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FLUGHÄFEN 009 gestrichen

Der Kommerzsender Radio Schleswig-Holstein meldet die Verspätungen auf dem Hamburger Flughafen. Die dort vertretenen Fluggesellschaften protestieren.
aus DER SPIEGEL 3/1989

Oft schon hatte sich Hermann Stümpert »wahnsinnig geärgert«, wenn er vom Hamburger Flughafen aus in die Ferne fliegen wollte. Er war »mitten in der Nacht« aufgestanden und von seinem Wohnort Kiel 100 Kilometer »durch Staus und schlechtes Wetter« nach Hamburg gehetzt. Am Flughafen erfuhr er dann, daß sein Flug verspätet oder gar gestrichen war.

»Was glauben Sie«, so Stümpert, »was für ein Gefühl das ist?«

Der »angesammelte Frust« brachte Stümpert, in Kiel Programmdirektor des Kommerzsenders Radio Schleswig-Holstein (RSH), auf eine Idee. Seit September vergangenen Jahres läßt der Rundfunkmann fünfmal an jedem Werktag auf der RSH-Frequenz einen Airport-Report ausstrahlen.

Die Hörer erfahren, welche Flüge Verspätung haben oder gestrichen sind. Und sie bekommen zu hören, auf welchen Anfahrtstraßen sich der Verkehr staut und welche Parkplätze am Flughafen noch frei sind.

Die Informationen für den Airport-Report sind nicht schwer zu beschaffen. Mehrmals täglich, das erste Mal morgens kurz nach sechs, fährt der Hamburger Reporter Alexander von Humboldt mit seinem weißen RSH-Dienstwagen zum Flughafen. Er geht in die Abflughalle und studiert die Anzeigetafel, auf der sämtliche Verspätungen und Streichungen vermerkt sind. Minuten später ruft er von der nächsten Telephonzelle aus seinen Sender an und berichtet live über die Verkehrslage am Himmel und am Boden.

Bei den Hörern von RSH kommt der Service sehr gut an. »Manchmal«, schrieb ein Hamburger Hörer, »konnten wir durch die Meldung schon von zu Hause oder vom Geschäft aus Kunden und Partner auf das späte Eintreffen der Maschinen hinweisen.« Ein anderer teilte mit: »Als Vielflieger darf ich Sie höflich bitten, diese Informationen weiterhin zu bringen.«

Die Fluggesellschaften allerdings sind von dem Service gar nicht begeistert. »Die Sendung«, beschwerte sich ein Sprecher der am Hamburger Flughafen vertretenen Unternehmen, habe »kaum einen nennenswerten Nutzen«. Bündig forderte der Mann den Kommerzsender auf, »Meldungen der beanstandeten Art« zu streichen, »um größeren Schaden für die Zukunft zu vermeiden«.

Schaden wähnen die Fluggesellschaften bei ihrem Geschäft. Der Airport-Report führt einem breiten Publikum tagtäglich vor, daß die Reise durch die Luft mit vielerlei Beschwernissen verbunden sein kann. Das, so die Mutmaßung, animiert nicht gerade zum Ticketkauf.

Allein von Anfang Dezember bis Weihnachten verbreitete RSH mehr als 60mal, daß ein Start verspätet oder gestrichen war. Dazu kamen über 50 Verspätungen bei landenden Maschinen.

Am häufigsten findet die Lufthansa Erwähnung, sie hat schließlich mit etwa 80 Starts täglich und ebenso vielen Landungen die meisten Flugbewegungen in Hamburg. An zweiter Stelle folgte die Pan Am. Allein die Maschine aus Miami traf im Dezember fünfmal mit mehr als 60 Minuten Verspätung ein.

Auch Flugstreichungen kamen recht häufig vor. Die Lufthansa ließ in 24 Tagen insgesamt neun Flüge ausfallen. Die kleine Regionalgesellschaft Hamburg Airlines, ein Unternehmen des norddeutschen Steakhaus-Betreibers Eugen Block, strich Flüge nach Amsterdam, Göteborg und Westerland.

Rundfunkmann Stümpert will weitermachen, mit Meldungen wie beispielsweise der von Viertel vor sieben am Dienstag vergangener Woche: Alitalia-Flug 1485 nach Mailand gestrichen. Lufthansa-Flug 009 nach Frankfurt gestrichen. Lufthansa-Flug 351 aus Stuttgart gestrichen.

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