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AFFÄREN Absolutes Stillschweigen

Der vielgeschäftige Liechtensteiner Finanzmakler Werner Walser verzankte sich mit einem bayrischen Kunstmaler. Die beiden streiten um ein Kaiserporträt -- und um einige hunderttausend Mark.
aus DER SPIEGEL 21/1978

Kaiser Bokassa haben die Bilder absolut gefallen«, erinnert sich Werner Walser, Konsul der Republik Tschad und Besitzer des »Bürotel« im Steuerparadies Liechtenstein. Er selbst hatte die Gemälde bestellt -- als Geschenk zur Krönung der zentralafrikanischen Majestät Ende letzten Jahres. Bezahlen allerdings mag er sie nicht. Nicht seine Liebe zu »diesen Afrikanern, die ja unsere Hilfe aus Europa dringend benötigen und notwendig haben«. war es, die Werner Walser beflügelt hatte, Bokassa 1., den schwarzen Napoleon, mit Krone und Mantel in Öl auf zwei mal drei Meter verewigen zu lassen: Der Bürotelier hatte auf profitables Geschäft spekuliert.

Dieser Kunst-Handel aber war gründlich danebengegangen. Walsers einstiger Partner, Prominenten-Maler Hans Linus aus Murnau bei Garmisch, »der einzige deutsche Portraitist von internationalem Rang« (Linus über Linus), will seinen Auftraggeber auf vorerst 200 000 Mark Schadenersatz verklagen.

An Honorar stand mehr in Aussicht. Dem »lieben, sehr verehrten Meister«, zu dessen Klientel etwa der Perser-Schah, König Hassan von Marokko oder »Kaiser« Franz Beckenbauer gehören, hatte Konsul Walser einen aparten Handel angetragen.

Das von Hans Linus gepinselte Krönungsgeschenk. mit dem sich Walser an Bokassas Kaiserhof zu Bangui empfahl, gedachte der Liechtensteiner »einer vollen Nutzung zuzuführen Des Kaisers Konterfei wollte er in Massenauflage auf Postkarten und Posters, 100 000 Uhrenzifferblättern und drei Millionen Sonderbriefmarken zu Geld machen -- »eine phantastische Sache« (Walser). Vorsichtshalber schlug Walser dem Maler eine strenge Klausel vor: »Beide Parteien verpflichteten sich zu absolutem Stillschweigen.«

Bare 5000 Mark sollte Linus vorab bekommen. Später, zur Abgeltung seiner Urheberrechte an dem Kaiserschmarren, versprach Walser ein »Erfolgshonorar«, das den Maler an den Erlösen beteiligen würde. Wäre alles nach Wunsch geraten, hätte Linus leicht eine halbe Million näher besehen dürfen.

»Pro verkaufter Uhr«, schlug Walser vor, habe Linus Anspruch auf »DM 3,50«. Da störte den sensiblen Malermeister nur eine Kleinigkeit: Fällig war das Linus-Honorar jeweils erst »nach Kostenabzug« und »nach Geldeingang«.

Lieber hätte Linus, wie zunftüblich, 15 Prozent vom Endverkaufspreis kassiert. Arglos auch begehrte er eine »bankmäßig abgesicherte und garantierte Zahlungsweise«.

Walsers Gegenvorschlag machte den Künstler vollends stutzig: Als Vertragspartner empfahl sich ihm eine Société Internationale de Distribution Horlogère -- eine der zahllosen Briefkastenunternehmungen ("Flight by night companies") des Liechtensteiners Walser.

»Eine Firma, die nicht einmal eine Adresse hat«, schauderte Linus und weigerte sich, die »Vereinbarung« zu unterschreiben. Denn bei solchen Firmen, soviel wußte er, bemüht sich selbst der Gerichtsvollzieher zumeist vergebens: »Die schuldnerische Firma besitzt hierlands keine pfändbaren Fahrschaften"' heißt es dann im Vaduzer Exekutionsprotokoll.

So war es ihm auch kein rechter Trost. daß sein Gönner Walser ihm unter Ziffer fünf des Vertrages in Aussicht stellte, bei Bokassa zum kaiserlich zentral afrikanischen Hofmaler zu avancieren -- zehn Prozent aller Honorare sollte Linus dann in Liechtenstein abliefern.

Nur mit Walser persönlich, nicht mit seiner Westentaschen-AG werde er kontrahieren, konterte der Maler. Nur dann sei er bereit, die Druckerlaubnis für die Briefmarken zu erteilen.

»So Genies sind halt schwierige Leute«, meinte da der Liechtensteiner ungerührt und drohte dem »Freund unseres Hauses«, ihn wegen angeblicher Geschäftsschädigung vor Gericht zu ziehen.

In Linus' Sinn entschied das Kantonsgericht Waadt' als der Münchner Maler dort eine einstweilige Verfügung erwirkte -- zu spät: Walser hatte in Lausanne bereits drei Millionen Bokassa-Briefmarken auf eigene Faust drucken lassen.

Seine Rechte, wies der Raubdrucker die Ansprüche des Urhebers zurück, seien nicht tangiert, die Marken »nicht nach Ihrem Gemälde« gefertigt. Hans Linus habe lediglich, behauptete Walser, »lächerlich kleine Entwürfe«, und die gar noch »absichtlich zerkratzt«, als Druckvorlage geliefert.

Statt den Kaiser nach dem Linus-Bild zu reproduzieren, habe man deshalb notgedrungen bloß »ein ähnliches Gebilde herausgebracht«. Walser über sein Kunst-Stück: »Wenn einer eine Krone aufsetzt, dann ist (las doch nicht gleich der Kaiser von Linus.«

»Seine Honorarforderung steht auf wackligen Füßen«, weiß der Liechtensteiner, auch wenn eine ganze Serie seines Briefmarken-Kaisers genau dieselben Malfehler aufweist, die Meister Linus in künstlerischer Freiheit dem Gekrönten in Öl angetan hatte.

»Sie haben selbst die Bilder dem Kaiser geschenkt«, wies der Kunstmäzen den Maler zurecht: »Verschenkte Bilder kann man nicht bezahlt verlangen.«

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