Waffeleisen im Test Wer macht die besten belgischen Waffeln?

Dick, warm und puderzuckrig: Belgische Waffeln können selbst den bittersten Lockdown versüßen. Wir haben fünf Geräte getestet, mit denen man sie selbst backen kann.
Einfach lecker: Frische belgische Waffeln mit Vanilleeis und eingelegten Kirschen

Einfach lecker: Frische belgische Waffeln mit Vanilleeis und eingelegten Kirschen

Foto: Jens Radü / DER SPIEGEL

Folgendes Rezept stand in der damals schon recht vergilbten Gebrauchsanweisung des Rowenta-Waffelautomaten, den meine Mutter immer dann aus dem Resopalschrank holte, wenn Besuch mit Kindern ins Haus stand:

Einfache Waffeln mit Backpulver

125 Gramm Butter (weich)
3 Eier
150 Gramm Zucker

rühren, bis es schaumig wird

250 Gramm Mehl
1 Teelöffel Backpulver
1 Teelöffel Vanillezucker
1 geriebene Zitronenschale

hinzufügen und etwa drei Minuten lang zu einem glatten Teig verarbeiten

Dieses Rezept hat mich durch meine Kindheit begleitet. Mit acht Jahren durfte ich zum ersten Mal allein ans Eisen, seitdem war ich in der Familie der Waffelbeauftragte. Später nahm ich das Rowenta-Eisen mit in die Studenten-WG. Immer wenn dringende Hausarbeiten zu recherchieren, für Prüfungen zu lernen oder der Hausflur zu putzen war, ließ ich sie dampfen. Dann luden wir sonntags ein paar Freunde ein und tranken Rotwein zur Waffel mit Puderzucker. Wie habe ich dieses Ding geliebt!

Doch irgendwann war der alte Waffelautomat nicht mehr richtig sauber zu bekommen, irgendwo blieben immer Teigreste hängen. Und so stellte sich schließlich die Frage: Was wäre ein würdiger Ersatz? Genau das habe ich mit diesem Test herauszufinden versucht.

Diese Geräte habe ich getestet

  • Cloer Brüsseler Waffelautomat

  • Emerio drehbares Waffeleisen

  • Krups Doppelwaffeleisen

  • Domo Designwaffeleisen

  • Aicook Waffeleisen, drehbar

So gehe ich beim Test vor

Belgische Feinbäcker verwenden Hefe und Hagelzucker für ihre Waffeln. Ich bin aber unverbesserlicher Fan des Rowenta-Rezepts und rühre heute ausnahmsweise die doppelte Menge an. Jedes Gerät wird inspiziert, gesäubert und mit mindestens drei Waffeln (die erste wird schließlich nie was) getestet. Meine ganz persönlichen Testkategorien sind die Verarbeitung, die Qualität der Waffeln und wie einfach die Reinigung ist. Denn Teig fließt bei mir immer über, da helfen auch 30 Jahre Erfahrung am Eisen nicht.

Cloer 1445 Brüsseler Waffelautomat

Ja, ich weiß, eindeutig zu viel Teig...

Ja, ich weiß, eindeutig zu viel Teig...

Foto:

Jens Radü / DER SPIEGEL

Für den Anfang packe ich das Eisen von Cloer aus, einem der klassischen Waffelgeräte-Hersteller. Gründer Caspar Cloer prägte im 19. Jahrhundert die Herzform. Viel Geschichte also, allerdings überzeugt das Eisen bei der Verarbeitung nicht wirklich: Der stufenlos von 1 bis 5 verstellbare Regler aus Plastik ist etwas wackelig, das Verstellen wirkt dadurch wenig präzise.

Beim Backen selbst stört das allerdings nicht, die Waffeln lassen sich gut von der Heizplatte lösen. Auch nach mehreren Anläufen gelingt mir keine einheitliche Bräunung. Vielleicht liegt es am Teig, vielleicht aber auch am Eisen. Den Geschmackstest bestehen die Cloer-Waffeln aber: locker und lecker, wenn auch etwas trocken.

Das größte Minus ist die Reinigung. Natürlich hab ich beim ersten Durchgang zu viel Teig auf die Platte gekleckst, prompt quillt er aus allen Ritzen. Der Regler samt Führungsschiene ist verklebt, die Seiten ebenso. Ich wische, was das Zeug hält, was mir das anschließende Kratzen und Scheuern allerdings nicht erspart. Da hätte ich bei der Firmengeschichte von Cloer mehr Teigschussel-Pragmatismus im Produktdesign erwartet.

👍🏻 Leckere Waffeln (wenn auch etwas trocken)
👎 Wackelige Verarbeitung, schwer zu säubern

Emerio WM-110984 drehbares Waffeleisen

Ob das Rotieren was bringt?

Ob das Rotieren was bringt?

Foto: Jens Radü / DER SPIEGEL

Das Rotations-Waffeleisen von Emerio. Wenn Sie sich jetzt fragen, warum ein Waffeleisen überhaupt um 180 Grad gedreht werden soll: Der Teig verteilt sich besser, die Waffel wird fluffiger und nicht so fest, soweit das Versprechen der Rotations-Afficinados.

Ich bin gespannt und öffne die Heizplatten – da bricht direkt ein kleines Plastikteil am Verschluss ab. Nicht funktionsmindernd, aber einen sonderlich guten Eindruck macht das bei der Verarbeitung natürlich nicht. Immerhin ist der Rest in Ordnung: Das Einstellrad klickklickklickt beim Drehen, ein Gefühl wie beim Safe-knacken. Die 180-Grad-Rotation läuft buchstäblich im Handumdrehen, das erhöht den Backspaß schon vor der fertigen Waffel.

Auf die muss ich recht lange warten, länger zumindest als beim Vorgänger, aber dafür lohnt es sich: Die Waffeln werden recht gleichmäßig gebräunt und sind noch lockerer als beim herkömmlichen Klappgerät. Für überlaufenden Teig gibt es eine Auffangschale, die Seitenränder und Heizplatten werden trotzdem schmierig. Scheuern, Kratzen, Sie kennen das.

👍🏻 Sehr lockere Waffeln, gutes Handling von Temperatureinstellung und Rotation
👎 Unbefriedigende Verarbeitung, mühsam zu säubern

Krups Waffeleisen FDK251

Lecker im Doppelpack

Lecker im Doppelpack

Foto: Jens Radü / DER SPIEGEL

Krups, ein Platzhirsch unter den Haushaltsgeräten, 1846 in Solingen gegründet, gehört inzwischen als Marke zum französischen Konzern Groupe SEB. Das Waffeleisen kommt in einem sehr reduziertem Design daher, es gibt keinen Temperaturregler, bloß einen An/Aus-Schalter und zwei Lämpchen in Grün und Rot.

Klar, man kann über die Backzeit steuern, aber reicht das? Ja, stelle ich schon nach der ersten Waffel fest, die perfekt gebräunt aus dem Eisen kommt: außen leicht knusprig, innen leicht und zart. Da braucht man eigentlich kein Topping mehr – wobei Puderzucker, Kirschen und Vanilleeis natürlich nie verkehrt sind.

Durchdacht: Zu den Funktionsschaltern hin wölbt sich vor den Heizplatten ein kleiner Schutzwall, der verhindert, dass überlaufender Teig auf die Bedienelemente tropft. Entsprechend leicht ist das Krups-Gerät zu säubern.

👍🏻 Sehr gute Waffeln, reduziertes und praktisches Design, sehr leicht zu säubern
👎 Kein Temperaturregler

DOMO DO9047W

Eckig und grau, aber die Waffeln sind gut

Eckig und grau, aber die Waffeln sind gut

Foto: Jens Radü / DER SPIEGEL

"Design-Waffeleisen", wirbt Domo für das folgende Gerät. Nun ja, es ist eckig und grau, der Griff wirkt wie aufgepflanzt, meinen Geschmack trifft es nicht wirklich. Aber bei einem Waffeleisen kommt es ja vor allem auf einen anderen Geschmacksbegriff an. Immerhin, klein und platzsparend ist das Modell von Domo, gerade im Gegensatz zu den Rotations-Konkurrenten.

Der Deckel hängt etwas wackelig im Scharnier und direkt nach dem Auspacken entdecke ich kleine Lackschäden. Dafür macht das Einstellrad für den Bräunungsgrad wieder ein schönes klickklickklick.

Aber wie gut werden die Waffeln? Eine eher gescheckte Variante diesmal, was dem Geschmack aber nicht schadet. Solide, wenn auch nicht außergewöhnlich luftig, eher etwas fest.

Die Säuberung gestaltet sich – trotz oder gerade wegen des angepriesenen "trendy & compact"-Designs wiederum schmierig und dauert länger als die drei Waffelback-Durchgänge.

👍🏻 Gute Waffeln
👎 Keine makellose Verarbeitung, Säuberung umständlich

Aicook Waffeleisen Belgisch Drehbar

Noch ein Rotations-Kandidat

Noch ein Rotations-Kandidat

Foto: Jens Radü / DER SPIEGEL

Dieses Rotations-Waffeleisen stammt von der chinesischen Firma Aicook. Die Dachmarke ist auf Tablets und Smartphones spezialisiert, seit 2014 sind aber auch Küchenmaschinen, von der Kaffeemaschine bis zum Entsafter, im Angebot.

Die Verarbeitung ist in Ordnung, immerhin ist nichts abgebrochen. Die Heizplatten sind mit Edelstahl verkleidet, lediglich der Griff hat für meinen Geschmack etwas zu viel Spiel. Ob der 1000 Rotationen aushält?

In meinem Test habe ich allerdings nichts zu beanstanden. Die Waffeln werden gut und wieder deutlich luftiger als in einem Klappgerät, die Rotation bringt also tatsächlich was. Allerdings läuft auch hier der überschüssige Teig aus. Die Tropfschale fängt das meiste auf, aber auch dieser Waffeldurchgang endet mit Schrubben und Kratzen.

👍🏻 Luftige Waffeln, Verarbeitung in Ordnung
👎 Vergleichsweise teuer

Mein Fazit:

Klar, gegen meine historische Rowenta hatten es die fünf Geräte schwer: Nichts schmeckt so gut wie Erinnerung. Aber nach 40 Waffeln habe ich einen klaren Favoriten, den Krups-Waffelautomaten. Er hat nahezu perfekte Waffeln geliefert, ist angenehm reduziert gestaltet und die Verarbeitung macht den Eindruck, als könnte ich das Gerät mal meinem Ältesten mit in die Studenten-WG geben. Vielleicht lädt er mich dann ja ein, sonntagnachmittags, auf eine Waffel. Mit Rotwein.

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