Abschwung im dritten Quartal Deutschland steckt in einer Rezession

Die deutsche Wirtschaft ist in den vergangenen drei Monaten stärker als erwartet geschrumpft. Im Quartalsvergleich sei das Bruttoinlandsprodukt um 0,5 Prozent gesunken, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mit. Damit befindet sich die Bundesrepublik in der Rezession.

Wiesbaden - Die deutsche Wirtschaftsleistung ist im dritten Quartal erneut gesunken. Gegenüber dem Vorquartal fiel das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,5 Prozent geringer aus, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mit.

Opel-Mitarbeiter: In der technischen Rezession

Opel-Mitarbeiter: In der technischen Rezession

Foto: DDP

Den Rückgang im zweiten Quartal korrigierten die Statistiker leicht von minus 0,5 auf minus 0,4 Prozent nach oben. Auch das starke Wachstum des ersten Quartals wurde von 1,3 Prozent auf 1,4 Prozent korrigiert. Dennoch befindet sich die deutsche Wirtschaft nunmehr mit zwei aufeinander folgenden Negativ-Quartalen in einer sogenannten technischen Rezession.

Vor allem die sich abschwächenden Exporte haben negative Folgen für die BIP-Entwicklung gehabt. Von Juli bis Ende September brachen die Ausfuhren als wichtiger Wachstumsmotor weg. Da die Importe zugleich stark zulegten, trug der Außenhandel nicht zum Wachstum bei. Aus dem Inland verzeichneten die Statistiker zwar einige positive Impulse: Die privaten und öffentlichen Konsumausgaben stiegen leicht und die Firmen bauten ihre Lager auf. Dies konnte aber den Exporteinbruch nicht ausgleichen.

"Wir haben es schwarz auf weiß"

Den Einbruch im dritten Quartal hatten Experten prognostiziert. Sie hatten jedoch im Schnitt nur mit einem Minus von 0,2 Prozent gerechnet.

Berg- und Talfahrt: Die BIP-Entwicklung der vergangenen Jahre

Berg- und Talfahrt: Die BIP-Entwicklung der vergangenen Jahre

Foto: SPIEGEL ONLINE

"Der Rückgang ist stärker, als wir erwartet hatten. Die wesentliche Botschaft ist: Wir haben es schwarz auf weiß, die Rezession ist da", sagte Sebastian Wanke, Ökonom bei der DekaBank. Er geht davon aus, dass sich die Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte 2009 wieder beleben wird. "Gleichzeitig heißt eine Bodenbildung zu diesem Zeitpunkt, dass es eine überdurchschnittlich lange Rezession wäre", so Wanke. "Leider deuten die Frühindikatoren darauf hin, dass es im vierten Quartal nicht besser wird", erklärte auch Dirk Schumacher, Konjunkturexperte bei Goldman Sachs.

"Das sieht überhaupt nicht gut aus. Es zeichnet sich ab, dass der Außenhandel gebremst hat, vor allem wegen schwächerer Exporte. Auch die Inlandsnachfrage dürfte schwach geblieben sein. Das vierte Quartal wird sehr schlecht ausfallen", ergänzte Ralph Solveen von der Commerzbank die negativen Einschätzungen. Auf einen weiteren Abschwung deuteten die Industrieaufträge und die Stimmungsindikatoren wie der Ifo-Index hin. "Der Rückgang des Ölpreises ist nicht stark genug, um die anderen negativen Faktoren auszugleichen. Auch die Zinssenkungen der EZB beginnen erst Ende 2009 zu wirken", sagte Solveen.

Bereits gestern hatten die fünf Wirtschaftsweisen für das kommende Jahr eine Rezession vorausgesagt. Ein besonders düsteres Bild hatte zuletzt der Internationale Währungsfonds (IWF) gezeichnet: Demnach wird Deutschlands Wirtschaft 2009 sogar um 0,8 Prozent schrumpfen.

suc/ddp/dpa/Reuters