A350 Airbus Deutschland sichert sich mächtiges Flügelteil

Das 32 Meter lange, obere Flügelstück für den neuen Airbus A350 wird nach Informationen von SPIEGEL ONLINE in Stade bei Hamburg gebaut. Es ist das erste Mal, dass ein so wuchtiges Teil der Airbus-Tragfläche in Deutschland entsteht - bisher kamen die Komponenten aus Großbritannien.

Von


Hamburg - Künftig sollen die Oberschalen, die so genannten Upper Wing Panel, für den neuen A350 aus Stade kommen. Die Panel sind mit 32 Meter Länge und bis zu acht Meter Breite das zentrale und größte Element der Flugzeugtragfläche.

Airbus A350 (Computermodell): "Weltweit bisher keine Fabrik dieser Art"

Airbus A350 (Computermodell): "Weltweit bisher keine Fabrik dieser Art"

Die Entscheidung, dass sie in Stade gebaut werden, sei "in den letzten Tagen gefallen", bestätigte der Werksleiter Dieter Meiners heute gegenüber SPIEGEL ONLINE. Gut einen Monat nach dem offiziellen Programmstart für den Bau des Langstreckenfliegers kommt so die interne Verteilung der Arbeitsaufträge bei Airbus voran.

Für das Werk am Rande der 45.000-Einwohner-Stadt werde der Zuschlag zu einem "gewaltigern Größensprung" führen, sagte ein anderer Stader Airbus-Mitarbeiter. Schon jetzt wird der Bau einer bis zu 30.000 Quadratmeter messenden Halle geplant. "Es gibt weltweit bisher keine Fabrik dieser Art", so der Mitarbeiter zu SPIEGEL ONLINE. Mit der Produktion soll dort laut Meiners Ende 2006 oder Anfang 2007 begonnen werden.

"Schwarze Kunst" mit Potential

Die Stader konnten sich den internen Zuschlag sichern, weil sie in den vergangenen Jahren besondere Kompetenz beim Umgang mit Kohlefaserverbundwerkstoffen (CfK) erworben haben. Dieses leichte, resistente Material gilt als Zukunftsstoff in der Luftfahrtindustrie. Weil dabei Kohlefasern in Kunststoff eingebettet werden, sprechen Airbus-Mitarbeiter mitunter von "schwarzer Kunst".

Die A350-Tragflächen sollen nun - erstmals in der Geschichte des Unternehmens - überwiegend aus CfK gebaut werden, nicht mehr aus Aluminium. Der europäische Hersteller reagiert so auf Pläne seines Erzrivalen Boeing: Die Amerikaner wollen den "Dreamliner" 787, den direkten Konkurrenten des A350, ebenfalls zu großen Teilen aus Verbundstoff fertigen. So soll der komplette Dreamliner-Rumpf aus Verbundmaterial bestehen.

Erstmals Aufträge nach China delegiert

Weil die nationalen Fertigungsanteile bei der Airbus-Mutter EADS aus politischen Gründen genau austariert werden, wird ein Teil der A350-Tragflächen weiter in Großbritannien hergestellt, dem traditionellen Standort. Dort sollen die unteren Flügelschalen für den A350 entstehen, ebenfalls aus CfK. Die Stader Flügelteile würden per Lkw und Schiff ins walische Broughton transportiert, wo die Montage der Tragflächen erfolge, sagte Meiners. Airbus Stade soll auch CfK-Tragflächenteile für den neuen Militärairbus A400M liefern, die je 18 Meter lang sind.

Bisher waren die Stader auf Seitenleitwerke spezialisiert - sie produzieren sämtliche Airbus-"Heckflossen", am Werkstor an der Bundesstraße 73 thront denn auch das Modell eines Seitenleitwerkes. Beim A350-Bau muss Stade nun aber die Fertigung einiger Leitwerk-Komponenten abgeben - nach Asien.

Das so genannte Nasenteil und das Ruder des Leitwerkes sollen künftig in China gefertigt werden, wie SPIEGEL ONLINE erfuhr. Mit derlei Zugeständnissen versucht Airbus, auf dem asiatischen Milliardenmarkt Punkte zu sammeln. Auch Boeing hat bereits millionenschwere Aufträge für Teile der 787 an chinesische Zulieferer vergeben und buhlt so um die Gunst dortiger Airlines. Deren Einkaufsmacht wächst: Nach Airbus-Schätzungen könnten chinesische Fluggesellschaften bis 2023 fast 1800 Flugzeuge im Gesamtwert von 230 Milliarden Dollar ordern.

Ingenieure gesucht

Die Zahl der Mitarbeiter in Stade werde aber dank des Zuschlages für die neuen A350-Teile zumindest konstant bleiben, sagt Meiners. Quellen aus dem Umfeld des Betriebsrates äußern sich optimistischer: Es würden auf jeden Fall neue Jobs geschaffen: "Es sind aber weniger, als man bei einem so großen Bauteil denken würde - die Fertigung ist stark maschinisiert." Immerhin: EADS sucht bereits Ingenieure für die Flügelfertigung in Stade. Einstellungstermin: 1. Januar 2006.

An der A350-Produktion sollen auch die anderen norddeutschen Airbus-Standorte wie Bremen, Varel und Nordenham beteiligt sein. In Bremen zum Beispiel entstehen traditionell die Landeklappen für die Tragflächen. Rumpfelemente sollen - wie schon beim Superairbus A380 - aus Hamburg-Finkenwerder kommen. Der Hamburger Zulieferer Cabin Systems wiederum hofft, die komplette Passagierkabine des A350 in Eigenregie bauen zu dürfen - das Volumen allein dieses Auftrags würde sich über 20 Jahre verteilt auf fast 40 Milliarden Euro summieren. Endmontiert wird der neue Langstreckenjet am französischen Airbus-Sitz in Toulouse.

Bis zur Auslieferung des ersten Modelles werden indes noch Jahre vergehen: Sie ist für 2010 geplant. Erzrivale Boeing will seine 787 schon zwei Jahre früher an die ersten Kunden übergeben.



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.