134 Millionen Euro Nokia soll in Bochum fette Gewinne eingefahren haben

Diese Zahl bringt Nokia in Bedrängnis: Dem Wirtschaftsmagazin "Capital" zufolge macht der Handyhersteller in seinem Bochumer Werk 134 Millionen Euro Gewinn - pro Mitarbeiter sind das 90.000 Euro. Ist die Verlagerung nach Rumänien wirklich rentabel?

Bochum/Köln - Werksschließung trotz hoher Gewinne - diese Nachricht dürfte Nokia überhaupt nicht passen. Nach Informationen des Wirtschaftsmagazins "Capital" hat der finnische Konzern mit der Handy- Produktion im Werk Bochum 2007 ein Betriebsergebnis vor Zinsen von 134 Millionen Euro erzielt. Damit erwirtschaftete jeder der 1500 Mitarbeiter in der Produktion einen Gewinn von 90.000 Euro, berichtet das Magazin unter Berufung auf vertrauliche Dokumente. Insgesamt schaffte die deutsche Nokia GmbH mit den Standorten Bochum, Ulm, Düsseldorf, München und Frankfurt sogar ein Betriebsergebnis nach Zinsen von 246 Millionen Euro.

Nokia wies die Angaben als "irreführend" zurück. Die Zahlen gäben nicht die "Profitabilität unter Marktgesichtspunkten wieder", sagte Unternehmenssprecherin Arja Suominen in Helsinki. In der Rechnung würde Kosten unterschlagen - in welcher Höhe, sagte sie nicht. Sofern die von "Capital" verbreiteten Gewinnzahlen für Bochum wirklich aus dem Geschäftsbericht der deutschen Nokia GmbH stammen sollten, gehe es dabei "nur um die Gewinnberechnung für steuerliche Zwecke".

Dass der Standort Bochum profitabel ist, war schon bisher bekannt. Nur über die genaue Höhe des Gewinns wurde gerätselt. Mit den nun bekannt gewordenen Zahlen dürfte der Erklärungsdruck für Nokia noch stärker werden. Das Unternehmen will die Produktion von Bochum nach Rumänien und Ungarn verlagern, mehr als 2000 Arbeitsplätze sind in Deutschland in Gefahr.

"Capital" schreibt außerdem, dass der vom Land Nordrhein-Westfalen subventionierte Standort Bochum "eine gewaltige Summe auf der hohen Kante" habe. Das Geld sorge für ein Zinsergebnis, das sich in der Bilanz der Nokia GmbH mit plus 70 Millionen Euro niederschlage.

Eine weitere Angabe stützt ebenfalls die Position des Betriebsrats, der sich für den Erhalt des Werks einsetzt. Demnach hat die Bochumer Werksleitung ein Konzept entwickelt, um das Werk so lukrativ und effizient zu machen wie eine Nokia-Fabrik in Ungarn - und das, obwohl in Deutschland je Arbeitsstunde rund 28,70 Euro anfallen, in Ungarn hingegen nur 6,90 Euro. Um das zu erreichen, sei in Bochum lediglich eine Investition von 14 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2008 nötig.

Laut "Capital" nennt Nokia diese Zahlen in einem zehnseitigen internen "Memorandum" über die "Betriebliche Restrukturierung der Nokia GmbH". Das Vorhaben ist auch in einem Betriebsratsprotokoll von Juli 2007 vermerkt. Der Betriebsrat selbst argumentiert ähnlich: Seiner Ansicht nach lassen sich die Kostenvorteile in Osteuropa durch andere Faktoren in Bochum mehr als kompensieren. Mit anderen Worten: Der Umzug wäre nicht rentabel.

Um die ursprünglich geplante Werksoptimierung vorzubereiten, fuhren die Manager laut "Capital" in Bochum die Investitionen im zweiten Halbjahr 2007 schon von 5,5 auf 3,3 Millionen Euro zurück. Dann seien sie plötzlich vom geplanten Kahlschlag informiert worden. Zuvor habe die Belegschaft mit Hilfe von Überstunden und Wochenendarbeit die Produktion kräftig erhöht: Statt der ursprünglich geplanten 16,3 Millionen Geräte seien von Juli bis Dezember 18,7 Millionen Handys produziert worden.

wal/dpa/ddp

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