Inflation auf 28-Jahres-Hoch Energie und Nahrungsmittel treiben die Preise

Die Preise sind im August so stark gestiegen wie seit 28 Jahren nicht mehr. Zu den Preistreibern gehören neben Benzin und Diesel vor allem Nahrungsmittel.
Frischetheke im Supermarkt: Höhere Inflationsrate zuletzt im Dezember 1993

Frischetheke im Supermarkt: Höhere Inflationsrate zuletzt im Dezember 1993

Foto: Jan Woitas / picture alliance / dpa

Die Inflation in Deutschland ist wegen steigender Benzin- und Nahrungsmittelpreise so stark wie seit fast 28 Jahren nicht mehr. Waren und Dienstleistungen verteuerten sich im August um durchschnittlich 3,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt am Freitag eine frühere Schätzung bestätigte. »Eine höhere Inflationsrate gab es zuletzt im Dezember 1993 mit plus 4,3 Prozent«, hieß es. Im Juli hatte sie noch bei 3,8 Prozent gelegen.

Ein großer Preistreiber war einmal mehr Energie. Sie kostete 12,6 Prozent mehr als im August 2020. Merklich teurer wurden Heizöl (plus 57,3 Prozent) und Kraftstoffe (plus 26,7 Prozent). Auch für Erdgas (plus 4,9 Prozent) und Strom (plus 1,7 Prozent) wurde mehr verlangt. Die Preise für Nahrungsmittel zogen um 4,6 Prozent an. Gemüse verteuerte sich um 9,0 Prozent, Molkereiprodukte und Eier um 5,0 Prozent. Auch Gebrauchsgüter wie Fahrzeuge (plus 5,5 Prozent) oder Möbel und Leuchten (plus 4,0 Prozent) kosteten deutlich mehr.

In den kommenden Monaten dürfte die Inflationsrate Richtung vier bis fünf Prozent anziehen und erst 2022 wieder merklich nachgeben, schätzen Experten. Ein Grund dafür ist ein sogenannter Basiseffekt, der auf die coronabedingte Senkung der Mehrwertsteuersätze im Juli 2020 zurückzuführen ist. »Insbesondere die temporäre Senkung der Mehrwertsteuersätze und der Preisverfall der Mineralölprodukte in 2020 wirken sich im Vorjahresvergleich noch bis zum Jahresende 2021 erhöhend auf die Gesamtteuerung aus«, sagte Christoph-Martin Mai vom Statistikamt. Hinzu kommt noch die zu Jahresbeginn eingeführte CO2-Abgabe.

Die Bundesregierung hatte die Mehrwertsteuer in der zweiten Jahreshälfte 2020 im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie von 19 auf 16 Prozent beziehungsweise von sieben auf fünf Prozent gesenkt, was viele Waren und Dienstleistungen günstiger machte. Jetzt kehrt sich dieser Effekt um.

mik/Reuters
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