Atomstreit mit Iran Ölpreis durchschlägt in New York
71-Dollar-Marke

Die Iran-Krise treibt den Ölpreis fast täglich auf neue Rekordmarken. In New York verteuerte sich das Fass Rohöl bis zum Abend um fast einen Dollar auf über 71 Dollar. Die Vetomächte des Uno-Sicherheitsrates und Deutschland beraten bisher ergebnislos über Sanktionen gegen das Mullah-Regime.


Teurer Griff zur Zapfpistole: Die Iran-Krise treibt den Ölpreis auf Rekordmarken.
DPA

Teurer Griff zur Zapfpistole: Die Iran-Krise treibt den Ölpreis auf Rekordmarken.

New York - An der New Yorker Rohstoffbörse hat der Ölpreis am Abend einen neuen Höchststand erreicht. Für ein Fass Rohöl wurde ein Preis von 71,35 Dollar festgelegt. Das bisherige Rekordhoch stammt vom 30. August 2005, nachdem der Wirbelsturm "Katrina" am Golf von Mexiko zahlreiche Ölförderanlagen zerstört hatte.

Die New Yorker Rohstoffbörse reagierte damit auf Befürchtungen, dass die politische Entwicklung im Iran und in Nigeria das Angebot an Rohöl verknappen könnte. Iran ist der viertgrößte Ölproduzent der Erde.

Unterdessen bemühten sich die Vetomächte des Uno-Sicherheitrates und Deutschland um eine gemeinsame und zugleich wirksame Linie im Iran-Konflikt – ohne Ergebnis. Die Vertreter der an den Gesprächen beteiligten Regierungen hätten in den Gesprächen am Dienstag zwar "die Notwendigkeit einer harten Antwort" anerkannt, sagte am Abend der Staatssekretär im US-Außenministerium, Nicholas Burns. Nicht einigen konnte man sich jedoch in der Frage, ob Sanktionen gegen Iran auferlegt werden sollen. Burns deutete an, dass weitere Gespräche erforderlich seien.

Angesichts der steigenden Rohölpreise dürfte sich die Krisenstimmung auch an den deutschen Tankstellen bemerkbar machen. Total-Fina-Elf will einem Zeitungsbericht zufolge den Benzinpreis um drei Cent je Liter erhöhen, für Shell und Aral wird ein ähnliches Vorgehen erwartet. Ein Sprecher von Total hatte die Preiserhöhung in der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" angekündigt.

Kaum eine Rolle für den Ölpreis spielte nach Ansicht von Experten hingegen ein Bericht der Opec, nach der sich die weltweite Nachfrage in Zukunft weniger stark erhöhen könnte als erwartet. Die erwarte Absatzmenge gibt Hinweise darauf, ob die Opec-Länder ihre Fördermengen drosseln oder erhöhen werden. Die Organisation Erdöl exportierender Staaten korrigierte ihre Schätzung des durchschnittlichen Tagesbedarfs in diesem Jahr auf 84,5 Millionen Barrel nach unten. Der Mehrbedarf im Vergleich zum vergangenen Jahr wurde nunmehr auf täglich 1,42 Millionen Barrel geschätzt - im letzten Monatsbericht ging die OPEC noch von einer Steigerung um 1,46 Millionen Barrel aus.

Bereits am Vormittag hatte der Ölpreis im europäischen Handel bisherige Rekordmarken durchbrochen. Zwischenzeitlich kletterte der Preis für das Barrel auf 72,04 Dollar für die in Europa gängige Sorte Brent.

Ein weiteres Indiz für die weltweite Unsicherheit ist derzeit auch die hohe Nachfrage nach Gold. Das Edelmetall gilt in Krisenzeiten gilt als sicherer Anlagehafen. Im New-Yorker Handel stiegen die Futures für die Feinunze auf 623,30 Dollar und damit auf den höchsten Stand seit einem Vierteljahrhundert.

reh/AP/dpa



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