Spargelschäler im Test Haut ab!

Mit Beginn der Spargelsaison stellt sich die Frage: Wie bekommt man die Schale möglichst gründlich von den weißen Stangen, ohne sich dabei zu verletzen oder zu viel abzuraspeln? Unser Autor hat Antworten.
Die Schale muss runter. Aber nur so weng wie nötig

Die Schale muss runter. Aber nur so weng wie nötig

Foto: Petra Schneider-Schmelzer / imago images

Bei wenigen Gemüsen kann man in der Küche so viele Fehler machen wie beim Asparagus officinalis. Der gemeine weiße Stangenspargel ist die vielleicht deutscheste aller Speisenobsessionen. Anderseits haben Kochfehler den Vorteil, gute Lehrmeister zu sein – weil wir dabei am eigenen Leib erfahren, was man alles falsch machen kann.

Wie zum Beispiel unsere weitgereiste, polyglotte neue Nachbarin. Eines Abends klingelte sie völlig verzweifelt an unserer Tür: fast zwei Stunden koche nun schon ihr Spargel vor sich hin, doch er sei immer noch so hart wie zuvor.

Wohl wissend, dass sie ihr bisheriges Leben vor allem in den USA, Ägypten und England verbracht hatte, brauchte ich nicht mit runter in ihre Küche zu gehen. Die Ferndiagnose war einfach: In diesen Ländern gibt es nur den per Natur bereits küchenfertig geernteten grünen Spargel. Niemand hatte ihr erzählt, dass man den Weißen vor dem Kochen schälen muss.

Ein kleines hämisches Grinsen habe ich mir verkniffen, weil ich sonst erst einmal vor meiner eigenen Spargelpatzer-Tür hätte kehren müssen. Denn immer wieder war auch ich auf diverse Versprechen der Küchengeräteindustrie hereingefallen, immer in der Hoffnung, die lästige Spargelschäl-Fronarbeit in der Zeit von Mitte April bis zum Abstechen am Johannistag (24. Juni), abzukürzen.

Wir teilen nämlich diese deutsche Obsession und essen während der Saison derart oft Spargel, dass uns die Stangen Mitte Juni ein Stück weit aus den Ohren wachsen. Inzwischen sind meine Versuche, mit neu erdachten Kochrezepten aus dem Spargel-Kartoffel-Hollandaise-Alltag auszubrechen, so zahlreich geworden, dass daraus sogar ein kleines Kochbüchlein entstanden ist.

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Wagner, Peter

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Dafür musste ich auf der Technikseite immer wieder Enttäuschungen erleben. Eine der teuersten Fehlinvestitionen war der längst nur noch auf Flohmärkten gehandelte »Der clevere Spargelschäler 2012« von Lurch. Diese komplizierte und nach Gebrauch kaum zu reinigende senkrechte Schälvorrichtung versprach, die Stangen in einem Rutsch zu schälen.

Doch dieses Versprechen hielt sie nicht einmal mit Spargel durchschnittlicher Dicke ein. Dünnere Exemplare fielen auf den Boden und zerbrachen, dickere blieben stecken, mittleren verloren entweder den Kopf oder mussten dreimal durchgezogen werden, bis endlich keine der beim Essen ungemein lästigen Spelzenstreifen mehr an den Stangen blieben.

Noch am selben Abend landete das Teil auf Ebay und ich holte reumütig meinen sturmerprobten Zangenschäler aus der Schublade. Der tritt hier und heute gegen einen Schäler mit Mittelgriff und einen klassischen Pendelschäler an.

Denn beim Gemüseschälen ist es wie beim Karneval: Jede Jeck is anders.

Westmark Spargelschäler Monopol Edition

Foto: Westmark

Theoretisch kann man mit jedem der drei Schäler-Grundprinzipien die Spargelhaut abziehen oder andere stangenartige Gemüsesorten von Karotten bis Schwarzwurzeln schälen. Da es aber nur beim Spargel zwei wirklich unterschiedliche Enden gibt, muss man sich entscheiden, in welche Richtung gearbeitet werden soll. Ich selbst vertraue auf die Frischheit und damit auf die Stabilität meines Einkaufes und schäle die am Kopf gehaltenen Stangen vom Körper weg.

Zum Autor
Foto: Privat

Der zwischen Hamburg und Palma de Mallorca pendelnde Food-Journalist Peter Wagner kocht länger, als er für Geld schreibt: Seit seinem 16. Lebensjahr ist das Schnibbeln, Simmern und Sautieren sein liebstes Hobby. Als furchtloser Esser mag der ehemalige Musikkritiker im Grunde alles, solange es mit Liebe und Verstand aus frischen Zutaten gekocht wird. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich auch hauptberuflich mit Kochen, Essen, Reisen und Genießen und hat längst den Gegenwert eines Mittelklassewagens in der Gastronomie verzecht. Peter Wagner veröffentlicht Ernährungs-Sachbücher und Kochbücher, schrieb die samstägliche Küchen-Kolumne "Hobbykoch" und ist Gründer und Herausgeber des Männerkochmagazins www.kochmonster.de . Aktuell ist sein erstes komplett selbstproduziertes Buch »Corona-Speck weg!« im Handel, für das es auf www.corona-speck.de  einen kleinen Vorgeschmack gibt.

Zu Beginn und ganz am Ende der Saison kann dabei (wie auch bei nicht topfrischer Ware) mal ein Köpfchen abbrechen, aber das passiert sehr selten. Der Vorteil für mich ist, dass bei dieser Bewegungsrichtung die Schalen gleich in den Wassertopf fallen, in dem ich sie zusammen mit den abgeschnittenen Enden zu jener Spargelbrühe auslauge, in der anschließend nach dem Abseihen auch die Stangen gegart werden.

Bei der Effizienz der Schalenentfernung hilft mir die Zangenkonstruktion des auch nach Jahren noch ohne Rostansatz oder Nachlassen der Zangenspannung robusten Westmark-Monopol. Mit dem in der Bauart ähnlichen Schäler mit je einem Messer auf beiden Zangenflanken kommen manche Hobbykochenden im Gegensatz zu mir gut klar, was ich ihnen ein bisschen neide, weil sie damit um einiges schneller arbeiten können. Aber auch mit der Einfach-Version – durch doppelseitigen Messerschliff ebenfalls für Linkshänder geeignet – geht das Spargelschälen flott und sicher von der Hand.

Was langfristig für den Monopol spricht, sind die Ersatzklingen, die es für weniger als zwei Euro im Küchenbedarf nachzukaufen gibt. Nur so schafft man eine Allianz fürs Leben.

Was ist das? Ein preiswerter, sicherer und nachhaltiger Spargelschäler.

Wer braucht das? Jeder, der oft Spargel schält und mit den anderen Bauweisen nicht so gut klarkommt.

Was kostet das? 10 Euro

Lurch 10097 Stangenschäler

Foto: Lurch

Generell müssen Partner für solche Lebensallianzen halbwegs miteinander klarkommen, sonst wird das nix. So wie bei den vertikalen Pendelschälern und mir. Jedes Mal, wenn ich sehe, wie jemand mit diesem Tool flott und sicher eine Kartoffel, eine Möhre oder gar Spargel schält, reibe ich mir die Augen und frage mich, was ich falsch mache. Wann immer ich damit herumeiere, bleibt am Ende schlampig geschältes Gemüse, nicht selten mit ein paar feinen Nagelsplittern versetzt, die ich mir ungewollt bei der Arbeit mit diesen Teilen abhoble.

Der Verzehr von kleinen Hornteilchen – das weiß jeder Fingernagelkauer – ist ebenso gesundheitlich unbedenklich wie bei der Bewirtung von Gästen unverzeihlich. Zur Ehrenrettung dieser Schäler sei gesagt, dass die Probleme mit der Solidität der Konstruktion, die hier ja sehr oft aus Billigplastik besteht, abnehmen.

Der Lurch 10097 (nicht zu verwechseln mit der Fehlkonstruktion von 2012) liegt mit seinem dick gepolsterten Silikongriff sogar in meiner Hand ganz gut und schält einigermaßen ermüdungsfrei auch Spargel und Salatgurken vorbildlich hauchdünn.

Die angebliche »Spülmaschinentauglichkeit« würde ich nicht wörtlich nehmen, denn dadurch wird das Messer rasch stumpf, und es gibt leider keine Ersatzklingen zum Auswechseln. Und dann hilft nach ein paar Monaten auch die nachhaltigste (weil dünnste) Schälstärke dem Planeten nicht weiter.

Was ist das? Ein für die vertikale Bauart außergewöhnlich gut verarbeiteter Schäler.

Wer braucht das? Jeder, der am liebsten mit dieser Konstruktionsweise sein Gemüse schält.

Was kostet das? 10 Euro,

WMF Profi Plus Kartoffelschäler Pendelklinge

Foto: WMF

Nachhaltigkeit bedeutet in der Küche ja auch, sich immer dann noch ein paar Extragedanken zu machen, wenn die Anschaffung eines Teiles ansteht, das man so ähnlich längst in der Schublade oder im Schrank hat. Deshalb benutze ich seit Jahrzehnten nur zwei Schäler, bei denen sich jeweils die Klingen nachkaufen lassen.

Der andere neben den nur für Spargel und Schwarzwurzeln benutzten Monopol ist an meiner Küchengeräteleiste der WMF Profi Plus Pendelschäler. Der löste vor langer Zeit seinen bauähnlichen Vorgänger von Rösle ab, weil der trotz auch hier versprochener Spülmaschinentauglichkeit binnen weniger als 18 Monaten von der scharfen Spül-Lauge so angegriffen war, dass der Schälkopf oben aus dem Griff brach. Diese Sollbruchstelle ist beim WMF komplett aus Edelstahl gefertigt, weswegen trotz Maschinenreinigung inzwischen schon die fünfte Ersatzklinge (ca. 5 Euro inkl. zwei neuer Befestigungsschrauben) im Einsatz ist – alle eineinhalb bis zwei Jahre kommt eine neue dran.

Der Profi Plus ist mit seinem ausgewogenen Gewichtsverhältnis, der sich jedem Schälgut perfekt anpassenden Pendelkonstruktion und den Klingen mit guter Schnitthaltigkeit bei mir täglich im Einsatz und schont auch bei sehr großen Gemüsehaufen die Sehnen der Hand. In meinem Fall der rechten, ein Linkshändermodell gibt es nicht.

Was ist das? Ein robustes und nachhaltiges Arbeitstier für alle Schäl-Fälle.

Wer braucht das? Solche guten Allrounder sollten in jeder Küche zu finden sein.

Was kostet das? 17 Euro