Abfindungen Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Zwickel

Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen gegen Klaus Zwickel bestätigt. Sie wirft dem IG-Metall-Chef Untreue vor, weil er als Aufsichtsrat im Zusammenhang mit der Mannesmann-Übernahme die Riesenabfindung für Klaus Esser genehmigt hat.


Im Visier der Staatsanwaltschaft: IG-Metall-Chef Klaus Zwickel
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Im Visier der Staatsanwaltschaft: IG-Metall-Chef Klaus Zwickel

Düsseldorf - Zwickels Rolle als Mitglied des Mannesmann-Aufsichtsrats werde geprüft. Der Aufsichtsrat habe eine "Abfindung" in Höhe von 14,3 Millionen Euro für den damaligen Vorstandsvorsitzenden Klaus Esser festgesetzt, die dieser zusätzlich zu einer "Anerkennungsprämie" von 16,36 Millionen Euro erhalten habe, hieß es. Ein IG-Metall-Sprecher wies den Untreuevorwurf gegen Zwickel erneut zurück.

Von den Millionen-Zahlungen an die ehemaligen Manager wird auch die voraussichtlich letzte Hauptversammlung von Mannesmann an diesem Mittwoch überschattet. Der Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Jörg Pluta, kündigte einen dicken Fragekatalog unter anderem zu dem Thema an. An ausgeschiedene Vorstandsmitglieder sind nach seinen Berechnungen rund 73 Millionen Euro als Anerkennung, Abfindung und als Auszahlung von Pensionsrückstellungen geflossen. Außerdem sei zu klären, ob der Ex-Aufsichtsratschef Joachim Funk Millionen erhielt. Der Vorstand und Aufsichtsrat sollten nicht entlastet werden, meinte Pluta am Montag.

Die auf das Telekommunikationsgeschäft reduzierte Mannesmann AG präsentierte am Montag glänzende Zahlen. Im ersten Halbjahr 2001 stieg das Ergebnis nach Steuern mit dem Verkauf der italienischen Festnetzfirma Infostrada, der österreichischen Telefonfirma tele.ring sowie dem ersten Teilerlös aus dem Verkauf der Industriesparte Atecs auf 8,9 Milliarden Euro. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres war ein Fehlbetrag von 456 Millionen Euro zu Buche geschlagen. Der Umsatz der Mannesmann-Gruppe, die eine Tochter des britischen Mobilfunkkonzerns Vodafone ist, wuchs im ersten Halbjahr 2001 um 7,0 Prozent auf 6,8 Milliarden Euro.

Am Aktienkapital von Mannesmann hält Vodafone anderthalb Jahre nach dem Ende der Übernahmeschlacht 99,4 Prozent. Deshalb soll der gesamte Gewinn künftig an die Briten abgeführt werden. Als Ausgleich erhalten die 7400 außenstehenden Aktionäre für jedes volle Geschäftsjahr eine Garantiedividende von 11,77 Euro je Aktie. Zudem gibt es ein Übernahmeangebot von 206,53 Euro je Aktie. Auf der Hauptversammlung ist eine Satzungsänderung geplant, mit der der Name nun in Vodafone AG geändert werden soll.



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