A380-Werft Tauziehen um die Halle der Titanen

Es soll ein gigantisches Bauwerk werden: Die Lufthansa will bei Frankfurt eine 350 Meter lange und 140 Meter breite Werfthalle bauen, um den Airbus A380 warten zu können. Durch die Klagen mehrerer Ortschaften droht der Zeitplan für die Einführung des Riesenfliegers nun durcheinander zu geraten.

Von Joachim Hoelzgen


Entwurf der Lufthansa-Werfthalle: Platz für vier Flugzeug-Mammuts
GMP

Entwurf der Lufthansa-Werfthalle: Platz für vier Flugzeug-Mammuts

Hamburg - Ein Lieblingsthema des Lufthansa-Chefs Wolfgang Mayrhuber ist der bürokratische Wildwuchs, der seiner Ansicht nach in Deutschland wuchert - besonders aber auf und um den Frankfurter Flughafen, das Drehkreuz der Lufthansa Chart zeigen .

Dort habe man sechs Millionen Euro nur für behördliche Unterlagen ausgeben müssen, die den Ausbau des Airports betreffen, klagte Mayrhuber jüngst auf der Hauptversammlung seiner Fluggesellschaft. Und jetzt geißelte Mayrhuber die Einwände, die es gebe, nur um den Bau einer "schlichten Wartungshalle" zu blockieren.

Doch schlicht ist die nicht, im Gegenteil. Sie ist die architektonische Trophäe des Flughafens Frankfurt und die zukünftige Werft des Airbus-Mammuts A380, von dem die Lufthansa 15 Exemplare bestellt hat. Mit 350 Metern Länge und 140 Metern Breite ist die geplante Halle so groß, dass vier der Maschinen (Spannweite: 79,80 Meter) zugleich hinein passen - "wenn man sie etwas versetzt parkt, um Raum zu gewinnen", hat Bernd Habbel von der Lufthansa Technik bereits ausgerechnet.

Kühner Entwurf

Die titanenhafte Halle soll im Südwesten des Flughafens entstehen, wo sich das Baugelände über die Gemarkung gleich von drei Städten erstreckt: Frankfurt, Rüsselsheim und Mörfelden-Walldorf.

A380: Deadline schon im Herbst 2007
AP

A380: Deadline schon im Herbst 2007

Den Großbau-Architekten Gerkan, Marg und Partner aus Hamburg ist mit der Halle ein kühner Entwurf gelungen. Die Tragwerke des Gebäudes überspannen das Dach, wodurch der Koloss gar nicht so kolossal, sondern luftig und aufgelockert daherkommt - anders als die große Montagehalle des Airbus A380 am Elbufer von Hamburg-Finkenwerder, die mit ihren Gebäudeblöcken einer Burg des mesopotamischen Herrschers Hammurabi ähnelt.

In Frankfurt dagegen soll das Design der größten Werfthalle Europas überall an die Bauherrin, die Lufthansa, erinnern. Die Wände und Decken sind silbrig hell verkleidet, und die Schiebetore des Hangars sind durchscheinend. Das sorgt für mehr Tageslichtbeleuchtung und macht die Silhouetten der A380 auch von außen erkennbar.

Super-Airbus vs. Bechsteinfledermaus

So ganz sicher ist aber auch das nicht. Denn für die Halle und ihr Vorfeld müssten 21 Hektar Wald gerodet werden, darunter mehr als die Hälfte so genannter Bannwald, der gesetzlich besonders geschützt ist. Und Umweltschützer befürchten, dass die gleichfalls geschützte Bechsteinfledermaus vertrieben werden könnte. Fraport, die Betreibergesellschaft des Flughafens, weist das aber zurück: Die Fledermaus hause "nur außerhalb" des Areals der Flugzeugwerft.

Vorderansicht der Halle: Zur Not Doppel- und Nachtschichten für den Bau
DDP

Vorderansicht der Halle: Zur Not Doppel- und Nachtschichten für den Bau

Über all das wird am Dienstag nächster Woche der Hessische Verwaltungsgerichtshof in Kassel ein Urteil verkünden. Denn eine Phalanx, die nicht von Pappe ist, klagt gegen den geplanten Standort der A380-Halle - angeführt von den Städten Neu-Isenburg, Mörfelden-Walldorf, Raunheim, Rüsselsheim und dazu noch dem Landkreis Groß-Gerau.

Die Kläger wollen erreichen, dass der Bannwald nicht angetastet wird, und sie möchten durch die nahe Werft nicht noch mehr mit Lärm beschallt werden. Denn auf dem Vorfeld der Halle sollen zu ihrem Verdruss auch die mächtigen Triebwerke der A380 geprüft werden - bis hin zum Volllast-Betrieb der Düsen.

  • 1. Teil: Tauziehen um die Halle der Titanen
  • 2. Teil


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