Vertrag mit Pharmakonzern 300 Millionen Corona-Impfdosen für die EU gesichert

Eine europäische Impfallianz hat mit der Pharmafirma AstraZeneca einen Vertrag über 300 Millionen Impfdosen abgeschlossen. Gegen Ende des Jahres könnten diese verfügbar sein - theoretisch.
Weltweit wird an Corona-Impfstoffen geforscht - wie hier in Chula Vaccine Research Center in Bangkok, Thailand

Weltweit wird an Corona-Impfstoffen geforscht - wie hier in Chula Vaccine Research Center in Bangkok, Thailand

Foto: DIEGO AZUBEL/EPA-EFE/Shutterstock

Deutschland, Frankreich, Italien und die Niederlande haben einen ersten Vertrag über 300 Millionen Impfdosen gegen das Coronavirus geschlossen. Das teilte das Bundesgesundheitsministerium am Samstag in Berlin mit.

Sobald der Impfstoff einsatzbereit sei, solle der Konzern AstraZeneca 300 Millionen Dosen davon liefern, teilte das Bundesgesundheitsministerium am Samstag mit. Der Pharmakonzern nannte sogar eine Größenordnung von "bis zu 400 Millionen Dosen". 

Die Entwicklung des Impfstoffs könnte bis Jahresende erfolgreich abgeschlossen sein. Profitieren sollen alle EU-Staaten, die dabei sein wollen. Die Impfdosen würden relativ zur Bevölkerungsgröße aufgeteilt.

Dabei geht es nach Angaben des Konzerns um den an der Universität Oxford entwickelten Covid-19-Impfstoff AZD1222, der derzeit in einer großen Studie geprüft wird. Laut dem italienischen Gesundheitsminister Roberto Speranza ist der Versuchsprozess in einem "fortgeschrittenen Stadium" und werde im Herbst abgeschlossen. Dann könne bis Ende des Jahres mit der Verteilung der ersten Tranche begonnen werden. "Der Impfstoff ist die einzige endgültige Lösung für Covid-19", erklärte Speranza am Samstag auf Facebook.

AstraZeneca hatte nach eigenen Angaben vor Kurzem schon ähnliche Vereinbarungen unter anderem mit Großbritannien und den USA abgeschlossen.

Impfallianz soll Zugang zu Impfstoffen für alle EU-Bürger sichern

"Viele Länder der Welt haben sich schon Impfstoffe gesichert, Europa noch nicht", erklärte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). "Durch das zügige koordinierte Agieren einer Gruppe von Mitgliedsstaaten entsteht in dieser Krise Mehrwert für alle EU-Bürger. Wir wollen gemeinsam mit der Kommission künftig noch schneller und verhandlungsstärker werden."

Die vier Staaten haben sich nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums zu einer Impfallianz zusammengeschlossen und sind mit mehreren Unternehmen im Gespräch, die an aussichtsreichen Impfstoffen forschen. "Damit Impfstoffe sehr zügig nach einer möglichen Zulassung in diesem oder im nächsten Jahr in großer Zahl verfügbar sind, müssen Produktionskapazitäten schon jetzt vertraglich gesichert werden", hieß es weiter. Bei der Videokonferenz der EU-Gesundheitsminister am Freitag sei zudem vereinbart worden, die Aktivitäten der Impfallianz mit denen der EU-Kommission zusammenzuführen.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt es weltweit schon mehr als 100 Projekte zur Entwicklung eines Corona-Impfstoffs. Nach Angaben des Verbands forschender Pharma-Unternehmen (vfa) gab es weltweit im Mai mehr als 120 Impfstoffprojekte, von kleinen Firmen wie Biontech aus Mainz oder Curevac in Tübingen bis zu Konzernen wie Sanofi und GlaxoSmithKline. Möglicherweise könnten viele Anbieter gleichzeitig oder kurz hintereinander Impfstoffe auf den Markt bringen, sagte vfa-Präsident Han Steutel damals.

Doch wann tatsächlich ein Corona-Impfstoff zugelassen wird, weiß derzeit niemand. Noch vor wenigen Jahren wurde für die Entwicklung solcher Vakzinen ein Zeitraum von 15 bis 20 Jahren veranschlagt. Neue Technologien können den Prozess zwar beschleunigen, doch nach wie vor muss - neben der Wirksamkeit - auch die Sicherheit eines Wirkstoffs in klinischen Studien bestätigt werden.

caw/afp/dpa
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