Absatzplus VW stemmt sich gegen Autokrise

Weltweit kämpfen Autobauer gegen schwindende Absatzzahlen und den drohenden Konjunktureinbruch. Volkswagen schlägt sich in der Krise vergleichsweise wacker. Der Wolfsburger Konzern bestätigt seine Umsatz- und Ergebnisprognosen - und geht dennoch auf Sparkurs.


Wolfsburg - Auch Volkswagen erwartet einen Abschwung am Automarkt, sieht sich aber gut gerüstet. Zwar erwartet Europas größter Autobauer branchenweit eine geringere Nachfrage. Angesichts "neuer, attraktiver Modelle" sollen die eigenen Auslieferungen aber den Wert des Vorjahres übertreffen, erklärte der Konzern am Donnerstag. In der Folge sollen auch Umsatz und operatives Ergebnis steigen.

VW-Produktion in Wolfsburg: Warten auf die Durststrecke
REUTERS

VW-Produktion in Wolfsburg: Warten auf die Durststrecke

Im laufenden Jahr hat Volkswagen die Krise noch nicht zu spüren bekommen. Von Januar bis September verbesserte sich das operative Ergebnis um 15 Prozent auf 4,9 Milliarden Euro und übertraf damit leicht die Schätzungen der Analysten. Unter dem Strich stieg der Gewinn um 29 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro. Der Umsatz legte um sechs Prozent auf 85,4 Milliarden Euro zu.

Volkswagen hatte in den ersten neun Monaten mit 4,8 Millionen Autos ein Absatzplus von vier Prozent erzielt. Trotz der Finanzkrise und ihren Auswirkungen auf die Kauflust der Kunden legte der Konzern auch noch im September mit 550.000 Auslieferungen noch um fast ein Prozent zu, während der Absatz anderer Autobauer drastisch eingebrochen war.

Nach eigenen Angaben hat sich Volkswagen damit nach Marktanteilen unter die Top drei der Branche vorgeschoben. Den Kampf um Platz eins liefern sich seit Jahren der US-Hersteller General Motors (GM) und der japanische Wettbewerber Toyota.

Allerdings kann sich auch Volkswagen dem globalen Abschwung nicht vollständig entziehen. Im dritten Quartal steigerte das Unternehmen das operative Ergebnis nur noch marginal auf 1,49 Milliarden Euro und verfehlte damit die Erwartungen von Experten, die im Schnitt mit 1,51 Milliarden gerechnet hatten.

Für das nächste Jahr hat Vorstandschef Martin Winterkorn bereits Einschnitte angekündigt. "Wir müssen uns alle auf eine harte Durststrecke einstellen", sagte er mit Blick auf die Absatzkrise der Autobranche. Die Kosten sollen deshalb gesenkt werden. Bisher steuert der Konzern mit dem Abbau von Leiharbeitskräften und der Umschichtung von Produktion in den Werken gegen die Krise. Die Produktionsbänder mussten noch nicht gestoppt werden.

Gegen Mittag lag die VW-Aktie mit rund zehn Prozent im Plus. Da der Konzern aber fest im Griff von Porsche ist, seien die Zahlen allerdings nur noch am Rande von Bedeutung, sagte ein Börsianer.

Die Stuttgarter haben ihren Anteil an VW jüngst auf 42,6 Prozent aufgestockt und streben für das kommende Jahr 75 Prozent an. Dann sollen die Wolfsburger mit einem Beherrschungsvertrag endgültig aus dem Schwabenland herausgeführt werden. Der Einstieg von Porsche hatte in den vergangenen Tagen zu extremen Kursschwankungen bei der Volkswagen-Aktie geführt.

suc/dpa-AFX/Reuters



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