A380-Profiteur Die Firma, die für Airbus den Himmelslift baut

Der Super-Airbus A380 ist das erste Passagierflugzeug, das zwei durchgängige Geschosse hat - und deswegen außer Treppen auch Fahrstühle braucht. Der fliegende Lift wird von einem kleinen aber erfahrenen Zulieferer in Schleswig-Holstein hergestellt. Ein Werksbesuch.


Wedel - Im Zeitraffer dauert das Flugzeugleben des neuen Super-Airbus A380 nicht 20 Jahre, sondern gerade einmal 426 Tage. So lange nämlich werden die Fahrstühle getestet, die in das Flugzeug der Superlative eingebaut werden. 426 Tage und Nächte lassen die Entwickler der Hightech-Firma Extel Systems im schleswig-holsteinischen Wedel den Lift für den Superflieger hoch- und runterfahren.

Projektleiter Josenhans mit Container im Aufzug: Sicherheit auch bei Turbulenzen
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Projektleiter Josenhans mit Container im Aufzug: Sicherheit auch bei Turbulenzen

Insgesamt etwa 1,3 Millionen Testzyklen muss der Fahrstuhl für den Himmel in dieser Zeit nonstop absolvieren. Denn ein solcher Aufzug müsse bei entsprechender Handhabung mindestens die gleiche Lebensdauer haben wie das Flugzeug selbst, sagt der Projektmanager für Liftsysteme, Andreas Josenhans.

Das Jenoptik-Tochterunternehmen Extel hat das spezielle Liftsystem für den neuen Großraum-Airbus nicht nur entwickelt, sondern rüstet künftig auch alle Passagiermaschinen des A380 damit aus. Die Idee für die Lifte ist bei Extel schon Mitte der neunziger Jahre entstanden, als der Bau des Super-Airbus, damals noch mit der Bezeichnung A3XX, angeschoben wurde. Extel ist bereits seit mehr als 20 Jahren mit Airbus im Geschäft.

Trolleys wiegen 120 Kilo

Erste Erfahrungen und technisches Know-how für die nun anstehende große Lift-Serie sammelte die Extel bei der Entwicklung und Produktion eines Doppelliftsystems für die besonders lange Airbus-Version A340-600. 2003 wurden bereits zehn Lufthansa-Maschinen dieses Typs ausgerüstet, in denen man für Langstreckenflüge zusätzliche Küchen im Unterdeck eingerichtet hatte.

Mitarbeiter bei Lastenaufzug-Herstellung: Seit zwei Dekaden Airbus-Partner
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Dass nun auch der zukünftige Großraum-Airbus serienmäßig mit Fahrstühlen ausgerüstet wird, liegt daran, dass der A380 mit seinen zwei Decks durchgängig vom Bug bis zum Heck der erste doppelgeschossige Passagierjet der Luftfahrtgeschichte ist. Je nach Versorgungskonzept müssen für die Hälfte der mehr als 500 Fluggäste an Bord Essen, Getränke und zollfreie Waren aufs Oberdeck geschafft werden, die Abfälle wandern wieder nach unten. Auf Langstrecken wird oft sogar mehrmals während des Fluges Essen oder Ware transportiert. Treppauf, treppab sei dabei für die Stewardessen ein Ding der Unmöglichkeit, erklärt Josenhans. Zumal es die Transportwagen, die sogenannten Trolleys, voll bestückt durchaus auf je 120 Kilogramm Gewicht brächten.

"Einen Ausfall darf es nicht geben"

Doch der Fahrstuhl im Himmel ist mit einem irdischen Hochhausaufzug kaum zu vergleichen. "Einen Ausfall darf es im Prinzip nicht geben", sagt Josenhans. Deshalb müssen die Entwickler im Testlabor vor allem Extremsituationen simulieren. "Ein Flugzeug von der Dimension eines A380 kann sich je nach Fluglage aufgrund seiner flexiblen Struktur um einige Zentimeter ausdehnen", sagt der Experte.

Bei einer Gesamtlänge des Liftes von 3,80 Meter ist dies nicht unerheblich. Das Liftsystem muss diese Verschiebungen auch unter extremen Flugsituationen ausgleichen können. Dabei darf sich weder der Aufzugsschacht verziehen noch die Liftkabine verkanten und stecken bleiben.

Und wenn die Maschine in einem Luftloch mal hart durchsackt, muss so viel Sicherheit gegeben sein, dass ein Trolley samt Kabine von dem Liftsystem sicher gehalten wird. Der Aufzug - übrigens ausschließlich für Lasten zugelassen - hängt deshalb nicht am Seil, sondern läuft an Zahnriemen. Die Konstruktion muss außerdem auch noch möglichst leicht sein. Als Material kommen darum spezielles Luftfahrtaluminium und Verkleidungen mit Honigwabenstruktur zum Einsatz.

Die Riesen-Airbusse werden je nach Kundenwunsch mit zwei bis drei Liften bestückt. Extel-Marketingchef Rolf Forstmann erwartet eine jährliche Produktion von bis zu 30 Maschinen. Das sichere Arbeitsplätze in der Serienfertigung bei Extel - derzeit etwa 50 Beschäftigte im Bereich Liftsysteme - und eine Grundauslastung der Firma über Jahre.

Forstman rechnet damit, dass sich die Entwicklungskosten etwa 2015 amortisiert haben. Der Aufzug für die erste Maschine wurde im vergangenen Dezember nach Toulouse geliefert, der nächste folgt im Sommer. Danach werden die Lifte eingebaut, wenn die A380-Maschinen künftig zur Innenausrüstung nach Hamburg kommen.

Michael Best, ddp



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