Reiskocher im Test Lieber körnig oder klebrig?

Wir haben fünf Geräte getestet, die versprechen, fluffigen Reis wie im Restaurant zu kochen – mit Fuzzy Logic und 3D-Verfahren.
So unterschiedlich wie die Testgeräte aussehen, sind auch ihre Preise

So unterschiedlich wie die Testgeräte aussehen, sind auch ihre Preise

Foto: Christian Neeb / DER SPIEGEL

Reis, das sind bloß Kohlehydrat-Körner, eine Trägermasse für Soßen, die man zum Sattwerden braucht, wenn gerade keine Nudeln oder Kartoffeln da sind. Reis ist öde. Zumindest dachte ich das, solange ich nur den Tütenreis kannte, der in den Mittagstöpfen meiner Kindheit anbrannte, um dann vertrocknet unter Gemüse, Soße und Fleisch zu verschwinden.

Mein Verhältnis zum Reis änderte sich dramatisch, als ich zum ersten Mal in einer Sushi-Bar in Tokio saß, wo der Koch die Körner mit geschlossenen Augen aus dem Topf holte und in seiner Hand abwog, als wären sie weißes Gold. Die anschließende Geschmacksexplosion war ein prägendes Erlebnis. Seit ich in asiatischen Ländern Reis essen durfte, ist er für mich vom Grundnahrungsmittel zum Genuss geworden.

Nur das mit dem selber Kochen war lange eine Herausforderung – bis ich mir einen Reiskocher kaufte, wie er für beinahe jede japanische Familie eine Selbstverständlichkeit ist. Ich nahm das erstbeste Billigangebot aus dem Asia-Supermarkt mit. Nun habe ich ihn mit anderen Reiskochern verglichen, die teils sehr viel mehr kosten. Einen einwöchigen Reismarathon später können Sie hier das Ergebnis lesen.

Diese Geräte habe ich getestet:

Reishunger Digitaler Reiskocher Ein guter Allrounder für Reisfans

Tefal Classic 2 Ein billiger Kocher für Großfamilien

Tristar RK-6135 Ein einfacher und günstiger Einstiegskocher

WMF Küchenmini Ein stylisher Kocher für Singles

Zojirushi NS-TSQ10 Ein japanisches Premiumgerät

So habe ich getestet:

Die Kocher wurden ausnahmslos mit Dämpfkörben geliefert. Sie alle bieten auch die Funktion Gemüse, chinesische Dumplings oder japanische Gyoza-Teigrollen zu dämpfen. Die digital gesteuerten Kocher sollen sogar Kuchen backen können.

Ich habe mich beim Test jedoch auf die Grundfunktion zu Reiskochen beschränkt. Nach gründlichen Reinigung der Geräte habe ich in jedem Kocher drei Messbecher Reis zubereitet (außer bei dem Minikocher von WMF). So ein Messbecher hat in der Regel ein Volumen von einem Gou, der japanischen Maßeinheit, in der Reis abgemessen wird. Das entspricht etwa 180 Millilitern beziehungsweise 180 Gramm Reis. Drei Becher davon reichen meiner zweieinhalbköpfigen Familie für ein Abendessen und einen anschließenden Mittagssnack.

Wichtig, wenn es mit dem Reis klappen soll: gründliches Waschen

Wichtig, wenn es mit dem Reis klappen soll: gründliches Waschen

Foto: Christian Neeb / DER SPIEGEL

Der verwendete Reis ist ein hochwertiger Sushi-Reis mit runden Körnern, den ich von einem auf japanische Küchenzutaten spezialisierten Onlinehändler beziehe. Vor der Zubereitung wurde der Reis in mehreren Waschvorgängen gereinigt.

Reishunger Digitaler Reiskocher & Dampfgarer

Foto: Christian Neeb / DER SPIEGEL

Der erste große Digitalkocher im Test kommt nicht aus Fernost, sondern aus Bremen. Die Firma Reishunger vertreibt in ihrem Onlineshop nicht nur verschiedene Reissorten und andere Zutaten, sondern auch eine Auswahl eigener Reiskocher.

Der große digitale Reiskocher orientiert sich im Design deutlich am Vorbild asiatischer Premiumkocher. Die Verarbeitungsqualität ist sehr gut, die matte Oberfläche des Deckels wirkt edel. Der Topf selbst ist außen bronzefarben beschichtet, innen mit Keramik ausgekleidet. Die Einzelteile des Deckels lassen sich zur Reinigung entfernen und sitzen dank durchdachter Befestigung bombenstabil im Gehäuse.

Über die digitale Anzeige lassen sich zwölf unterschiedliche Kochprogramme auswählen. Für die Zubereitung von meinem Sushi-Reis brauchte der Reishunger 40 Minuten. Dabei erzielte er ein fast so gutes Resultat wie der Kocher von Zojirushi (siehe unten).

Allerdings ist die Nutzung der Digitalanzeige während des Kochvorgangs eher irritierend. Statt eines Countdowns rotiert auf der Reishunger-Anzeige nur ein Balken, um den aktiven Kochvorgang anzuzeigen. Dazu erhöht sich ein weiterer Balken und gibt einen ungefähren Eindruck davon, wie lange der Kochvorgang noch dauern wird.

Natürlich hält das Gerät den Reis nach dem Kochen warm. Aber beim Multitasking in der Küche wäre ein einfacher Countdown wünschenswert, damit man neben Soßen, Fleisch und Gemüse nicht noch den Fortschrittsbalken des Reishunger-Kochers im Auge behalten muss.

Der Hersteller gibt an, dass eine »7-Phasen-Kochtechnologie« den Reis perfekt selbstständig im »3D-Verfahren« gart. Unabhängig von diesen Hightech-Versprechen ist das Ergebnis ziemlich gut.

Zubehör: Messbecher, Reisschaufel und Halter, Suppenkelle, Dämpfkorb

Preis: circa 150 Euro

Eignet sich für… Fans asiatischer Küche, die erstklassigen Reis in einem hervorragend verarbeiteten Gerät zubereiten wollen – aber nicht so viel ausgeben wollen wie für asiatische Premiumkocher verlangt wird.

Tefal RK1011

Foto: Christian Neeb / DER SPIEGEL

Das Modell von Tefal sieht aus wie eine aufgeblasene Version des billigen Tristar-Kochers (siehe unten). Und genau das ist er auch. Er beschränkt er sich auf zwei Funktionen: Kochen und Warmhalten. Mit bis zu zehn Messbechern fasst er allerdings doppelt so viel Reis wie der viel kleinere Tristar. Schon dadurch eignet er sich für den semiprofessionellen Bereich und größere Familienfeste. Auf der Verpackung preist der Hersteller das Produkt für bis zu 20 hungrige Gäste an.

Trotz des großen Volumens, ist der Tefal im Vergleich zu digitalen Multikochern sehr günstig. Leider macht sich das auch bei der Verarbeitung bemerkbar. Das Gehäuse wirkt klapperig, die Konstruktion des Gemüsekorbs, der auf das Kochgehäuse aufgesetzt wird, ist wenig durchdacht und nicht sehr stabil.

Der Reis, den der Tefal kocht, ist aber in Ordnung, kommt nur einen Tick zu trocken aus dem Gerät. Dafür ist die Kochdauer die kürzeste im Test. Gerade mal 25 Minuten nach dem Start springt der Kocher in den Warmhaltemodus.

Zubehör: Messbecher, Reisschaufel und Halter, Dämpfkorb

Preis: circa 50 Euro

Eignet sich für… Großfamilien und Kleingastronomen, die sehr schnell sehr viel Reis kochen müssen und dafür bei der Qualität ein paar Abstriche in Kauf nehmen.

Tristar RK-6135

Foto: Christian Neeb / DER SPIEGEL

Der Tristar ist kein besonders raffiniertes Gerät. Er hat einen Ein-/Ausschalter und kann, wie der Tefal, nur zwischen zwei Modi umgeschaltet werden: Reis kochen und Reis warmhalten. Das Gerät ist größtenteils aus unempfindlichem Kunststoff und Metall gefertigt. An der Rückseite befindet sich ein Auffangbehälter, um Kondenswasser abzugießen.

Der gewaschene Reis wird in den 1,2 Liter fassenden Kochtopf gegeben. An der Innenseite ist eine Skala in das beschichtete Metall geprägt. An ihr liest man ab, wie viel Wasser man für die verwendete Anzahl von Messbechern Reis einfüllen muss. Je nach Körnung kann es notwendig sein, die Wassermenge etwas zu variieren.

Zum Kochen meiner drei Messbecher Reis braucht der Tristar rund 40 Minuten. Danach springt er automatisch vom Kochmodus in den Warmhaltemodus. Es ist empfehlenswert, den Inhalt des Topfes nach dem Kochen einmal umzurühren, um die verbliebene Restflüssigkeit zu verteilen.

Das Ergebnis ist eher klebrig, eignet sich aber wunderbar für Sushi. Wer diese Konsistenz mag, findet auch andere Anwendungsgebiete. Auch in Donburi, klassischen japanischen Reistöpfen, macht er eine gute Figur, da er sich in der Soße nicht so schnell auflöst und deshalb gut mit Stäbchen gegessen werden kann.

Zubehör: Messbecher, Reisschaufel, Dämpfkorb

Preis: circa 30 Euro

Eignet sich für… Anfänger, die für wenig Geld guten Reis kochen wollen. Ein preiswerter und stabiler Einstieg in die Welt der Reiskocher.

WMF Küchenminis Reiskocher

Foto: Christian Neeb / DER SPIEGEL

Beim Auspacken die erste Überraschung: Der ist ja winzig! Das Töpfchen des Küchenminis von WMF sieht aus, als ob es gerade mal eine Hand Reis aufnehmen könnte. Das Gerät und der Dämpfkorb sind aus Cromargan hergestellt, dem Metall aus dem WMF auch viele seiner Kochtöpfe baut.

Die Verarbeitung wirkt, als sei sie für die Ewigkeit gemacht, das Gerät sieht sehr edel aus und würde sich bestimmt gut neben einer Designer-Kaffeemaschine machen. Ein weiterer Unterschied zu den übrigen Geräten: Der Küchenmini wird mit einem Glasdeckel für den Kochbetrieb und einem anklappbaren Kunststoffdeckel zum Tragen geliefert. So kann der Reis nach der Zubereitung auf den Balkon, in den Park oder zur Arbeit mitgenommen werden.

Über die Digitalanzeige kann beim Dampfgaren ein Timer eingestellt, für die Zubereitung von Reis gibt es nur ein einziges Kochprogramm. Je nach Reissorte wird auch hier die Zugabe von unterschiedlichen Wassermengen empfohlen. Mit maximal 200 Gramm Reis schafft der WMF eine Portion, die für ein Abendessen zu zweit ausreicht, mehr nicht.

Das Kochen einer solchen Portion dauerte im Test rund 30 Minuten. Das Ergebnis hatte eine gute Konsistenz, kommt aber nicht an die Qualität der teuren Digitalkocher heran. Doch das Anwendungsgebiet des Küchenminis ist auch ein anderes: In Single- oder Zwei-Personen-Haushalten schnell den Reis fürs Abendessen zubereiten – um dann formschön in einem Winkel der Küche zu verschwinden.

Zubehör: Messbecher, Reisschaufel und Halter, Dämpfkorb aus Edelstahl, Tragedeckel zum Transport

Preis: circa 80 Euro

Eignet sich für… Singles oder Zwei-Personen-Haushalte mit Hang zu stylischer Kücheneinrichtung – und wenig Stauraum.

Zojirushi 220 V Fuzzylogic

Foto: Christian Neeb / DER SPIEGEL

Das Gerät der japanischen Profimarke Zojirushi unterscheidet sich in der Ausstattung deutlich von billigen Supermarktkochern – was sich auch im happigen Preis niederschlägt. Er sieht aus und fühlt sich an, als sei ein Ufo in der Küche gelandet.

Mittels einer Digitalanzeige lässt sich der Kocher auf eine bestimmte Reissorte programmieren. Neben Programmen für Lang- und Kurzkornreis bietet er auch Varianten für gemischte Reissorten. Zudem verfügt er über eine Warmhaltefunktion, eine Schnellkochfunktion und kann so eingestellt werden, dass der Reis zu einer vorher gewählten Uhrzeit gar ist. Das beiliegende Handbuch ist sehr umfangreich, liegt aber nur in englischer Sprache vor.

Ebenso liegt dem Kocher ein dreipoliges Kabel für britische Steckdosen bei. Man kann ihn aber auch mit einem herkömmlichen deutschen Kaltgerätekabel betreiben, sofern man eines zur Hand hat. Ein deutsches Kabel liegt nicht bei, das sollte man beim Kauf bedenken und sich im Zweifel eine passende Strippe besorgen oder von einem anderen Gerät »leihen«.

Während des Kochvorgangs läuft auf dem Display ein Timer, sodass auch beim Zubereiten anderer Zutaten praktisch der Überblick gewahrt bleibt, wann der Reis fertig sein wird.

Auf dem Karton prangt stolz das Schlagwort Fuzzy Logic.  Es soll anzeigen, dass der Computer im Kocher dem Begriff entsprechend die Unschärfen eines menschlich-fehlerbehafteten Kochvorgangs übernimmt. Die Technik soll dafür sorgen, dass der Reis nicht zu trocken oder zu matschig wird, sondern perfekt. Das mag verwirrend klingen, aber das Ergebnis kann sich sehen lassen.

DER SPIEGEL

Nach stolzen 60 Minuten ertönt ein Jingle, wie er auch eine Station der Tokioter U-Bahn ankündigen könnte, und der Reis ist fertig. So lange brauchte im Test kein anderer Kocher. Dafür war das Ergebnis auch bei keinem anderen so gut. Der Reis ist klebrig genug, um in kleinen Flocken zu hängen, verliert aber nicht seine Struktur. Ein Reiskocher, wie er nur in Japan erfunden und gebaut werden kann.

Zubehör: Messbecher, Reisschaufel und Halter, Dämpfkorb

Preis: circa 280 Euro

Eignet sich für… Japan-Fans, die für den perfekten Reis tief in die Tasche greifen und sich beim Kochen wie im Cockpit eines Raumschiffs fühlen wollen.  

Fazit

Schon mit dem billigen Tristar kann man sich darauf verlassen, einen ordentlichen Reis auf den Teller zu bekommen. Wer oft große Gesellschaften bekochen will, sollte eher zum Tefal greifen während das Modell von WMF sich nur für kleine und kleinste Haushalte anbietet. Und für jene, die lieber ein Reisgericht statt Butterbrote zum Lunch in der Firma mitnehmen.

Den besten Reis aber kochen die digital gesteuerten Geräte von Zojirushi und Reishunger. Vernünftige Menschen begnügen sich mit dem Vorzeigeprodukt aus Bremen, wer ein Faible für japanische Alien-Küchentechnik samt U-Bahn-Jingles hat, muss dafür eben den entsprechenden Preis zahlen.