Digitales Thermometer Meater im Test Smarter grillen

Das Steak ist zu trocken und der Braten nicht durch? Ein digitales Grillthermometer soll per App Abhilfe schaffen. Wir haben ausprobiert, ob man damit vom Teilzeit-Vegetarier zum Grillheld wird.
Die Luxusversion »Block«: Vier Temperaturfühler, WLAN, 299 Euro

Die Luxusversion »Block«: Vier Temperaturfühler, WLAN, 299 Euro

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Sommerzeit ist Barbecue-Zeit. Laut Statista feuern fast eine Million Deutsche mehrmals pro Woche den Grill an . Mehr als 20 Millionen tun das mindestens einmal oder mehrmals im Monat, legen dabei besonders gern Steaks, Würste und Fleischspieße  auf den Rost. Ob die dann auch perfekt gelingen, weder halbgar noch knochentrocken auf den Teller landen, ist eine andere Frage.

Das digitale Grillthermometer Meater soll das leichter machen, indem es die Kerntemperatur des Grillguts misst und per Bluetooth an eine App sendet. Ein Vorteil dieser Technik: Sie funktioniert ohne Kabel, bei den populären Kugelgrills also auch bei geschlossenem Deckel und auch mit einem Drehspieß. Zudem bietet die App Möglichkeiten, die über die herkömmlicher Grillthermometer hinausgehen. Etwa, indem sie für viele Fleisch-, Geflügel- und Fischsorten geeignete Gartemperaturen vorschlägt und deren Einhaltung kontrolliert.

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Das haben wir mit dem Meater zubereitet

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Was die App allerdings nicht bietet, sind Voreinstellungen für Gemüsegerichte. Wer also etwa einen ganzen Blumenkohl nach Ottolenghi grillen will – so wie ich das gern tue – muss sich weiterhin auf sein Gefühl verlassen – oder in der App eigene Temperaturvorgaben einstellen und das System, so vom Meater zum »Veggie-Meter« machen.

Drei Varianten

Die Herstellerfirma Apption Labs bietet ihre digitalen Grillthermometer in drei Varianten an: Die Standardversion mit zehn Metern Reichweite für 89 Euro, eine Plus-Version mit 50 Metern Reichweite für 109 Euro und den Meater Block, der zusätzlich eine WLAN-Anbindung hat, mit zwei oder vier Temperaturfühlern geliefert wird und 239 bis 299 Euro kostet. Was man dafür bekommt, ist übersichtlich: einen Bambusblock als Basis und je nach Modell ein bis vier Funkthermometer aus Metall.

Wer beim Grillen sowieso immer neben dem Grill sitzt oder steht, kommt mit der Standardversion sicher klar. Möchte man im großen Garten etwas mehr Abstand zwischen sich und den Grill bringen, ist man mit der Plus-Version besser bedient. Die verlängert den möglichen Abstand zwischen Handy und Ladestation auf bis zu 50 Meter – unter Idealbedingungen.

Den Meater Block brauchen dagegen nur Extremgriller, die gleichzeitig mehrere Stücke Fleisch auf den Rost legen und deren Garzeit kontrollieren wollen. Und jene, die auch mal länger zu garendes Grillgut zubereiten wollen. Pulled-Pork etwa – in der App als »gezogen« bezeichnet – kann schon mal zehn und mehr Stunden auf dem Rost liegen, bevor es fertig ist. Da will man nicht ständig danebenstehen, freut sich, dass der Block via WLAN eine Fernüberwachung ermöglicht. Zudem kann er nicht nur mit Batterien, sondern auch mit einem Netzteil betrieben werden, wenn es etwas länger dauert. Netzteil und Kabel liegen indes nicht bei. Aber vielleicht findet man im Keller ja noch eine alte Strippe für den Mikro-USB-Anschluss.

App an den Grill

Während all die Hardware nur das Vehikel ist, liegt das Besondere der Meater-Thermometer in der App. Sie läuft sowohl auf Android-Smartphones (Download im Play Store ) als auch auf iPhones (Download im App Store ) und wird per Bluetooth mit den Temperaturfühlern gekoppelt.

Die vier Phasen des Grillens mit Meater

Die vier Phasen des Grillens mit Meater

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Ist das erledigt, schiebt man das Thermometer so weit in das Gargut hinein, dass der erste von zwei Ringen auf dem Metallkörper darin verschwindet. So stellt man sicher, dass die Spitze des Thermometers die Innentemperatur misst, während der Kopf des Thermometers die Außentemperatur, also etwa die im Grill, registriert. Anschließend wählt man aus, welche Art von Fisch oder Fleisch man zubereiten möchte und bestimmt gegebenenfalls, wie »durch« man es möchte, also etwa »Medium Rare« oder »Well done«.

Von da an muss man kaum noch etwas tun, außer gelegentlich das Grillgut zu wenden. Die App erledigt den Rest, zeigt Innen- und Außentemperatur an, schätzt die verbleibende Zeit ab, sagt Bescheid, wenn das Grillgut fertig ist oder zu heiß wird. Zudem startet sie gegebenenfalls einen Countdown, wie lange man es ruhen lassen sollte, bevor man es anschneidet.

Das funktioniert grundsätzlich sowohl auf dem Grill als auch in Backofen und Topf, wobei das Gerät Probleme hatte, durch die Wände meines Ofens hindurch eine Verbindung aufzubauen. Das klappte erst, als ich die Ladestation mit den eingebauten Magneten an die Wand des Ofens heftete. Davon, in der Pfanne ein Steak mit Meater zuzubereiten, würde ich abraten, der Kopf des Temperaturfühlers ist dabei immer im Weg.

Fazit

👍 Einfach zu bedienen

👍 Ab Meater+ gute Reichweite

👍 Übersichtliche App

👎 Hoher Preis

Mit einem Meater wird man nicht automatisch zum Grillexperten, aber es wird einem schwerer gemacht, beim Grillen total zu versagen. Das Erlebnis, halbgares Fleisch oder durchgetrocknete Schuhsohlen-Steaks serviert zu bekommen, lässt sich damit jedenfalls gut vermeiden. Wenn man größere Stücke Fleisch, ganze Hühnchen, oder Fische, die etwas länger brauchen, auf den Rost legt, kommt man dem perfekten Ergebnis mit einem solchen Thermometer zumindest näher, als beim Grillen nach Gefühl.

Dafür zahlt man aber auch einen hohen Preis. Schon das günstigste Modell ist mit 89 Euro nicht gerade ein Schnäppchen. Im Vergleich mit anderen kabellosen Grillthermometern, Supermarktmodelle außen vor gelassen, ist es aber auch nicht überteuert. Den bis zu 299 Euro teuren Meater Block braucht freilich nur, wer sehr regelmäßig sehr viel Fleisch auf den Rost legt. Doch davon dürfte es immer weniger geben.

Hintergrund: Produkttests im Ressort Tests

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