Neuemission Querelen kosten AWD
80 Millionen Mark

Anschuldigungen aus der Presse und eine mäßige Stimmung an der Börse forderten ihren Tribut. Die AWD-Papiere werden zum Leidwesen von Chef Carsten Maschmeyer am unteren Ende der Bookbuilding-Spanne ausgegeben.


AWD-Chef Carsten Maschmeyer
DPA

AWD-Chef Carsten Maschmeyer

Hannover - Das Unternehmen begründete den niedrigen Preis von 54 Euro mit der "derzeit schwierigen Marktsituation". AWD bekommt dadurch rund 80 Millionen Euro weniger in die Kasse als bei einer Ausgabe am oberen Limit von 62 Euro möglich gewesen wären. Experten hatten ursprünglich bis zu 70 Euro pro Aktie und damit rund 1,35 Milliarden Mark frisches Geld für denkbar gehalten.

Statt wie erhofft 16- bis 20-fach war die Emission jetzt Börsenkreisen zufolge "deutlich weniger" überzeichnet. Dennoch sagte AWD-Sprecher Folkert Mindermann "Wir sind sehr zufrieden." Rund 86 Prozent der neuen Aktien seien bei institutionellen Anlegern aus ganz Europa platziert worden, rund zehn Prozent bei Privatanlegern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Zusätzlich waren den Konsortialbanken 900.000 Aktien als Mehrzuteilungsoption (Greenshoe) angeboten worden.

Die Marktkapitalisierung des Finanzdienstleisters betrage nach dem Börsengang rund zwei Milliarden Euro nach einem Emissionsvolumen von 486 Millionen Euro. Alle Aktien stammen ausschließlich aus einer Kapitalerhöhung. Die Erstnotiz der AWD-Papiere erfolgt an diesem Freitag an den Börsen Frankfurt am Main und Hannover.

Während der Zeichnungsfrist hatte es Vorwürfe gegeben, AWD habe potenzielle Anleger nicht umfassend über mögliche Risiken informiert. Daraufhin wurde der Börsenprospekt zwei Mal nachgebessert, die Zeichnungsfrist verlängert und der erste Handelstag verschoben.

AWD zählt zu den größten Finanzdienstleistern Deutschlands und setzte 1999 rund 531 Millionen Mark um bei einem Ergebnis vor Steuern von 47,6 Millionen Mark. Im ersten Halbjahr 2000 wurde der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 37 Prozent auf 302 Millionen Mark verbessert.

Mit den Erlösen aus dem Börsengang will AWD-Chef Carsten Maschmeyer durch Zufkäufe die Position in den Stammmärkten Deutschland, Österreich und der Schweiz stärken. In den beiden vergangenen Jahren hatte AWD bereits vier der 30 größten Finanzdienstleister Deutschlands übernommen.



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