Fehlendes Vertrauen Experten sehen weitere
Verluste für den Euro

Der Kursrutsch der europäischen Gemeinschaftswährung hat nach der Meinung von Experten gute Gründe. Die meisten von ihnen machen politische Versäumnisse für die Euro-Schwäche verantwortlich.


London/Frankfurt - "Wir müssen jetzt ausgesprochen gute Neuigkeiten von der europäischen Wirtschaft erhalten und schlechte Nachrichten aus den USA, um diesen Trend umzukehren", sagte Alfonso Prat-Gay, Chef-Devisenstratege von JP Morgan in London. Der Euro könnte nach seiner Einschätzung noch auf einen Kurs von 0,88 Dollar sinken, ehe er sich wieder erholt.

Angesichts struktureller Probleme in der Euro-Zone geht Christoph Zwermann von Salomon Oppenheim davon aus, dass der Euro vorerst weiter unter Druck bleiben wird. Die Europäer hätten den weltweiten Prozess der Globalisierung verschlafen und müssten dies jetzt mit milliardenschweren Investitionen nachholen. Somit fließe viel mehr Investitionskapital aus der Euro-Zone heraus als in sie hinein, was sich negativ auf den Euro auswirke.

Auch das immer noch vergleichsweise niedrige Zinsniveau in der Euro-Zone sei ein Problem für den Euro. Viele Spekulanten nähmen in der Euro-Zone Geld auf und kauften sich damit in andere Währungen ein, was zu einer regelrechten "Euroschwemme" führe.

US-Ökonom Rüdiger Dornbusch machte vor allem die Politik im Euroraum für die Talfahrt des Euro verantwortlich. "Solange da (in Deutschland) noch über Arbeitnehmerrechte geredet wird, hat der Euro keine Chance, sich zu erholen", sagte er.

Derweil sinkt auch das Vertrauen der Bürger in die europäische Währung. Bei jedem dritten Bundesbürger sei das Vertrauen in den Euro derzeit "gar nicht vorhanden", ergab eine am Freitag veröffentlichte Forsa-Umfrage im Auftrag der Deutschen Welle. 46 Prozent hätten ein nur "geringes" Vertrauen angegeben nach 53 Prozent im Februar. "Großes" Vertrauen in den Euro zeigten immerhin noch 17 Prozent nach 20 Prozent im Februar.



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