Rezeptbücher für die Festtage Reader der Tafelrunde

Wenn Heiligabend mal etwas anderes als die üblichen Braten auf den Tisch kommen darf: Wir haben Rezeptsammlungen herausgesucht, die manche kulinarische Weihnachtsüberraschung mitbringen.
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Würstchen mit Kartoffelsalat, Gans, Raclette, Schweinebraten, Fondue, Karpfen oder Reh – nach sieben Weihnachtsfesten ist die Liste der beliebtesten Heiligabendgerichte der Deutschen durchgegessen. Und dann? Wieder von vorn anfangen? Oder mal ein bisschen Fortschritt wagen in der Küche und etwas Neues ausprobieren?

Dabei helfen vier neue Kochbücher, die trotz des brutalen Papiermangels in den Druckereien noch rechtzeitig zu Weihnachten lieferbar sind. Feine Schlemmereien für die heimische Tafelrunde mit Familie und anderen Lieblingsmenschen.

Joanna Gaines: »Magnolia Table: Rezepte für gesellige Runden | Teil 2«

Mit ihrer Renovierungsshow »Fixxer Upper« sind Joanna Gaines und ihr Mann Chip in den USA zu TV-Helden geworden. Auch ihr Kochbuch »Magnolia Table« mit Gerichten aus ihrem Restaurant-Café in Waco, Texas, hielt sich lange in den einschlägigen Hitlisten. Dessen Fortsetzung vereint wieder moderne, einfach zu realisierende und allseits kompatible Speisen-Anleitungen. Mit denen können auch ansonsten nicht sonderlich Küchen-affine Weihnachtsgastgeber an der gemeinsamen Tafel eine gute Figur machen.

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Privat

Der zwischen Hamburg und Palma de Mallorca pendelnde Foodjournalist Peter Wagner kocht länger, als er für Geld schreibt. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich auch hauptberuflich mit Kochen, Essen, Reisen und Genießen und hat längst den Gegenwert eines Mittelklassewagens in der Gastronomie verzecht. Peter Wagner veröffentlicht Ernährungssachbücher und Kochbücher, aktuell ist sein Buch »Esst mehr Vleisch!«  im Handel – eines der ersten Kochbücher zum Thema Fleischalternativen für Flexitarier und angehende Vegetarier.

Schön: Viele der Rezepte lassen sich fast komplett schon am Nachmittag für den geselligen Abend vorbereiten. Man muss also nicht allzu lange in der Küche herumwerkeln, während die Gäste den guten Wein wegtrinken.

Das Christmas-Dinner à la Gaines könnte mit einer kleinen Vorspeise beginnen wie zum Beispiel Brie im Blätterteig, überbackene Minikartöffelchen, viererlei Käsekugeln. Oder, für die ganz Unerschrockenen, ofengebackene Knoblauchknollen (eine Knolle pro Gast!), deren weichgeschmorten Inhalt man sich auf eine Scheibe Schwarzbrot schmieren kann.

Damit am Ende noch ein Dessert reinpasst (Tipp: Peach-Cobbler – überbackener Tiefkühlpfirsich mit einer Kugel Eis), sind auch Joannas Hauptgericht-Vorschläge keine Magenbeschwerer. Auf den Magnolia Table kommen Dutzende leichte und zugleich feine Rezepte mit Huhn, vom Pollo alla Parmigiana bis zum Hähnchenfleisch-Auflauf mit Pekanüssen und grünem Spargel. Außerdem eine schnelle Pfannenpizza, eine perfekt für Heiligabend vorbereitbare Schmortopf-Lasagne oder ein seelenwärmendes Meeresfrüchte-Gumbo. Ein Buch für alle geselligen Fälle, besonders an den Festtagen.

Jamie Oliver: »Together«

Das in diesem Winter meistverkaufte (und zu Weihnachten meistgeschenkte) Tafelrunden-Kochbuch ist das neue Werk des britischen Erfolgsgaranten Jamie Oliver. Garant in doppelter Hinsicht: Olivers Bücher bescheren ihm und seinem Verlag nahezu automatisch drastisch erhöhte Kontostände, aber auch unzähligen Nachkochenden gelungene Essenseinladungen mit gleichermaßen zufriedenen wie gesättigten Gästen.

»Together« ist als Titel perfekt gewählt, denn die mehr als 120 Kochanleitungen sind nicht nur für zwei bis 14 Portionen rezeptiert, sondern weitgehend auch recht einfach nach oben und unten skalierbar. Äußerst hilfreich ist dabei die Kapitelaufteilung in zehn alltagstypische Szenarien wie Brunch-Party, Picknick, Curry-Abend, Taco-Party oder – besonders interessant für die Festtage: genüsslich Schwelgen, Festtagsbraten und fröhliches Familienessen.

Letzteres mit Knoblauch-Zupfbrot zum Start, knusprigem Pesto-Hähnchen mit rotem Creme-Reis und als Nachtisch »Essex Eton Mess« – eine krasse Baiser-Beeren-Bombe für die Tischmitte.

Wie immer bei Oliver ist auch hier für Angeberköche nichts zu holen. Alle Rezepte sind ohne vertieftes Spezialwissen realisierbar, vieles einfach vorbereitbar, und meist trifft man mit den Speisen den zeitgemäßen Mehrheitsgeschmack. Wenn man dann noch für die Fleischablehner am Feiertisch ein paar Alternativen aus anderen Quellen (»Together« ist weitgehend veggie/vegan-frei) zusammenklaubt, steht der perfekten Ernährungsparadigma-Ökumene nichts mehr im Wege.

Annemarie Wildeisen: »Gemeinsam am Tisch: Familie und Freunde vegetarisch verwöhnen«

Eine der besten Inspirationsquellen für Fleisch/Fisch-freie Feiertagsrezepte, ist das aktuelle Werk der erfolgreichsten Kochbuchautorin der Schweiz. Annemarie Wildeisen kompiliert zwischen den Buchdeckeln an die 130 modular aufgebaute Rezepte, die sich kreativ zu kleinen oder großen Gelagen kombinieren lassen.

Bemaßungen und Bezeichnungen entsprechen durchgängig deutschen Standards, niemand muss also Austria-typische Deziliter umrechnen oder Melanzani als Auberginen nachschlagen.

Wie ein roter Faden zieht sich durch die Anleitungen eine traumhafte Gelingsicherheit, häufig gepaart mit ein paar kleinen Kniffen und Tricks. Das katapultiert Wildeisen-Gerichte zwar nicht in Sterne-Höhen, sorgt aber in den meisten gemischten Genussrunden für die eine oder andere zustimmend hochgezogene Augenbraue.

Die Autorin, von der man sich im nächsten Buch ein paar weniger ganzseitige schwarz-weiße »Mood«-Porträts und stattdessen lieber eine profunde Warenkunde wünschen könnte, benötigt für ihre ausgesprochen farbenfrohen und appetitanregend fotografierten Speisen keinerlei Fleisch- oder Fischersatzprodukte. Dadurch spricht dieses Werk eher erfahrene Veggies an, die das Interesse an der Wurst- oder Schnitzel-Substitution längst verloren haben. Selbst eingefleischte Omnivoren an der Festtagstafel werden die aromabetonten und durchweg hohen Gaumengenuss versprechenden Wildeisen-Leckereien zu schätzen wissen.

Jennifer & Arnaud Favre: »Haute Raclette«

Zum Schluss ein heißer Tipp für noch heißere Käsefreuden: Wer keine Lust auf langes Grübeln über neue Weihnachtsrezepte hat und lieber das sonst ganzjährig im Kellerregal darbende Raclette-Set hervorkramt, bekommt endlich Hilfe: In Lausanne, also mitten im Herzland der Schweizer Käseschmelzerszene, entstand das erste monothematische Buch zu diesem Thema, das keine Fragen unbeantwortet lässt.

Damit wird der Untertitel des Buches Wirklichkeit: »52 Rezepte zum Dahinschmelzen«. Es zeigt neben gut recherchierter Warenkunde zu Käse, Kartoffelsorten und Beilagen vor allem wertvolle Tipps zu den beiden grundverschiedenen Strategien, Käse kulinarisch in Szene zu setzen.

Im Südschweizer Original wird ein halbierter Käselaib mit einer Aufhängung vor eine Heizquelle – urig am Holzfeuer oder auf dem Tisch mit Gas respektive Strom betrieben – gehalten und der schmelzende Käse mit einem Spatel auf die Teller gestrichen. Doch auch das im Rest der Welt weitaus häufiger genutzte Verfahren der kleinen Pfännchen, die unter einen Raclette-Elektrogrill geschoben werden, findet in diesem Buch einen bunten Strauß an Zutaten-Ideen.

Dass diese Zubereitungsart kulinarisch viel Luft nach oben hat, zeigen die Rezepte des Schweizer Sternekochs Pierre Crepaud, der die Käse-Kartoffelmischung auf Teller oder Pfännchen mit Feinstkost wie Trüffel, Colonnataspeck und diversen Pestos adelt. Sogar eine japanische Variante mit Wasabi und Ingwer ist rezeptiert – so viel Globalität muss dann auch in der kleinen Schweiz sein.

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