Abschreibungsbedarf Landesbanken kämpfen mit Folgen der Finanzkrise

Die Turbulenzen an den Finanzmärkten hinterlassen deutliche Spuren in den Bilanzen der Landesbanken. WestLB, Helaba und BayernLB kämpfen mit Abschreibungen und benötigen teilweise Hilfe von Staat und Eigentümern.


Düsseldorf/Frankfurt am Main/München - An kaum einer Landesbank geht die grassierende Finanzkrise spurlos vorüber. So drohen der ohnehin angeschlagenen WestLB im Abschlussquartal 2008 weitere Belastungen. Wegen der frühzeitigen Stützung durch die Eigentümer stehe die Bank aber besser da als ihre Wettbewerber, erklärte Vorstandschef Heinz Hilgert am Donnerstag anlässlich der Vorlage der Geschäftszahlen für die ersten neun Monate 2008.

WestLB-Zentrale in Düsseldorf: Verhandlungen über frisches Eigenkapital
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WestLB-Zentrale in Düsseldorf: Verhandlungen über frisches Eigenkapital

Im Berichtszeitraum hat die WestLB unter dem Strich einen Konzerngewinn von 532 Millionen Euro eingefahren, nach einem Verlust von knapp 150 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Dieses Ergebnis hatten aber nur milliardenschwere Garantien der Eigentümer möglich gemacht. So war in den ersten beiden Quartalen ein Übertragungsgewinn von 962 Millionen Euro durch das Auslagern von riskanten Wertpapieren in Höhe von 23 Milliarden Euro entstanden. Für mögliche Verluste bürgen das Land Nordhrein-Westfalen, Sparkassen- und Kommunalverbände in einer Höhe von fünf Milliarden Euro.

Im Gespräch mit der "Börsenzeitung" machte Bankchef Hilgert zudem deutlich, dass die WestLB frisches Eigenkapital benötigt. Die tatsächliche Höhe des Kapitalbedarfs hängt Hilgert zufolge ab von den Diskussionen, die die Bank mit ihren Eigentümern und dem staatlichen Rettungsfonds (Soffin) führe. Die derzeitigen Gespräche seien noch nicht so intensiv, "dass wir schon Einschätzungen darüber haben, wie viel Garantien der Soffin in unserem Fall bereitstellen würde", sagte er. Es gebe Hinweise darauf, dass eine Kernkapitalquote von acht Prozent das Maß aller Dinge sei. Ende September verzeichnete die WestLB eine Quote von 5,4 Prozent.

Helaba im Minus

Auch bei der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) hinterließ die Finanzkrise Spuren. Das Institut rutschte von Juli bis September in die roten Zahlen und kassierte seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr. "Wie sich das Konzernergebnis am Ende des Geschäftsjahres 2008 darstellen wird, hängt entscheidend vom weiteren Verlauf der Finanzmarktkrise ab, die eine konkrete Ergebnisprognose derzeit nicht zulässt", sagte Helaba-Chef Hans-Dieter Brenner am Donnerstag.

Bislang war die Helaba von einem Gewinn von gut 300 Millionen Euro ausgegangen. In Eigentümerkreisen hieß es, es werde am Ende allenfalls eine "schwarze Null" herauskommen. In den ersten neun Monaten erwirtschaftete die Bank einen Vorsteuergewinn von 64 Millionen Euro. Im dritten Quartal schrieb sie jedoch einen Verlust von 57 Millionen Euro.

Die Landesbanken in der Übersicht
BayernLB
Die BayernLB gehört über die BayernLB Holding AG zu rund 94 Prozent dem Freistaat Bayern und zu rund sechs Prozent dem Sparkassenverband Bayern. mehr auf der Themenseite...
Bremer Landesbank
Die Bremer Landesbank Kreditanstalt Oldenburg Girozentrale gehört zu 92,5 Prozent der Nord/LB. Das Land Bremen hält einen Anteil von 7,5 Prozent. mehr auf der Themenseite...
HSH Nordbank
Die HSH Nordbank ist aus der Hamburgischen Landesbank und der Landesbank Schleswig-Holstein hervorgegangen. Als einzige Landesbank hat sie einen privaten Anteilseigner: Der US-Investor JC Flowers hält 9,2 Prozent der stimmberechtigten Anteile. Die Hansestadt Hamburg hält 10,9 Prozent, 15 Prozent gehören dem Land Schleswig-Holstein und den Sparkassen des Landes. Der Hauptanteil von 64,2 Prozent wird vom HSH Finanzfonds, einer gemeinsamen Anstalt der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein, gehalten.mehr auf der Themenseite...
Landesbank Baden-Württemberg
Die LBBW ist die größte deutsche Landesbank und gehört zu jeweils 35,6 Prozent dem Land Baden-Württemberg und den Sparkassen des Landes. Die Stadt Stuttgart hält 18,9 Prozent, die rheinland-pfälzischen Sparkassen und die Landeskreditbank Baden-Württemberg halten je 4,9 Prozent. mehr auf der Themenseite...
Landesbank Berlin
Die LBB gehört seit 2007 zu 98,6 Prozent dem Deutschen Sparkassen- und Giroverband und damit allen deutschen Sparkassen. Die restlichen 1,4 Prozent sind Streubesitz. mehr auf der Themenseite...
Landesbank Hessen-Thüringen
Die Helaba, offiziell Landesbank Hessen-Thüringen, gehört zu 85 Prozent dem Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen. Das Land Thüringen ist mit fünf Prozent beteiligt, Hessen mit zehn Prozent. mehr auf der Themenseite...
Norddeutsche Landesbank
Die Nord/LB gehört zu 41,8 Prozent dem Land Niedersachsen. Die niedersächsischen Sparkassen halten 37,3 Prozent, überdies sind die Sparkassen von Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern beteiligt. mehr auf der Themenseite...
Landesbank Saar
Noch gehört die SaarLB zu 75,1 Prozent der BayernLB. Weitere Anteilseigner sind der Sparkassenverband Saar und das Bundesland Saarland. Doch die BayernLB will sich in den kommenden Jahren schrittweise vollständig von dem Institut trennen. mehr auf Wikipedia...
WestLB
Die beiden nordrhein-westfälischen Sparkassenverbände, Rheinischer Sparkassen- und Giroverband (RSGV) sowie Westfälisch-Lippischer Sparkassen- und Giroverband (WLSGV), halten je über 25 Prozent der Anteile, das Land Nordrhein-Westfalen hält 17,4 Prozent, die NRW-Bank 31,1 Prozent. Eigentümer der NRW-Bank sind das Land Nordrhein-Westfalen mit 98,6 Prozent sowie die beiden Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe mit jeweils 0,7 Prozent. mehr auf der Themenseite...
Schuld daran waren Wertberichtigungen in Folge der Finanzkrise, die sich von Januar bis September auf knapp 400 Millionen Euro summierten. Die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers und der Beinahekollaps der US-Sparkasse Washington Mutual kosteten die Helaba einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag. Das Engagement in Island beläuft sich auf weniger als 20 Millionen Euro.

Milliardenloch bei BayernLB

Unterdessen nimmt das Milliardenloch bei der BayernLB immer dramatischere Ausmaße an. Gut informierten Kreisen zufolge ist der Finanzbedarf der Bank von bislang 6,4 Milliarden Euro in den vergangenen Monaten nochmals deutlich gestiegen. Im Raum steht derzeit die Zahl von zehn Milliarden Euro. Offiziell gab es dafür zunächst keine Bestätigung.

Am Freitag will die Bankführung den Bayerischen Landtag offiziell über die aktuelle Situation informieren. Bayerns Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU), BayernLB-Chef Michael Kemmer und Sparkassenpräsident Siegfried Naser wollten in der neuen BayernLB-Kontrollkommission des Landtags berichten, sagte der Vorsitzende des Gremiums, Ernst Weidenbusch (CSU), in der konstituierenden Sitzung am Donnerstag in München.

Die Mehrbelastungen seien vor allem im Oktober und November angefallen, hieß es. Ursache sei neben der Lehman-Pleite, die zu weiteren Wertberichtigungen bei den Anlagen geführt habe, auch die drastisch schlechtere Bonität vieler Kunden im Zuge der Finanzkrise. Dafür muss nun mehr Eigenkapital zur Absicherung hinterlegt werden.

Die Zukunft der BayernLB ist weiter ungewiss. Zuletzt hieß es, ein Alleingang Bayerns zur Rettung der angeschlagenen Bank werde immer wahrscheinlicher. Auch eine mögliche Fusion der beiden größten deutschen Landesbanken LBBW aus Baden-Württemberg und der BayernLB blieb aber weiter offen. Zunächst hatte die BayernLB als erste Bank überhaupt Schutz unter dem milliardenschweren Banken-Rettungsschirm des Bundes gesucht.

suc/dpa/Reuters/AP/dpa-AFX



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