114 tote Kinder US-Pharmafirmen nehmen Erkältungsmittel vom Markt

Pharma-Skandal in den USA: Aus Angst vor Gesundheitsschäden sind die wichtigsten Erkältungsmittel aus den Regalen verschwunden. Laut "New York Times" starben in den vergangenen 40 Jahren mindestens 114 Kinder.


Washington - Insgesamt wurden in den Vereinigten Staaten 14 führende Husten- und Schnupfenmittel zurückgerufen. Das gab die von der Pharmaindustrie betriebene Gesellschaft für Verbrauchergesundheit in Washington bekannt. Nach einer Überdosierung bestehe die Gefahr von Gesundheitsschäden.

Zugleich betonte die Gesellschaft, dass die Mittel eigentlich sicher seien. Nur bei einer Überdosis könnten Probleme auftreten. Betroffen sind rezeptfreie Mittel, die geschluckt werden müssen. Nach einem Bericht der "New York Times" starben bisher mehr als hundert Kinder an den Erkältungsmedikamenten.

"Die Kinder-Arzneimittel sind sicher und wirksam, wenn sie richtig eingesetzt werden", erklärte die Gesellschaft. Allerdings habe es einige Fälle von Überdosierung gegeben, vor allem bei Kindern unter zwei Jahren. Deshalb habe sich die Pharmaindustrie zu dem Rückruf entschlossen. "Kinder unter zwei Jahre sind am anfälligsten für die Konsequenzen aus der falschen Anwendung."

Die Pharmaindustrie habe der US-Behörde für Medikamentensicherheit (FDA) empfohlen, Warnhinweise auf den betroffenen Medikamenten anzubringen, damit diese nicht Kindern unter zwei Jahren verabreicht werden. Die FDA will in der kommenden Woche über die Sicherheit der Mittel beraten.

Nach Angaben der "New York Times" haben Experten der Behörde im Vorfeld empfohlen, die Medikamente für Kinder unter sechs Jahren ganz zu verbieten. Der Zeitung zufolge starben nach offiziellen Daten zwischen 1969 und 2006 mindestens 114 Kinder nach der Einnahme von Hustenmitteln. Die meisten von ihnen hatten von ihren Eltern aus Versehen zu viel Arznei verabreicht bekommen. Die von dem Rückruf betroffenen Mittel wurden bisher von Millionen Kindern genommen.

wal/AFP

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