Schöne Reisekochbücher Am Herd die Welt entdecken

In den Ferien kann man seinem Gaumen gern mal eine Weiterbildung gönnen. Wir haben uns drei sehr verschiedene Bücher angesehen, mit denen sich der Genusstrip vorbereiten lässt.
Warum in die Ferne schweifen? Sieh, die Küche liegt so nah!

Warum in die Ferne schweifen? Sieh, die Küche liegt so nah!

Foto:

Tara Moore / Getty Images

Gabriele Gugetzer – Lunch in London

Kulinarische Reiseführer zu den vielen neuen Gourmettempeln der britischen Hauptstadt gibt es viele. Doch wohin sollen wir gehen, wenn der Hunger quält, es aber noch nicht Zeit fürs Dinner ist, sondern mittags beim Stadtbummel oder nachmittags beim Powershopping? Gabriele Gugetzer, eine verdiente Kochbuch- und Reiseautorin, kehrte für die Recherchen zu diesem von Katya Katkova wunderschön und detailverliebt fotografierten Genussreise- und Kochbuch in ihre Lieblingsstadt zurück, in der sie bereits ein paar Jahre gelebt und gearbeitet hat.

Beim Blättern, und noch mehr beim vertieften Lesen, ist auf jeder Seite die tiefe Kenntnis der Autorin auch abwegiger oder dem Anschein nach unbedeutender Kleinigkeiten der Themse-Metropole zu spüren. Den Stadtrundgang durch das Multikultiviertel Camden Town begleitet sie mit der Geschichte der auch bei Harrods für ein kleines Vermögen angebotenen Kosher-Delikatesse Bagel & Lox. In Southwark lüftet sie das Geheimnis der Bread Street Kitchen (Kartoffelpüree mit getrüffeltem Brie). Und in Westminster City verrät sie das Originalrezept des legendären Victoria Sponge Cake zum Afternoon Tea.

Das britische Nationalgetränk wirft ohnehin eine Reihe von Fragen auf, die das Buch kundig beantwortet. Allen voran die Entscheidung, den Aufguss als TIF oder MIF zu zelebrieren. Dabei geht es darum, ob zuerst der Tee oder die Milch in die Tasse kommt. Die Antwort beansprucht eine Menge Raum und läuft, kurz gesagt, darauf hinaus, aus welcher Art von Porzellan getrunken wird.

Zum Autor
Foto: Privat

Der zwischen Hamburg und Palma de Mallorca pendelnde Foodjournalist Peter Wagner kocht länger, als er für Geld schreibt. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich auch hauptberuflich mit Kochen, Essen, Reisen und Genießen und hat längst den Gegenwert eines Mittelklassewagens in der Gastronomie verzecht. Peter Wagner veröffentlicht Ernährungssachbücher und Kochbücher, aktuell ist sein erstes selbstproduziertes Buch »Corona-Speck weg! « im Handel.

Je länger man mit Gabriele Gugetzers Buch als Guide herumstromert und immer wieder seine Nase in die Rezepte der jeweils typischen Speisen steckt, umso besser. So fühlt man sich gewappnet für die kulinarischen Verlockungen zwischen Kensington, Camden, Hampton Court und Chelsea.

Besonders schön ist das Spektrum der kundig und sehr akribisch rezeptierten Gerichte. Dazu zählen deftiges Fish and Chips, Eiersandwiches und Rosewood Pork Pie. Und Feines wie Fasan mit Brotsauce, Roastbeef mit Karamellzwiebeln und doppelt gebackenes (!) Käse-Soufflee. Sterneverdächtig: der Kaisergranat in Nage und Gordon Ramseys Highend-Version von Beef Wellington aus dem Savoy Grill.

Das alles wird garniert mit spannenden und oft auch augenzwinkernden Geschichten zu den zu Unrecht bis heute stigmatisierten kulinarischen Kleinoden Britannias. Höchste Zeit, den »Last Train to London« zu besteigen.

Wer braucht das? Jeder, der tagsüber in London unterwegs ist und Hunger hat

Typisches Rezept? »Roast Beef with Caramelized Onion Gravy«

Was kostet das? 29,99 Euro

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Gabriele Gugetzer

Lunch in London

Illustration: Katya Katkova
Verlag: Christian
Seitenzahl: 224
Für 29,99 € kaufen
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Letitia Clark – La Vita è Dolce – Cantucci, Cannoli & Cassata

Butter! Weizenmehl! Zucker! Mascarpone! Angesichts der Schwemme puritanischer Back- und Dessertbücher, die versprechen, auf all diese Geschmacksgaranten zu verzichten, ist dieses Werk eine wahre Wohltat. Hier ist nichts unter 500 Kalorien pro 100 Gramm Süßspeise zu finden. Die seit Längerem auf Sardinien lebende britische Kochbuchautorin Letitia Clark (bekannt durch »Bitter Honey«) serviert zwischen diesen beiden Buchdeckeln alles, was von Bozen bis Palermo an süßen Versuchungen auf den Tisch kommt.

Leider bringen viele »Tedeschi« auf die Frage nach den Dolce nur ein tiefgesättigtes »No grazie« über die Lippen, nachdem sie zuvor einen Genussmarathon aus Antipasti, Pasta und reichhaltigen Fleisch- und Fischgerichten genossen haben. Das findet Letitia Clark bedauerlich. Sie widmet der doppelten Bedeutung des Begriffs »dolce« das Motto ihres Buches: Das Leben ist nicht nur süß, sondern auch schön.

Und das vor allem, wenn man sich kleine oder große Sünden wie Cantucci, Amaretti, den Bröselkuchen Sbriciolata, Crostata, Torta di zucca und Chiacchiere nicht zwanghaft verkneift. All das hat Clark gleichermaßen authentisch wie nachbackbar rezeptiert. Selbst bei Klassikern, die man vielleicht längst aus dem Kopf hinbekommt wie Pannacotta, Tiramisu, Cannoli oder Italiens Lieblingskuchen Torta di mele (gedeckter Apfelkuchen) lohnt sich für den ein oder anderen Kniff der Blick in ihre Rezepte.

Das längste Kapitel – natürlich Gelato – ist wie der Rest des Buches gespickt mit Sehnsuchtsfotos, kleinen Anekdoten und gut durchdachten Küchenpraxistipps. Damit schafft man selbst die vielleicht kniffeligste Zuckerbombe der italienischen Dolce-Kultur – die original Cassata, für die aber selbst die Autorin zwei Arbeitstage ansetzt. Selten wirft so eine Zeitinvestition einen derartigen Genussgewinn ab.

Wer braucht das? Alle, die sich das Leben versüßen wollen

Typisches Rezept? »Pannacotta mit geröstetem Feigenblatt«

Was kostet das? 29,95 Euro

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Letitia Clark

La Vita è Dolce

Übersetzung: Claudia Theis-Passaro
Verlag: Dorling Kindersley
Seitenzahl: 272
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Hans Jörg Bachmeier – In der Welt daheim: 80 bayerische Rezepte international inspiriert

Wer seinen Urlaub lieber in Tittmoning statt am Titicacasee verbringt, muss auf ferne Genüsse nicht verzichten. Zumindest, wenn man sich mit den cleveren Rezepten des Fernsehkochs Hans Jörg Bachmeier durch die halbe Welt kocht – und dabei stets mit beiden Beinen im Freistaat Bayern bleibt. Wie das möglich ist? Nun ja, Pseudo-Internationalisierungen der Alpenküchenklassiker gibt es viele. Doch selten führt dieser Fusionswillen zu derart schlüssigen und schmackhaften Crossover-Gerichten wie bei dem Schubeck- und Winkler-Schüler, der seit 2020 in seinem eigenen Gasthaus am Herd steht.

Hier wächst zusammen, was miteinander auch wirklich gut schmeckt: Kimchi aus Radieschen, Chimichurri mit Rettich und Petersilie statt Koriander, Ceviche von der Lachsforelle, Krautwickel mit Zander und Weißbier-Sabayon zum Bratapfel. Das deftige Pulled Pork heißt bei Bachmeier »Z’rupfte Sau mit bayerischem Coleslaw«.

Wer braucht das? Jeder, der gleichzeitig in Bayern und dem Rest der Welt Genussurlaub machen will

Typisches Rezept? »Gefüllte Paprika mit asiatischem Hendl & Chili-Joghurt«

Was kostet das? 26 Euro

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Hans Jörg Bachmeier

In der Welt daheim

Verlag: EMF
Seitenzahl: 160
Für 26,00 € kaufen
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Hintergrund: Produkttests im Ressort Tests

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