Raclette-Grills im Test Wer schmilzt den Käse am besten?

Der Geruch wabert durch die ganze Wohnung, aber was könnte leckerer sein als geschmolzener Raclettekäse? Wir haben fünf Geräte getestet – zwei funktionieren sogar mit Teelichtern als Wärmequelle.
Macht Spaß und schmeckt einfach lecker: Raclettekäse im Pfännchen grillen

Macht Spaß und schmeckt einfach lecker: Raclettekäse im Pfännchen grillen

Foto: beats3 / iStockphoto / Getty Images

Kartoffeln mit geschmolzenem Käse war als Kind mein Lieblingsessen. Eigentlich ist es das immer noch. Aber mittlerweile esse ich auch anderes, Spargel zum Beispiel. Als Kind konnte ich das nicht leiden, freute mich aber trotzdem darauf, weil ich mit Käse überbackene Kartoffeln bekam, wenn es Spargel gab. Kulinarischer Höhepunkt des Jahres war der Skiurlaub, denn dann gab es nicht nur die schnöde Variante – Käse auf die Kartoffel und ab in die Mikrowelle – sondern Raclette.

Ich muss gestehen, dass ich den Raclette-Öfen nie viel Beachtung schenkte. Wir liehen sie immer an der Rezeption der Ferienwohnung. Dort gab es sie gratis, nur ein Pfand musste man hinterlegen, was mir immer absurd erschien. Wer will schon einen gefühlt 20 Kilogramm schweren und ziemlichen hässlichen Klotz von Grill entwenden?

Den Wunsch, ein solches Gerät besitzen zu wollen, spürte ich nicht. Bis jetzt. Denn in der Pandemie funktioniert die Ausleihtaktik nicht mehr. Freunde in der Schweiz und Österreich, auf die ich bisher immer zählen konnte, wenn ich Lust auf Raclette hatte, scheinen nun so weit weg wie noch nie. Also muss ein eigener Raclette-Grill her, mit dem über die Feiertage zumindest ein bisschen Winterurlaubsstimmung aufkommen soll. Aber welcher? Das habe ich mit diesem Test herauszufinden versucht.

Diese Geräte habe ich getestet

  • Cloer Raclette-Grill mit Naturstein und Grillplatte und acht Pfännchen, Modell 6435

  • Rommelsbacher Raclette-Grill mit Naturstein und Grillplatte und acht Pfännchen, Modell 1350

  • Severin Raclette-Grill mit Naturstein und Grillplatte und acht Pfännchen, Modell 2373

  • Rosenstein & Söhne Teelicht-Raclette, einmal in der faltbaren Mini-Version mit einem großen Pfännchen

  • und in der stabileren Duo-Version mit Holzgriffen und zwei Pfännchen

So habe ich getestet

Wegen der verschärften Corona-Regeln sind wir beim Essen nur zu dritt. Es gibt Original-Raclettekäse aus dem schweizerischen Wallis mit einem Fettgehalt von rund 50 Prozent. Mir selbst genügen dazu Kartoffeln, aber meine beiden Mitgriller mögen es gern etwas opulenter, deshalb gibt es noch weitere Beilagen und zum Test der Grillplatten Datteln und Pflaumen im Speckmantel.

Ich selbst lasse in mein Pfännchen höchstens noch einen Champignon, doch bei den anderen türmt sich die Ladung höher. Ich messe mit dem Zollstock, wie viel Platz zwischen Pfännchen und Heizstab bleibt. Außerdem kommt ein Bratenthermometer zum Einsatz, um die Temperatur des geschmolzenen Käses zu messen – was mir vor allem bei den zwei Teelicht-Grills interessant erscheint.

Erfahrungsgemäß spielt die Position der Pfännchen im Gerät eine große Rolle; bei unseren Leihgeräten im Winterurlaub hatten wir mal den Fall, dass ein paar Pfännchen Vorsprung hatten – was am schnellen Brutzeln in der Mitte des Geräts lag. Beim Test habe ich mit meinem Pfännchen deshalb die unbeliebte Eckposition eingenommen. Alle Geräte wurden auf die jeweils mittlere Temperaturstufe eingestellt, weil ich uns als mittelschnelle Esser einstufe: Wir wollen den Raclettekäse genießen, haben andererseits aber auch Hunger.

Cloer 6435 Raclette mit Naturstein

Die Flecken auf dem Stein sind leider auch nach dem Abwasch noch da

Die Flecken auf dem Stein sind leider auch nach dem Abwasch noch da

Foto:

Verena Töpper / DER SPIEGEL

Wir beginnen mit dem Grill von Cloer – und schon beim vorbereitenden Abspülen der scharfkantigen Pfännchen schneide ich mir in den Finger. Von der scharfen Unterkante abgesehen, liegen sie aber sehr gut in der Hand.

Schaber sind nicht dabei, was mich zunächst irritiert – in den Skiurlauben waren die kleinen Holzschaber, mit denen man den geschmolzenen Käse aus dem Pfännchen bugsiert, immer das wichtigste Utensil. Tatsächlich stellt sich heraus, dass diese bei allen getesteten Geräten völlig überflüssig sind, Antihaftbeschichtungen sei Dank.

Auf der Aluminiumplatte brutzeln die Datteln im Speckmantel schon nach wenigen Minuten, auf dem Naturstein tut sich hingegen wenig. So wenig, dass wir die Datteln später auf die andere Seite schieben. Dort ist der Speck nach 13 Minuten von allen Seiten schön knusprig, und auch das erste Pfännchen fertig: allerdings nur jenes in der Mitte des Grills.

Mein Eck-Pfännchen leere ich nach 15 Minuten, eine knusprige Kruste hat der Käse da noch nicht. Erst in der zweiten Runde wird auch der Käse in meinem Pfännchen an einer Stelle knusprig, und zwar schon nach zehn Minuten. Frisch aus der Pfanne ist er knapp 65 Grad heiß. Meine Messung der Beladungshöhe ergibt rund drei Zentimeter.

Das Wichtigste in Kürze: 1200 Watt; 1,50 Meter langes Kabel; Maße 29,5 x 43 x 16 Zentimeter; 4,6 Kilogramm schwer, rund 65 Euro

Top: Formschönes Gerät mit stufenloser Temperatureinstellung

Flop: Scharfe Kanten der Pfännchen, ungleichmäßiges Ergebnis, Naturstein schon nach erstem Gebrauch fleckig

Rommelsbacher Raclette-Grill RCS 1350

Hier schmilzt auch der Käse im Eck-Pfännchen hervorragend

Hier schmilzt auch der Käse im Eck-Pfännchen hervorragend

Foto: Verena Töpper / DER SPIEGEL

Schon beim Auspacken fällt auf, dass die Pfännchen deutlich größer sind als die von Cloer. Im Infoblatt finden sich genauere Angaben: Wir haben es hier mit einer »Pfännchen-Bodenfläche über 50 cm²« zu tun. Mitgeliefert werden eine Natursteinplatte und zwei Wendegrillplatten, auf denen man laut Produktvideo zum Beispiel Pancakes zubereiten kann. Die Natursteinplatte sieht sehr hochwertig aus, wir entscheiden uns diesmal trotzdem für die Variante mit zwei Grillplatten. Schon nach sieben Minuten ist der Speck darauf schön knusprig.

Das Gerät ist deutlich klobiger als das von Cloer und braucht laut Gebrauchsanweisung auf allen Seiten mindestens 20 Zentimeter Platz – was auf unserem kleinen Tisch unmöglich einzuhalten ist. Mein Teller ist nur zehn Zentimeter vom Grill entfernt, bei mittlerer Temperatureinstellung messe ich dort 41 Grad. Aber auch ohne Thermometer wird schnell klar: Dieses Gerät heizt ordentlich ein. Ein offenes Fenster schafft Abhilfe; in Corona-Zeiten ist Lüften ja ohnehin angesagt.

Wie beim ersten Testgerät zeigt sich die erste braune Knusperschicht nach 13 Minuten – aber diesmal tatsächlich in allen drei Pfännchen gleichzeitig und nicht nur in einer Ecke, sondern gleichmäßig über den Käse verteilt. Auch in der zweiten Runde staunen wir über die Gleichmäßigkeit, mit der der Käse geschmolzen wird. Bei diesem Gerät muss sich niemand für eine Eckposition opfern, hier bekommt jeder eine wunderschöne Kruste. Die acht mitgelieferten Schaber brauchen wir nicht: Der Käse fließt mit 73,5 Grad ohne Hilfe auf den Teller. Ein Genuss!

Das Wichtigste in Kürze: 1350 Watt; zwei Meter langes Kabel; Maße 48 x 23,5 x 13,5 Zentimeter; 5,6 Kilogramm schwer, rund 74 Euro

Top: Sehr gleichmäßiges Grillergebnis mit toller Kruste, Grillplatte wird sehr schnell heiß

Flop: Sieht aus wie ein Klotz, braucht sehr viel Platz

Severin RG 2373

Grillt nicht ganz so gleichmäßig, erzeugt aber trotzdem eine schöne Kruste

Grillt nicht ganz so gleichmäßig, erzeugt aber trotzdem eine schöne Kruste

Foto:

Verena Töpper / DER SPIEGEL

Bunte Punkte fallen bei diesem Grill als Erstes auf: Die Pfännchenstiele sind farblich markiert, wie bei einem Fondue. Ich kann mich zwar nicht erinnern, bei einem Racletteabend schon mal mein Pfännchen aus den Augen verloren zu haben, finde die Idee aber nicht schlecht.

Auch ohne Zollstock sieht man, dass der Abstand zum Heizstab bei diesem Gerät besonders groß ist. Hier kann man locker vier Zentimeter Belag unterm Käse auftürmen. Schaber sind keine dabei, werden aber wieder nicht vermisst.

Die Steinplatte hat an einer Stelle eine kleine Scharte, was den Gebrauch nicht beeinträchtigt, aber nicht sonderlich hübsch aussieht und sicherlich Grund für eine Reklamation wäre. Rein optisch finde ich dieses Gerät weniger klobig als das von Rommelsbacher, aber nicht so ansprechend wie das von Cloer.

Die erste Speck-Dattel ist nach nur zehn Minuten fertig, das sind drei Minuten länger als auf dem Grill von Rommelsbacher und drei Minuten schneller als auf dem Grill von Cloer. Die magischen 13 Minuten bis zur Knusperkäsekruste bewahrheiten sich auch bei diesem Modell, aber wieder nur für das Pfännchen in der Mitte. Mein Eck-Pfännchen braucht diesmal knapp fünf Minuten länger. Die Käse-Temperatur ist ähnlich hoch wie beim Modell von Rommelsbacher: 74,6 Grad.

Das Wichtigste in Kürze: 1500 Watt; 1,40 Meter langes Kabel; Maße 54 x 24.5 x 13.7 Zentimeter; 5,6 Kilogramm schwer, rund 73 Euro

Top: Solider Grill mit farbig markierten Pfännchen

Flop: Ungleichmäßiges Grillergebnis

Rosenstein & Söhne faltbares Mini-Teelicht-Raclette

Überzeugendes Ergebnis nach nur sieben Minuten Grillzeit

Überzeugendes Ergebnis nach nur sieben Minuten Grillzeit

Foto:

Verena Töpper / DER SPIEGEL

Die Vorzüge dieses Grills liegen im Wortsinn auf der Hand; dort passt er nämlich hinein. Da die Hitze hier nur von unten kommt, erwarte ich keine knusprige Käsekruste, auf die ich eigentlich Wert lege. Trotzdem will ich dem Modell eine Chance geben, denn ich habe eine Abneigung gegen Geräte, die 364 Tage im Jahr ungenutzt in der Küche stehen, und finde die Vorstellung bestechend, den Raclette-Grill in einer Schublade verstauen zu können, was bei diesem Modell problemlos möglich ist. Zusammengefaltet ist er nicht größer als ein dicker Briefumschlag und mit wenigen Handgriffen aufgebaut: Auseinanderziehen, Teelichter rein, Pfännchen drauf, fertig.

Im Gegensatz zu den anderen Modellen, die mitunter den halben Tisch einnehmen, habe ich nun freie Sicht auf mein Gegenüber, und das auch noch romantisch im Schein der Teelichter, die fröhlich durch drei Fensterchen flackern.

Es gibt nur ein Pfännchen; das ist allerdings doppelt so groß wie die übrigen, die bei diesem Test zum Einsatz kamen. Laut Herstellerangabe ist der Grill für zwei Personen geeignet. Wie das gemeint ist, verstehe ich allerdings nicht: Bekommt jeder einen halben Käse auf den Teller? Oder jeder abwechselnd eine besonders große Portion?

Die mitgelieferten Teelichter sind nur einen Zentimeter dick; sie sehen aus, als hätte man sie halbiert. Für einen Gesamtpreis von knapp zehn Euro kann man aber nicht meckern. Und dem Grillergebnis scheinen sie auch nicht zu schaden, denn tatsächlich schlägt der Käse schon nach sieben Minuten Blasen.

Mit dem mitgelieferten Schaber drehe ich meine Käsescheibe um. Von unten hat er tatsächlich ein bisschen Kruste angesetzt. So habe ich nach 15 Minuten ein Ergebnis, das mit den großen Elektrogrills mithalten kann. Der Käse ist mit 49,4 Grad zwar deutlich kühler und auch nicht ganz so schön gleichmäßig gebräunt, schmeckt aber trotzdem lecker. Und das ganz ohne Strom und mit minimalem Platzaufwand!

Das Wichtigste in Kürze: Kein Kabel, Maße zusammengefaltet 26,4 x 9,2 x 0,6 Zentimeter; 250 Gramm leicht, rund zehn Euro

Plus: Unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis, kann mit wenigen Handgriffen zu winzigem Paket zusammengefaltet werden, funktioniert ohne Strom

Minus: Der Käse wird nicht ganz so knusprig, eigentlich braucht jeder Mit-Esser seinen eigenen Grill

Rosenstein & Söhne Raclette Stövchen

Teelichter mit Herzchen: Auch so kann ein Raclette-Grill aussehen

Teelichter mit Herzchen: Auch so kann ein Raclette-Grill aussehen

Foto:

Verena Töpper / DER SPIEGEL

Im Vergleich zur Version mit den drei ausgestanzten Kühen sieht dieser kleine Teelicht-Grill hochwertiger aus: Er hat rechts und links je einen Holzgriff und wird mit zwei regulären Pfännchen geliefert. Er kann zwar nicht zusammengefaltet werden, nimmt im Vergleich zu den Elektrogrills aber trotzdem sehr wenig Platz ein.

Die Fensterchen sind hier in Herzform. In der faltbaren Kuhversion gab es drei Teelichter, hier werden nur zwei mitgeliefert. Auch diese sind überraschend schmal, heizen aber erstaunlich gut ein. Nach rund 15 Minuten ist auch hier der Käse verzehrfertig mit leichter Kruste von unten.

Das Wichtigste in Kürze: Kein Kabel, Maße 24,4 x 10,6 x 6,5 Zentimeter; 545 Gramm leicht, rund 20 Euro

Plus: Nimmt wenig Platz ein, sieht hübsch aus, funktioniert ohne Strom

Minus: Käsekruste nicht ganz so knusprig

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Preisabfragezeitpunkt

29.01.2023 14.44 Uhr

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Fazit:

Überraschend für mich: Bei keinem der getesteten Grills habe ich einen Schaber gebraucht, um den Käse aus dem Pfännchen zu kriegen. Alle haben sich auch wunderbar leicht reinigen lassen. Die Vorzüge der Steingrillplatten sind mir nicht ganz klar geworden; auf den Aluminiumplatten hat das Brutzeln mehr Spaß gemacht. Das mit Abstand beste Ergebnis hat der teuerste Raclette-Grill geliefert: der von Rommelsbacher. Für größere Runden ist er ideal, weil der Käse auf allen Positionen gleichmäßig braun wird. Mein Sieger der Herzen ist aber das faltbare Teelicht-Raclette.

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