchromten Sechspfünder mit Tisch-Schraubzwinge und Handkurbel. So eine Pastamaschine – gern auch von Marcato oder La Monferrina – steht ja in unzähligen deutschen Speisekammern und Vorratskellern irgendwo ganz unten im Regal.

Erst in den letzten Wochen mauserte sie sich zu einer der wenigen Corona-Gewinnerinnen: Zum einen steht in diesen Zeiten ja DIY - do it yourself - auch in der Küche ganz oben auf der Prio-Liste der alltäglichen Überlebensorganisation. Zum anderen hilft dieser Pasta-Maker dabei, die an Bauch, Hüften oder Popo hingenudelten Pfunde wieder schweißtreibend wegzutrainieren – als handlicher Ersatz für die momentan überall ausverkauften Drei-Kilo-Hanteln.

Meine aktuelle Pastamaschine ist mit ihren knapp acht Kilogramm für leichtes Armtraining etwas zu schwer. Überhaupt wurden diese Dinger bei mir mit den Jahren immer schwerer. Das liegt vor allem an gescheiterten Versuchen, mir einen dritten Arm wachsen zu lassen. Den nämlich braucht es, wenn man den hoffnungsfrohen Hobbykoch mit so einer manuellen Imperia alleine in der Küche lässt: Eine Hand stopft den Teig oben in die Presswalze, die zweite Hand führt vorsichtig die dünnen Teigfladen oder bereits zugeschnittenen Fettucine unten heraus, damit nicht alles ratzfatz zusammenklebt. Tja, und die dritte Hand betätigt die Kurbel.

In Ermangelung einer großen Küchenmaschine mit praktischem Pasta-Zubehör (wie Kitchen-Aid oder Kenwood) besorgte ich für ein Schweinegeld (knapp 100 Euro) einen passenden Motoraufsatz für die Imperia als Ersatz für die partout nicht wachsen wollende Dritt-Extremität. Damit klappt das Homenoodeling schon viel besser, allerdings ist diese Kombination im Dauerbetrieb dann doch sehr wackelig. Einmal, als ich eilig eine größere Menge Pasta machen wollte, löste sich die Schraubzwinge und die zusammen fast fünf Kilo schwere Konstruktion rutschte von der Küchenarbeitsplatte.

Zum Autor
Foto: Privat

Der zwischen Hamburg und Palma de Mallorca pendelnde Food-Journalist Peter Wagner kocht länger, als er für Geld schreibt: Seit seinem 16. Lebensjahr ist das Schnibbeln, Simmern und Sautieren sein liebstes Hobby. Als furchtloser Esser mag der ehemalige Musikkritiker im Grunde alles, solange es mit Liebe und Verstand aus frischen Zutaten gekocht wird. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich auch hauptberuflich mit Kochen, Essen, Reisen und Genießen und hat längst den Gegenwert eines Mittelklassewagens in der Gastronomie verzecht. Peter Wagner veröffentlicht Ernährungs-Sachbücher und Kochbücher, schrieb die samstägliche Küchen-Kolumne "Hobbykoch" und ist Gründer und Herausgeber des Männerkochmagazins www.kochmonster.de . Aktuell ist sein erstes komplett selbstproduziertes Buch »Corona-Speck weg!« im Handel, für das es auf www.corona-speck.de  einen kleinen Vorgeschmack gibt.

Eine knappe halbe Stunde später musste ich mir in der Notaufnahme erklären lassen, wie schwer es doch sei, einen gebrochenen Zeige-Zeh zu schienen. Man lernt ja nie aus im Leben. Selbstredend zeigte ich noch am selben Tag der alten Pasta-Welt den gestreckten Mittelzeh und besorgte mir eine Maschine mit integriertem Motor, die stabil genug ist, felsenfest und stundenlang herumzunudeln. Seitdem schnurrt, wann immer es bei uns Tagliatelle oder gefüllte Pasta (Teigblattbreite maximal 17 Zentimeter) gibt, der starke Motor meines Hendi-Sechzehnpfünders.

Passt ja auch perfekt zu diesen schweren Zeiten. 

Was ist das? Eine leicht zu bedienende und zu reinigende Maschine zur Herstellung auch großer Mengen Pastateig für gefüllte und Band-Nudeln aller Art. 

Wer braucht das? Jeder, der zu Hause Pasta machen will und nur zwei Hände zur Verfügung hat. 

Was kostet das? Brauchbare manuelle Maschinen ab 50, Kombilösungen ab 130 Euro. Die Hendi liegt bei ca. 150 Euro.

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Gefu 28440 Raviolibrett

Nun ist so eine Pastamaschine ja ganz schön und im besten Fall auch brauchbar, aber gefüllte Nudeln kann man damit nicht herstellen, denn es kommt immer nur eine breite, durchgehende Teigbahn unten heraus. Okay, das stimmt nicht ganz, denn von Marcato gibt es für deren Maschinen tatsächlich einen Ravioli-Aufsatz (AR-150-OLI; ca. 60 Euro), der einigermaßen gut funktioniert. Ein Freund (Halbitaliener – seine Mama darf das nie erfahren) von mir nutzt das Teil regelmäßig für größere Raviolimengen, steht danach aber auch 20 Minuten an der Spüle, um es sauber zu kriegen. Wenn man nur ab und zu für zwei bis vier Personen gefüllte Pasta machen will, reicht ein simples, einfach zu reinigendes Raviolibrett, für das man die Teigbahnen notfalls auch mit dem Nudelholz ausrollen kann. Das wird zwar nicht so dünn und gleichmäßig wie mit einer Pastamaschine, reicht aber meist für den deutschen Hausgebrauch – hier ist die Möglichkeit, die Füllung selber zubereiten zu können, ohnehin das Wichtigste.

Natürlich kann man allerlei gefüllte Pastaformen auch auf einem glatten Nudelbrett mit einem gezackten Teigtaschenrad produzieren, aber das ist ähnlich fummelig wie die einschlägigen Raviolistempel oder die Dumpling-Maker zur Einzelherstellung. Am flottesten geht das alles tatsächlich mit einem Raviolibrett, wobei ich das zweiteilige von Gefu am praktischsten finde: Erste Teigbahn auflegen und mit dem Daumen die Mulden eindrücken; Füllung mit Löffel (besser: Spritzbeutel) hineingeben; Zweite Teigbahn auflegen und mit dem Nudelholz fest walzen. Beim vierten Schritt, dem Herausnehmen der fertigen Ravioli, ist die zweilagige Ausführung im Vorteil – einfach das obere Teil anheben.

Damit gelingen sogar weniger küchenaffinen Ulknudeln die perfekten Ravioli.

Was ist das? Eine platzsparende und einfache Möglichkeit, in der heimischen Küche Ravioli selbst zu machen. 

Wer braucht das? Jeder Freund von DIY-Raviloli, der häufiger als zweimal im Monat für mehr als eine Person Pasta macht. 

Was kostet das? Ab ca. 10 Euro, der Gefu liegt bei 19 Euro. 

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Amazy Nudeltrockner

Meine ersten selbst gemachten Bandnudeln entstanden mit der dreiarmigen Imperia. Die war an einen großen, ziemlich angeschrappten WG-Wohnküchentisch geschraubt und von acht einfachen Holzstühlen umstellt. Zum Glück, denn so gab es ausreichend Möglichkeiten, die Nudeln zum Trocknen aufzuhängen. Ein bisschen antrocknen muss auch Eierpasta, um beim Kochen die perfekte Konsistenz zu bekommen. Leider war mein Teig roh offenbar dermaßen lecker, dass er regelmäßig von den Mitbewohnern weggefressen wurde, noch bevor die Nudeln trocken genug zum Abräumen und Verstecken waren.

Meine Abwehr-Strategie, die Pasta auf einen vom Südtirol-Skiurlaub mitgebrachten hölzernen Nudeltrockner zu hängen, der dann auf meinem Schreibtisch vor den Fressfeinden geschützt stehen konnte, ging nur halb auf – das Teil fiel dauernd um. Erst viel später, als ich mein Hartweizenressort längst fast vollständig auf hochwertige Fertigpasta umgestellt hatte, entdeckte ich Ständer mit stabilem Dreifuß, so wie den Amazy mit seinen 16 Sprossen an einer soliden Metallstange. Empfohlen ist er bis insgesamt zwei Kilo Pasta. Aber wenn man die Nudeln gleichmäßig verteilt und dafür sorgt, dass die Katze den Ständer nicht als Spielzeug betrachtet, kann man locker das Doppelte dranhängen.

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So, genug genudelt, und damit Pasta!

Was ist das? Eine recht stabile Konstruktion, um jede Menge Bandnudeln oder Spaghetti zu trocknen.

Wer braucht das? Jeder, der häufiger Nudeln selbst macht und weniger als acht Holzstühle in der Küche stehen hat.

Was kostet das? In dieser Größenordnung ab ca. 20 Euro, der Amazy kostet 33 Euro.

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