9-Euro-Ticket-Bilanz »Jeder Fünfte hat die öffentlichen Verkehrsmittel neu für sich entdeckt«

Das 9-Euro-Ticket läuft in wenigen Tagen aus – und gilt als Erfolg. In einer Umfrage gibt ein Drittel der Deutschen an, wegen des Tickets die Bahn statt des Autos benutzt zu haben.
Das 9-Euro-Ticket hat auf manchen Bahnstrecken zu deutlich volleren Zügen geführt (Symbolbild)

Das 9-Euro-Ticket hat auf manchen Bahnstrecken zu deutlich volleren Zügen geführt (Symbolbild)

Foto: Hauke-Christian Dittrich / dpa

Die Deutsche Bahn hat kurz vor dem Ende des 9-Euro-Tickets eine positive Bilanz gezogen. Allein über die Kanäle des Konzerns seien rund 26 Millionen der Sonderfahrten verkauft worden, teilte die neue Regionalverkehrsvorständin, Evelyn Palla, am Sonntag mit. »Jeder fünfte 9-Euro-Ticket-Nutzer hat die öffentlichen Verkehrsmittel neu für sich entdeckt.« Es seien mehr Fahrgäste im Regionalverkehr unterwegs gewesen als vor Corona.

Wie viele Tickets insgesamt bundesweit verkauft wurden, blieb zunächst offen. Aktuelle Zahlen will der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) an diesem Montag veröffentlichen. Anfang August hatte der Verband mitgeteilt, dass in den ersten beiden Gültigkeitsmonaten Juni und Juli insgesamt rund 38 Millionen 9-Euro-Tickets verkauft worden seien. Hinzu kämen demnach die rund zehn Millionen Abonnentinnen und Abonnenten, die nicht extra ein eigenes 9-Euro-Ticket kaufen mussten.

In wenigen Tagen läuft das 9-Euro-Ticket nun aus. Das Umweltbundesamt dringt auf ein Nachfolgemodell. »Die Leute steigen um, wenn es einfach ist, wenn es günstig ist und wenn es flexibel genutzt werden kann«, sagte der Präsident der Behörde, Dirk Messner, der Deutschen Presse-Agentur. Die Verkehrsunternehmen wollen eine Bilanz der dreimonatigen Rabattaktion ziehen. Demonstrationen für eine Fortsetzung des 9-Euro-Tickets zogen am Wochenende nicht die erhofften Teilnehmerzahlen an.

Letztes 9-Euro-Wochenende wieder mit vollen Zügen

Stattdessen waren wieder viele Menschen mit ihrem Ticket auf Ausflügen unterwegs. Die Deutsche Bahn sprach von einer guten Nutzung. Vor allem touristische Ziele standen im Fokus, der Betrieb laufe aber unauffällig. Während der drei Monate seien mehr Fahrgäste im Regionalverkehr unterwegs gewesen als vor Corona.

Viele Käufer des 9-Euro-Tickets haben nach eigenen Angaben das Auto durch Bus und Bahn ersetzt. 31 Prozent der Erwachsenen nutzten die Aktionsfahrkarte häufig auf Strecken, die sie sonst im Auto zurückgelegt hätten, wie eine YouGov-Umfrage für die Deutsche Presse-Agentur ergab. Weitere 18 Prozent gaben an, sogar immer das Auto durch den öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) ersetzt zu haben.

Türöffner dringend nötig

»Ein attraktives, deutschlandweit gültiges Nachfolgeangebot zum 9-Euro-Ticket könnte der Türöffner sein, dass die öffentlichen Verkehrsmittel nach und nach als eine attraktive Alternative zum Auto erkannt werden«, sagte Umweltbundesamts-Chef Messner. Ein solcher Türöffner sei dringend nötig. Zugleich müsse aber in den Ausbau und die Qualitätsverbesserung des öffentlichen Verkehrs investiert werden.

Ob und – falls ja – ab wann es ein Nachfolgemodell für das 9-Euro-Ticket geben könnte, ist offen. Die Länder haben vom Bund einen Vorschlag für eine Nachfolgeregelung und erneut mehr Geld für Busse und Bahnen gefordert. Der Verkehrssektor gilt als ein Sorgenkind beim Klimaschutz, Klimaziele drohen verfehlt zu werden.

»Wir brauchen einen stärkeren Umstieg auf die öffentlichen Verkehrsmittel und eine Reduzierung des privaten Verkehrs und der Nutzung privater Pkw«, sagte Messner. Ein 9-Euro-Ticket sei dauerhaft aber kaum finanzierbar. »Ein deutschlandweites 49-Euro-Ticket oder ein 69-Euro-Ticket wäre aber sinnvoll und mit dem Abbau umweltschädlicher Subventionen im Verkehr finanzierbar.«

Die Zahlungsbereitschaft der Nutzer ist unterschiedlich groß. 31 Prozent entschieden sich in der YouGov-Umfrage für die Antwortmöglichkeit 29 Euro pro Monat. 23 Prozent hätten lieber wieder ein 9-Euro-Ticket. Die ebenfalls diskutierten Monatspreise von 49 Euro und 69 Euro fanden deutlich weniger Anklang.

kry/dpa
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