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27. Oktober 2008, 14:03 Uhr

Absatzflaute

BMW stoppt Produktion, Bosch schickt Mitarbeiter in Urlaub

Der Konjunkturabschwung trifft die Autobranche mit voller Wucht: Im Leipziger BMW-Werk stehen die Bänder für vier Tage still, Bosch schließt eine Woche lang kurzfristig ein Werk. Weltweit verbuchen Pkw-Hersteller Absatzeinbrüche - selbst der Branchenprimus Toyota.

Leipzig - Im Leipziger Werk des Autobauers BMW stehen seit diesem Montag die Bänder still. Der Hersteller unterbricht die Produktion wegen des schwächelnden Absatzes für vier Tage. Nach Unternehmensangaben werden damit 2800 Autos weniger montiert. Für die 2600 Leipziger Beschäftigten sollen keine Einbußen entstehen. Die Zeit wird auf Arbeitszeitkonten verrechnet.

BMW-Werk in Leipzig: Vier Tage keine Produktion
DDP

BMW-Werk in Leipzig: Vier Tage keine Produktion

In Leipzig werden vier Modelle - die 3er Limousine und drei 1er Varianten - montiert. Im September war der Absatz bei den drei Marken BMW, Mini und Rolls-Royce um 14,6 Prozent zurückgegangen. In den USA, dem wichtigsten Automarkt, lag er um ein Viertel unter dem Vorjahreswert. BMW verkaufte in dem Monat insgesamt nur noch 121.000 Fahrzeuge.

BMW hatte bereits angekündigt, die Produktion in diesem Jahr um 25.000 Fahrzeuge zurückfahren zu wollen. Auch andere Autohersteller drosseln ihre Produktionen. Opel sowie die Volkswagen-Töchter Seat und Skoda wollen weniger Autos bauen. Daimler will wegen des dramatischen Absatzeinbruchs sogar die Produktion für vier Wochen einstellen. In Presseberichten war ursprünglich von fünf Wochen die Rede.

Rund 150.000 Beschäftigte werden daher in verlängerte Weihnachtsferien geschickt - zwei Wochen länger als üblich. Mit dem Produktionsstopp in allen 14 deutschen Standorten reagiere das Unternehmen auf die unsichere Lage auf den weltweiten Automärkten, sagte Personalvorstand Günther Fleig am Montag in Stuttgart. Die Zwangspause werde vor allem über Arbeitszeitkonten umgesetzt werden. Sollte sich die Lage im Frühjahr 2009 nicht bessern, könne das Management weitere Maßnahmen nicht ausschließen. An dem Ziel, bis zum Jahresende die Produktion um 45.000 Fahrzeuge zu drosseln, halte der Konzern fest.

Die Branchenkrise greift auch auf die Zulieferer über: So legte Bosch die Produktion in Reutlingen-Rommelsbach in dieser Woche still und schickte 400 Mitarbeiter nach Hause. Auch im Hauptwerk Reutlingen fielen einzelne Schichten aus, sagte ein Unternehmenssprecher am Montag in Stuttgart. Über die Werksschließung sei kurzfristig entschieden worden. Die Mitarbeiter hätten durch die Schließtage keine finanziellen Nachteile, da sie zuletzt viele Überstunden angesammelt hätten. In Reutlingen-Rommelsbach werden Einspritzpumpen für Dieselmotoren hergestellt.

Einem Bericht der "Stuttgarter Nachrichten" zufolge erwägt der Zulieferer in diesem Jahr sogar verkürzte Arbeitszeiten und Kurzarbeit einzuführen. Bereits seit geraumer Zeit liefen Gespräche mit dem Betriebsrat, um neben dem Abbau von Überstunden auch diese beiden Möglichkeiten zu nutzen, sagte ein Bosch-Sprecher dem Blatt. Bosch hat nach dem Tarifvertrag die Möglichkeit, die wöchentliche Arbeitszeit von 35 auf 30 Stunden zu verkürzen. Reicht das nicht aus, kann der Arbeitgeber in Abstimmung mit dem Betriebsrat die Arbeitszeit noch weiter verkürzen.

Die Krise trifft die gesamte Autobranche weltweit: Der angeschlagene US-Autobauer Chrysler will bis Ende des Jahres rund 5000 Arbeitsplätze streichen. Betroffen seien Angestellte und Leiharbeiter, neben freiwilligen Abfindungsangeboten solle es auch Entlassungen geben, teilte Chrysler mit. Von dem Stellenabbau sei etwa jeder vierte Chrysler-Angestellte betroffen, berichten das "Wall Street Journal" und die "Financial Times". Die "Detroit News" bezifferte die Gesamtzahl der Angestellten und Leiharbeiter bei Chrysler auf 17.300. Laut Zeitungsberichten geht es bei dem Abbau fast ausschließlich um Jobs in den USA.

Der bislang erfolgsverwöhnte japanische Autokonzern Toyota verbuchte erstmals seit sieben Jahren einen Absatzrückgang. Das Unternehmen teilte mit, dass der weltweite Absatz der Gruppe, zu der auch Daihatsu Motor und Hino Motors gehören, zwischen Juli und September im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um vier Prozent auf 2,23 Millionen Einheiten zurückging.

Als Grund nennen die Autohersteller und Experten den weltweiten Wirtschaftsabschwung im Zuge der Finanzkrise sowie die zeitweise extrem hohen Spritpreise.

kaz/dpa/dpa-AFX

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