50 Jahre Bundesbank Eine deutsche Erfolgsgeschichte

Am Mittwoch feiert die Deutsche Bundesbank ihr 50-jähriges Jubiläum. Die Währungshüter blicken auf eine Erfolgsgeschichte zurück – dabei hatte die Regierung Adenauer vor der Gründung zunächst massive Verstimmungen zwischen den Alliierten glätten müssen.

Frankfurt am Main – In wenig Spott konnte sich Jacques Delors schon 1992 nicht verkneifen. "Nicht alle Deutschen glauben an Gott, aber alle glauben an die Bundesbank", sagte der frühere Präsident der Europäischen Kommission in seiner Gratulationsadresse an die Deutsche Bundesbank. Doch abgesehen von der Spitze bleibt uneingeschränktes Lob für die Bundesbank. Die Behörde hat sich weltweit ein Ansehen erarbeitet, wie kaum eine andere. Ihrer Politik ist es zu verdanken, dass sich die D-Mark einst zu einer der stabilsten und renommiertesten Währungen der Welt entwickeln konnte.

Entscheidend für den großen Erfolg der D-Mark sei gewesen, dass der Preisstabilität eindeutig der Vorrang vor Zielen der Wirtschaftspolitik wie der Stabilisierung der Konjunktur oder der Wechselkurse eingeräumt wurde. So sieht es die Bundesbank rückblickend selbst.

Die D-Mark verlor zwischen 1948 und 1998 im Jahresdurchschnitt 2,8 Prozent ihrer Kaufkraft und damit deutlich weniger als die Währungen der meisten anderen Industrieländer. Im 1979 errichteten Europäischen Währungssystem wurde die D-Mark zur Ankerwährung. Um Abwertungen ihrer eigenen Währungen zu vermeiden, versuchten die Partnerländer zunehmend, die Inflationsunterschiede zur D-Mark zu verringern.

Dabei verlief der Start keineswegs reibungslos. Speziell der Standort der Bank hatte zwischenzeitlich zu erheblichen diplomatischen Verwicklungen geführt. Bundeskanzler Konrad Adenauer hatte sich bis zuletzt für Köln eingesetzt, die britische Militärverwaltung wollte die Bundesbank dagegen in ihrer Zone ansiedeln und sammelte Argumente für Hamburg und gegen Frankfurt. Für diesen Standort hatten sich nämlich die Amerikaner ausgesprochen.

Die Briten sahen Frankfurt als Bankenzentrum von "gegenwärtig von nur lokaler Bedeutung" an. Für Frankfurt sprach allerdings, dass schon die Vorgängerinstitution der Bundesbank, die 1948 entstandene Bank deutscher Länder, ihren Sitz am Main hatte. Letztlich setzte sich die amerikanische gegen die britische Besatzungsmacht durch. Am 1. August 1957 nahm die Bundesbank ihre Arbeit auf.

Damit begann auch Frankfurts Aufstieg zum deutschen Finanzzentrum. Die Deutsche und die Dresdner Bank hatten ihren Hauptsitz schon im Mai 1957 an den Main verlegt. Heute haben 225 Banken aus aller Welt eine Niederlassung in Frankfurt, davon stammen 154 aus dem Ausland.

Nach der Einführung des Euro rückten die deutschen Währungshüter hinter die Europäische Zentralbank (EZB) ins zweite Glied. Nicht zuletzt damit ist auch der drastische Arbeitsplatzabbau verbunden, den die Behörde in den letzten Jahren verkraften musste. 1990, zum Zeitpunkt der deutsch-deutschen Währungsunion beschäftigte die Bundesbank annähernd 17.000 Mitarbeiter. Ende 2007 werden es noch 10.500, bis 2012 nur noch 9000 sein.

Für den Rückgang der Arbeitsplätze ist vor allem die Tätigkeit der EZB verantwortlich. Mit der Einführung des Euro hat die Bundesbank an Bedeutung verloren, auch wenn sie das selbst nicht gerne einräumt. "Als überzeugter Europäer bin ich darüber nicht traurig. Wir sind jetzt Teil eines größeren Systems, in dem wir mit 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts eine wichtige Rolle spielen", sagt Vorstandsmitglied Hans Reckers.

Allerdings droht der Bundesbank ein weiterer Verantwortungsverlust. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) liegt derzeit der Entwurf für ein "Gesetz zur Modernisierung der Aufsichtsstruktur" vor. Danach soll künftig nicht mehr die Bundesbank, sondern das Ministerium die Aufsicht über die Bankenkontrolle haben. "Ich halte diese Bestrebung für sehr bedenklich und wegen der Unabhängigkeit der Bundesbank rechtlich nicht verantwortbar. Wir hoffen, dass aus diesem Referentenentwurf kein Gesetzentwurf wird", sagt Reckers.

Doch zunächst wollen die Währungshüter ihr rundes Jubiläum gebührend feiern. Am 17. August wird Steinbrück eine Gedenkmünze und eine Sonderbriefmarke zu einem halben Jahrhundert Bundesbank vorstellen. Am 20. September steht dann ein Festakt in Frankfurt an, zu dem auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwartet wird.

Oliver Teutsch, ddp

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