Absatzkrise Autobauer verlängern zwangsweise die Weihnachtsferien

Die Menschen kaufen keine Autos mehr. Volkswagen will nun sein Stammwerk in Wolfsburg gleich für drei Wochen schließen, selbst der erfolgsverwöhnte Sportwagenhersteller Porsche muss seine Produktion drosseln. Und BMW entlässt mehr Mitarbeiter als geplant.


Hamburg - Der Autobauer Volkswagen Chart zeigen will angesichts der Verkaufskrise der Autobranche die Produktion im Stammwerk Wolfsburg für mehr als drei Wochen stoppen. Zwischen Vorstand und Betriebsrat sei derzeit eine verlängerte Weihnachtspause vom 18. Dezember bis zum 11. Januar "in der Diskussion", sagte ein VW-Sprecher am Dienstag in Wolfsburg. Betroffen von dem Produktionsstopp wären 16.000 der insgesamt 44.000 Mitarbeiter an dem niedersächsischen Fertigungsstandort. Darüber hinaus sei noch ein eintägiger Produktionsstopp am 5. Dezember im Gespräch.

VW-Werk in Wolfsburg: "Nicht so sehr auf Lagerhaltung produzieren"
DDP

VW-Werk in Wolfsburg: "Nicht so sehr auf Lagerhaltung produzieren"

"Volkswagen kann sich von der schwierigen Lage auf dem Automarkt nicht abkoppeln", sagte der VW-Sprecher. Der Konzern wolle deswegen die Fertigung zurückfahren, "um nicht so sehr auf Lagerhaltung zu produzieren". Im vergangenen Jahr habe die Weihnachtspause in Wolfsburg nur rund zwei Wochen gedauert.

Auch die Konzerntochter Audi Chart zeigen will die Produktion wegen der Absatzkrise länger ruhen lassen. Je nach Modell sollen die Bänder im Werk Ingolstadt am 18. beziehungsweise 19. Dezember angehalten und am 9. Januar wieder angefahren werden, wie ein Unternehmenssprecher sagte. Damit dauert die Unterbrechung zwei Tage länger als sonst zu Weihnachten üblich.

Die Produktionsunterbrechung sei vorausschauend und nicht aufgrund von Verkaufsrückgängen beschlossen worden, teilte Audi mit. Die Auftragslage sei stabil. Die Ingolstädter hatten schon im Oktober trotz eines Absatzzuwachses Produktionskürzungen angekündigt, das Ausmaß bislang aber nicht genannt.

Wegen der Absatzkrise der Autobranche hatten bereits mehrere deutsche Hersteller verlängerte Weihnachtspausen oder Kürzungen in der Produktion angekündigt. So legt etwa Daimler Chart zeigen an all seinen 14 deutschen Standorten über Weihnachten eine vierwöchige Zwangspause bis zum 12. Januar ein. Bei BMW Chart zeigen gab es bereits Produktionsstopps in mehreren Werken. Ford Chart zeigen meldete Anfang November in Teilen seiner Motorenfertigung in Köln für fünf Wochen Kurzarbeit an. Auch bei Opel, Tochter des angeschlagenen US-Konzerns General Motors Chart zeigen, ist von längeren Zwangspausen die Rede.

BMW kündigte am Dienstag an, mehr Stellen als bisher geplant abbauen zu wollen. Zusätzlich zu den angekündigten 8100 festen Jobs, die konzernweit gestrichen werden sollen, seien im Werk Leipzig mehr als 400 Zeitarbeitsplätze weggefallen, sagte ein Sprecher am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Die Branchenzeitschrift "Automobilwoche" nannte eine Zahl von 500. BMW zufolge sind noch 200 bis 300 Leiharbeiter in dem ostdeutschen Werk beschäftigt. Ob sie an Bord blieben, hänge von der weiteren Auftragslage ab. "Da gibt es noch keine abschließenden Planungen."

BMW hatte vor einem Jahr angekündigt, weltweit 8100 Stellen zu streichen. "Da war Leipzig ursprünglich außen vor", sagte der Sprecher. Weil sich aber die Autokrise seit Sommer verschlimmert hat, wurde den Angaben zufolge auch das erst 2005 eröffnete Werk einbezogen.

Auch Porsche Chart zeigen erwartet im laufenden Jahr einen Absatzeinbruch und drosselt seine Produktion. Aufgrund des weltweiten Nachfragerückgangs hätten im Stammwerk Zuffenhausen erstmals am vergangenen Freitag die Bänder stillgestanden, teilte das Unternehmen am Dienstag in Stuttgart mit.

Bis Ende Januar 2009 werde es darüber hinaus sieben weitere Ausfalltage geben. Da die Arbeitszeitkonten der Porsche-Mitarbeiter wegen der hohen Produktionsauslastung im letzten Jahr gut gefüllt seien, sei der Ausgleich ohne Kurzarbeit möglich. Porsche gehe nicht mehr davon aus, den hohen Gesamtabsatz des Vorjahres (98.652 Fahrzeuge) im laufenden Geschäftsjahr 2008/2009 zu erreichen. Am morgigen Mittwoch ist Bilanzpressekonferenz von Porsche. Mit Spannung wird vor allem die Prognose erwartet.

Porsche hatte im abgelaufenen Geschäftsjahr mit cleveren Aktiengeschäften bei der VW-Übernahme einen Rekordgewinn erzielt. Das Konzernergebnis vor Steuern stieg um rund drei Milliarden Euro auf 8,57 Milliarden Euro, wie das Unternehmen jüngst mitteilte.

Aus dem Bau und Verkauf von Sportwagen stammte lediglich ein Anteil von einer Milliarde Euro des Gewinns. Den weitaus größeren Teil trugen Effekte aus der Volkswagen-Übernahme bei, vor allem Aktienoptionen.

Opel in Deutschland: Traditionsmarke mit Krisenerfahrung
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Die Wurzeln
Das 146 Jahre alte Traditionsunternehmen Opel produzierte ursprünglich Nähmaschinen und Fahrräder. Erst später entwickelte es sich zum größten deutschen, europaweit tätigen Autohersteller. 1929 übernahm der US-Konzern General Motors die Adam Opel AG - für den seinerzeit enormen Betrag von 33,4 Millionen Dollar.

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Die Krisenzeiten
In den neunziger Jahren geriet der Autobauer erstmals in heftige Turbulenzen: 1997 fuhr die Adam Opel AG mit 228 Millionen Mark erstmals in die Verlustzone. Es folgten Sparprogramme unter dem später in die Führung von GM-Europe aufgerückten Manager Carl-Peter Forster. Zurzeit leidet Opel vor allem unter den Problemen des Mutterkonzerns: General Motors droht angesichts eines massiven Absatzeinbruchs das Aus.

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Das Werk in Rüsselsheim
Rüsselsheim in Hessen ist der Stammsitz des 146 Jahre alten Unternehmens. Hier arbeiten 18.300 Mitarbeiter. Neben der Zentrale ist hier das Internationale Technische Entwicklungszentrum und ein neu errichtetes Werk angesiedelt (Jahreskapazität: 270.000 Einheiten). Dazu kommt noch das Testcenter im nahen Dudenhofen.

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...Bochum
Seit 1962 ist Opel am Standort Bochum in Nordrhein-Westfalen tätig. Mittlerweile werden drei Werke auf einem ehemaligen Zechengelände betrieben. Die 5300 Mitarbeiter stellen vor allem den Astra, Zafira, Achsen und Getriebe her. 2007 wurden rund 240.000 Fahrzeuge gebaut.

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...Kaiserslautern
In Kaiserslautern in Rheinland-Pfalz stellen rund 1200 Mitarbeiter Vierzylinder-Leichtmetall-Ottomotoren und Vierzylinder-Turbodieselmotoren mit Commonrail-Kraftstoffeinspritzung her. Im Komponentenwerk sind weitere 2300 Mitarbeiter tätig. Opel ist seit 1966 in Kaiserslautern.

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...Eisenach
Bei der Opel Eisenach GmbH in Thüringen produzieren 1900 Mitarbeiter den neuen Corsa. Das Werk machte 1992 kurz nach der Wende auf.

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kaz/AFP/AP/Reuters/ddp



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