5600 Jobs weg Bayern pumpt 10 Milliarden Euro in Landesbank

Job-Kahlschlag gegen die Krise: Die BayernLB will mehr als ein Viertel ihrer gesamten Belegschaft entlassen - und zahlreiche Filialen im Ausland schließen. Das verlustreiche Investmentbanking gibt das Institut ganz auf. Die Zehn-Milliarden-Euro-Kapitalhilfe übernimmt Bayern komplett.

München - Drastische Einschnitte bei der BayernLB: Von den weltweit rund 19.200 Stellen werden 5600 gestrichen, bestätigte die Bank am Montagvormittag. Zuvor hatten Insider dies bereits berichtet. Der Stellenabbau, der sich über die kommenden fünf Jahre bis 2013 erstrecken werde, sei unvermeidbar, hieß es. Er solle fair und transparent umgesetzt werden. In der Kernbank seien rund 1000 Arbeitsplätze betroffen.

BayernLB-Zentrale in München: Hohe Belastungen durch die Finanzkrise

BayernLB-Zentrale in München: Hohe Belastungen durch die Finanzkrise

Foto: DDP

Der Freistaat Bayern will die angeschlagene BayernLB zudem im Alleingang mit zehn Milliarden Euro unterstützen. Diese Summe werde Bayern ohne die Beteiligung des Bundes aufbringen, sagte Bayerns Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) am Montag in München. Der Bund gewährt damit nur die Garantien in Höhe von 15 Milliarden Euro. Dies sei die "einfachere und praktikablere Lösung", sagte Bayerns Finanzminister Georg Fahrenschon zur Begründung.

Auch strategisch will sich das Institut neu ausrichten. Künftig ruhe das Geschäftsmodell auf den Säulen Mittelstand, Großkunden, gewerbliches Immobiliengeschäft und Privatkunden, hieß es. Weiter im Mittelpunkt stehen soll die Zusammenarbeit mit den Sparkassen, die ihren Anteil an der Bank im Zuge des Umbaus deutlich reduzieren. Das umstrittene Investmentbanking, das der BayernLB während der Finanzkrise massive Belastungen beschert hatte, soll aufgegeben werden.

Außerdem werden zahlreiche Niederlassungen im Ausland geschlossen oder zumindest erheblich verkleinert. So zieht sich die Bank komplett aus Asien zurück. Die Niederlassungen in Hongkong, Shanghai, Peking, Tokio und Mumbai werden dichtgemacht. Ebenso die Filiale in Mailand. Die Standorte New York und London werden erheblich verkleinert. "Die BayernLB wird nach der Restrukturierung und Redimensionierung eine andere Bank sein", sagte Institutschef Michael Kemmer. Sie werde kleiner, aber schlagkräftiger.

Mit den radikalen Kürzungen will die Bank künftig 670 Millionen Euro bis 2013 einsparen. Die Staatsregierung hatte am Freitag ein Rettungspaket mit Finanzspritzen und Garantien von mehr als 30 Milliarden Euro für die Bank geschnürt. Dafür sollen auch Mittel aus dem Rettungsfonds des Bundes beantragt werden.

30 Milliarden Euro für die BayernLB

Dass der Freistaat die Kapitalspritze für die BayernLB komplett übernimmt, deutet darauf hin, dass er mit dem Finanzmarktstabilisierungsfonds des Bundes (Soffin) keinen gemeinsamen Kompromiss finden konnte. Bayern hatte erwartet, dass der Bund seinen Anteil als stille Einlage zahlt - dann aber hätte die Regierung keine Mitspracherechte bei der BayernLB gehabt.

Aus Finanzkreisen erfuhr SPIEGEL ONLINE bereits am Freitag, dass dies als unwahrscheinlich gilt. Eine Lösung, bei der der Staat zahlt, ohne hinterher etwas zu melden zu haben, wirke wie Wunschdenken aus Bayern, hieß es.

Der bayerische Alleingang zeigt ein grundlegendes Problem. Die Ministerpräsidenten geben ihrer Landesbank lieber selber Geld, als zu riskieren, dass der Bund bei den Landesbanken reinregiert.

Als erste verschmähte die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) Bundesgelder. Das Land bewilligte eine Kapitalspritze von fünf Milliarden Euro. Dann ließ sich die Nord/LB von den Ländern Niedersachsen und Sachsen-Anhalt 20 Milliarden Euro für Anleiheemissionen garantieren, anstatt dafür den Bund zu bemühen. Nun hat also auch die BayernLB diesen Weg gewählt.

Der Grund: Seehofer & Co. bangen um ihre Landesbanken. Es gibt zurzeit sieben davon. Die Sparkassen haben Mitte November einen Masterplan vorgestellt, nach dem aus ihnen drei Superinstitute werden sollen. Der Bund gilt als Befürworter dieser Idee. "Aus unserer Sicht sind Fortschritte bei dieser Konsolidierung unabdingbar", sagte Jörg Asmussen, Finanzmarktexperte im Bundesfinanzministerium.

Eine Konsolidierung der Landesbanken scheint bitter nötig. Durch das Nebeneinander der sieben regionalen Institute entstehen an vielen Stellen Reibungsverluste und doppelte Kosten. Und manche Landesbanken-Dienste sind inzwischen sogar gänzlich überflüssig: Früher waren beispielsweise nur die Landesbanken in der Lage, größere Firmenkredite zu stemmen oder anspruchsvolle Wertpapierprodukte zu schnüren. Heute machen die Sparkassen ihnen Konkurrenz.

"Es wäre dringend nötig, Landesbanken zusammenzulegen und ihnen wieder klare Kompetenzen zuzuordnen", sagt Hans-Peter Burghof, Bankenprofessor an der Uni Hohenheim, SPIEGEL ONLINE. Doch da spielen die Ministerpräsidenten nicht mit. Denn an den Instituten hängen Tausende Arbeitsplätze. Zudem lassen sie sich für prestigeträchtige Investitionsvorhaben einspannen.

Landesbanken machen 63 Milliarden Euro Schulden

Bei den Landesbanken nimmt das Milliardendesaster nach SPIEGEL-Informationen immer größere Ausmaße an. Insgesamt haben die Institute, die allesamt über wenig tragfähige Geschäftsmodelle verfügen, im Verlauf der Finanzkrise Rettungsbeihilfen aus öffentlichen Kassen in Höhe von knapp 25 Milliarden Euro zugesagt bekommen oder bereits erhalten. Dazu kommen beantragte und teilweise bereits bewilligte Garantien für Schuldtitel in Höhe von 63 Milliarden Euro.

Nicht ausgeschlossen ist, dass das Risiko für den Steuerzahler zum Schluss noch größer ausfällt. So hat die Landesbank Baden-Württemberg bislang nur einen Kapitalbedarf von rund fünf Milliarden Euro angemeldet – doch in der Branche glaubt kaum jemand, dass diese Summe ausreichen wird. Denn die Fehlbeträge steigen monatlich an.

Bislang wollen die Länderchefs davon aber wenig wissen. Stattdessen erwägen sie, die Eigenkapitalbeihilfen, wo immer möglich, selbst zu stemmen – um dem Bund jede Mitsprache bei Fusionen oder Zusammenschlüssen zu verwehren.

In München wurde für die kommende Woche eine zusätzliche Kabinettssitzung anberaumt, am Mittwoch schon soll ein Nachtragshaushalt im Landtag beraten werden. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) stellt sich die Finanzierung der Zehn-Milliarden-Spritze so vor: Sieben Milliarden sollen vom Freistaat kommen, drei Milliarden vom Soffin.

Eine Konsolidierung der deutschen Landesbanken scheint jedenfalls bitter nötig. Durch das Nebeneinander der sieben regionalen Institute entstehen an vielen Stellen Reibungsverluste und doppelte Kosten. Und manche Landesbanken-Dienste sind inzwischen sogar gänzlich überflüssig.

Die Landesbanken in der Übersicht

ssu/AP/dpa/ddp

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