Ab ins All In New Mexico wird ein Weltraumbahnhof gebaut

Das Klima beständig, der Luftraum weitgehend leer - die perfekten Voraussetzungen, um mehrmals am Tag ins Weltall zu starten, befand Milliardär Richard Branson. In New Mexico baut er deshalb jetzt den erste Weltraumbahnhof für seine Weltallagentur Virgin Galactic.


London - Noch hat Richard Branson keinen einzigen seiner Kunden tatsächlich ins All geschickt, doch der Entwicklungsminister von New Mexiko glaubt felsenfest an den Traum des Milliardärs von den Reisen ins Weltall. "Virgin ist der Anfang, viele andere Weltraumagenturen werden folgen", erklärte Rick Homans heute überzeugt. Ein Zentrum des neuen außerirdischen Reiseverkehrs soll New Mexico werden, wenn es nach ihm geht. Im südlichen Teil des Bundesstaats will er deshalb für Bransons Unternehmen Virgin Galactic den ersten Weltraumbahnhof bauen lassen - für 225 Millionen Dollar.

Das SpaceShipOne: New Mexico als Tourismuszentrum für Weltraumreisen
AP

Das SpaceShipOne: New Mexico als Tourismuszentrum für Weltraumreisen

Der Grundstein könne noch 2007 gelegt werden, vorausgesetzt Umwelt- und Flugbehörden stimmten der Vereinbarung zu, erklärte Homans. Die Abflugstation solle bis auf die Rollbahn gänzlich unterirdisch gebaut werden. Virgin habe für 20 Jahre die Pachtrechte. Das Unternehmen müsse in den ersten fünf Jahren je eine Million Dollar zahlen, danach solle die Miete so angepasst werden, dass am Ende der Zeit die gesamten Baukosten gedeckt sind.

Ende 2008 oder Anfang 2009 sollen dann von dort die ersten Gäste ins All katapultiert werden, so plant es Richard Branson. Fünf Raumschiffe hat der exzentrische Milliardär schon bestellt, der auch schon mit einem Amphibienfahrzeug den Ärmelkanal und im Ballon den Pazifik überquerte. Die Idee kam dem 52-Jährigen nach der Entwicklung des SpaceShipOne, mit dem Touristen für kurze Zeit in die Schwerelosigkeit fliegen können. Den Architekten des Gefährts engagierte Branson denn auch gleich für den Bau größerer Weltraumflugzeuge.

Mehrere hundert Millionen Dollar hat Branson sich die Entwicklung der Flieger schon kosten lassen. Doch der Unternehmer besteht darauf, dass Virgin Galactic viel mehr ist als nur ein Spleen. Glaubt man ihm, hat er den Reisemarkt dieses Jahrtausends entdeckt: 38.000 Kunden aus 126 Ländern hätten ihr Interesse an einer Reise ins All bereits mit einer Anzahlung belegt, hieß es heute aus dem Unternehmen.

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Branson worldwide: Der tanzende Airline-Chef

Unter ihnen befinden sich so illustre Persönlichkeiten wie der Schauspieler Morgan Freeman, der sich für 216.000 Dollar einen Platz auf der ersten Raumfähre reservieren ließ. Angeblich haben auch Sigourney Weaver, Paris Hilton und Victoria Principal bereits Plätze gebucht. Um das Interesse nicht abflauen zu lassen, hat sich Branson außerdem schon einige Marketinggags einfallen lassen. So können Vielflieger von Bransons Fluggesellschaft Virgin Airlines seit kurzem Bonusmeilen für einen Weltraumtrip sammeln.

Sicherheitsbedenken oder gar Angst scheinen die abenteuerlustigen Weltraumtouristen dabei nicht zu haben. Trevor Beattie, Director einer Werbeagentur aus London, der als einer der ersten einen Space-Trip gebucht hatte, erklärte heute auf die Frage: "Meine einzige Sorge ist: Je länger der Start verschoben wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich davor vom Bus überfahren werde."



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