85. Geburtstag des Aldi-Gründers Die Ruhrpott-Version des amerikanischen Traums

Billigbutter, Konserven und kostengünstiger Sekt machten Theo Albrecht unfassbar reich. 1971 musste der Mitgründer von Aldi 17 Tage in der Hand von Entführern durchstehen. Seitdem ist er aus der Öffentlichkeit verschwunden - auch seinen 85. Geburtstag feiert er heute im Geheimen.


Hamburg - Das Firmenlogo Aldi ist inzwischen fast weltweit präsent - doch die beiden Gründer, die Gebrüder Albrecht, scheuen die Öffentlichkeit wie kaum ein anderer Prominenter. Bilder der beiden gibt es kaum. Theo Albrecht ist besonders scheu: Bei Fragen nach dem Firmenchef heißt es in der Konzernzentrale lediglich: "Herr Albrecht wünscht keine Berichterstattung über sich." Der Unternehmer soll mit seiner Frau Cilli auf der Nordseeinsel Föhr wohnen, heißt es. Sicher ist es nicht.

Jubilar Albrecht (1971): Seit seiner Entführung gibt es kaum noch Fotos von dem Aldi-Gründer
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Jubilar Albrecht (1971): Seit seiner Entführung gibt es kaum noch Fotos von dem Aldi-Gründer

Die Zurückhaltung ist verständlich - Albrecht wurde im November 1971 entführt und erst nach 17 Tagen gegen Zahlung von sieben Millionen Mark freigelassen. Von diesem Trauma hat er sich offenbar nie erholt.

Dabei begann die Geschichte der Brüder Theo und Karl Albrecht wie die Ruhrpott-Variante des amerikanischen Traums. Theo Albrecht, geboren am 28. März 1922, und sein zwei Jahre älterer Bruder Karl wuchsen in einfachsten Verhältnissen auf. Der Vater war Bergmann und musste wegen einer Staublunge später eine schlechter bezahlte Arbeit in einer Brotfabrik annehmen. Die Mutter eröffnete im Essener Arbeitervorort Schonebeck einen Lebensmittelladen. Die beiden Söhne traten nach dem Besuch der Mittelschule in ihre Fußstapfen.

Gesund aus dem Zweiten Weltkrieg zurückgekehrt, übernahmen sie 1946 das unversehrt gebliebene elterliche Geschäft und bauten daraus Stück für Stück eine kleine Ladenkette auf. Schnell entdeckten die Brüder, dass auch mit kleinen Preisen gutes Geld zu verdienen war.

Mit der Eröffnung des ersten Aldi-Marktes 1962 in Dortmund verschrieben sie sich kompromisslos dem Discount-Prinzip: Wenige Artikel, Verzicht auf aufwendige Ladeneinrichtungen und günstige Preise. Schlicht war auch der Name der neuen Kette: Aldi wie Albrecht-Discount.

Das Konzept funktionierte. Die Umsätze explodierten. Allein in Deutschland klingeln jährlich mehr als 22 Milliarden Euro in den Kassen. Inzwischen betreibt Aldi nach eigenen Angaben mehr als 5000 Filialen, nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa, in den USA und sogar in Australien. Das Unternehmen gehört - ganz nebenbei - zu den größten Textilhändlern Deutschlands. Und als Aldi begann, Computer zu verkaufen, wurde der Discounter quasi über Nacht auch zum größten Computerhändler der Republik, zumindest eine Zeit lang.

Dabei haben die Brüder ihr "Weltreich" säuberlich untereinander aufgeteilt. Theo Albrecht regiert Aldi Nord, Bruder Karl Aldi Süd. Die Trennungslinie ist die Ruhr. Nach Einschätzung des manager magazins verfügt Theo inzwischen über ein Vermögen von rund 16 Milliarden Euro, Karl soll noch mehr besitzen.

Aus dem operativen Geschäft hat sich Theo Albrecht allerdings seit langem zurückgezogen. 1993 übertrug er die Führung von Aldi-Nord auf seine Söhne Berthold und Theo junior. Als Vorsitzender der Theo-Albrecht-Stiftung, der er schon in den siebziger Jahren die Mehrheit an seinem Imperium übertrug, behielt der Firmengründer allerdings eine einflussreiche Position. Eine Art Ruhrpott-Version der grauen Eminenz.

Erich Reimann, AP



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