Absturz an der Börse Dax auf Sechs-Jahres-Tief

Die guten Vorgaben von der Wall Street helfen nicht - im Gegenteil. Der Dax rutscht tief unter die Marke von 2600 Punkten. Inmitten von Gerüchten stürzen wieder die Kurse der Finanzwerte ab, allen voran die Commerzbank.


Frankfurt am Main – Die Wall Street hat am Dienstag nach den Vortagesverlusten positiv eröffnet und konnte die Zugewinne in der ersten Handelsstunde halten. Doch trotz der festen Kurse in New York stand der Dax tief im roten Bereich. Er fiel bis 17.45 umd 3,8 Prozent auf 2566 Punkte. Am Neuen Markt ging der Nemax 50 um ein Prozent auf 310 Punkte zurück. Auch der Dow Jones konnte seine anfänglichen Gewinne nicht halten. Er notierte 0,9 Prozent im Minus bei 7357 Punkten. Der Nasdaq Composite verlor 0,8 Prozent auf 1110 Punkte.

Unter Druck gerieten in New York zunächst Autoaktien. Credit Suisse First Boston hat die Aktie der Ford Motor Co. Chart zeigen von "Outperform" auf "Neutral" heruntergestuft. Zudem senkten die Analysten das Zwölf-Monats-Kursziel von 20 auf 10 Dollar. Zudem hatte die Investmentbank Morgan Stanley ihre Prognosen für Ford Chart zeigen, DaimlerChrysler Chart zeigen und General Motors Chart zeigen gesenkt.

Gute Nachrichten gab es vom Getränkehersteller Pepsi Chart zeigen. Das Unternehmen erwartet nach einem überraschend hohen Ertrag im dritten Quartal für das Gesamtjahr einen Gewinn je Aktie zwischen 13 und 14 Prozent. Im Berichtszeitraum sei der verwässerte Gewinn je Aktie von 0,49 auf 0,56 Dollar gestiegen und lag damit leicht über den Analysten-Erwartungen. Der Umsatz legte im Jahresvergleich um vier Prozent auf 6,4 Milliarden Dollar zu.

Der Dax war am frühen Nachmittag unter anderem wegen schwindender Hoffnungen auf eine Zinssenkung durch die EZB und wegen einer stark angeschlagenen Aktie der Deutsche Bank in die Verlustzone gefallen. Der Dax markierte zwischenzeitlich ein Sechs-Jahres-Tief. Zu den Gewinnern am Markt gehörten Allianz Chart zeigen und Infineon Chart zeigen. Während die Allianz von Umschichtungen aus Banken- in Versicherungstiteln profitiere, führten Händler den Kursanstieg bei Infineon auf eine technische Erholung angesichts der jüngsten Kursverluste zurück.

Gerüchte belasten Commerzbank und Deutsche Bank

Zu den größten Verlierern im Dax zählten die Aktien der Commerzbank. Gerüchte über eine angebliche Liquiditätskrise hatten die Aktie der Commerzbank in den vergangenen Tagen bereits massiv unter Druck gesetzt. Am Montag war das Papier bereits auf den tiefsten Stand seit 20 Jahren gefallen. Die Commerzbank hatte die Spekulationen zurückgewiesen und mitgeteilt, keine Kapitalerhöhung zur Verbesserung der Situation zu planen. Am Dienstag ging die Talfahrt unvermindert weiter. Am Nachmittag markierte die Aktie bei nur noch 5,25 Euro mit mehr als acht Prozent im Minus auf einem neuerlichen Tief. Im Verlauf dieses Jahres hat die Commerzbank-Aktie damit zwei Drittel ihres Wertes verloren. Die Marktkapitalisierung ist bereits auf einen Bruchteil des Buchwertes gesunken.

Auch die Aktien der Deutsche Bank verloren stark, zuletzt rund sechs Prozent auf 37,63 Euro. Händler und Fondsmanager sagten, es kursierten Gerüchte im Markt, das Bankhaus könnte seine Gewinnprognosen nach unten korrigieren.

Fondsmanager Boris Böhm von Nordinvest sagte, die Kursbewegung habe mit Spekulationen um mögliche Abschreibungen bei anderen Banken zu tun. So sei die Deutsche Bank mit ihren Investmentbanking-Aktivitäten ebenfalls den Risiken der Märkte ausgesetzt. Einige Aktienhändler verwiesen zudem auf eine Mitteilung der Investmentbank J.P. Morgan, wonach Investoren derzeit aus Bankentiteln in Versicherungswerte umschichten sollen. Begründet wurde dies damit, dass im Gegensatz zu Banken sich einige europäische Versicherer in der Börsenflaute besser behaupteten. Die Titel der Allianz zogen 2,40 Prozent auf 81,50 Euro an und waren damit stärkster Wert im Dax.

Am Donnerstag hatte die Investmentbank Goldman Sachs die Aktie von "Outperformer" auf "Marketperformer" heruntergestuft. "Die Herunterstufung des großen US-Investmenthauses drückt immer noch auf den Aktienkurs", sagte ein anderer Händler.

Die Aktie des Handelsriesen Metro Chart zeigen verlor rund 6,40 Prozent, nachdem der viertgrößte US-Einzelhandelskonzern Sears am Vortag eine schwache Geschäftsprognose gegeben hatte. Analyst Christian Bruns von Sal. Oppenheim sagte zum Kursminus, einige Investoren rechneten wohl damit, dass Metro seine Gewinnziele für dieses Jahr nicht erreichen werde. "Ich glaube aber, dass sie es schaffen werden. Vielleicht werden die Umsätze etwas schwächer ausfallen, aber das wird keinen großen Einfluss auf den Aktienkurs haben." Entscheidend für das Einzelhandelsunternehmen seien die Umsätze im anstehenden Weihnachtsgeschäft im vierten Quartal.

Geteiltes Bild bei Technologietiteln

Neben Versicherungstiteln konnten auch einige Technologiewerte wieder punkten. Während Epcos Chart zeigen deutlich ins Minus gedreht waren, gewannen Infineon Chart zeigen und Siemens Chart zeigen jeweils noch 0,80 Prozent hinzu. Zuvor war gemeldet worden, der japanische Elektronikkonzern Fujitsu Chart zeigen wird nun auch bei der Entwicklung und dem Teile-Einkauf für Personal Computer mit Siemens zusammenarbeiten.

SAP Chart zeigen konnten nach Abschlägen von rund einem Prozent wieder leicht ins Plus drehen und standen bei 41,81 Euro. Die Investmentbank UBS Warburg hatte am Morgen ihr Kursziel für den SAP-Titel wegen Befürchtungen um eine mögliche Gewinnwarnung für das laufende Geschäftsjahr von 65 auf 45 Euro gesenkt, sagten Händler. SAP wird seine Zahlen zum dritten Quartal am 17. Oktober vorlegen.

Telekom noch ohne Sommer-Nachfolger

Die Aktien der Deutschen Telekom Chart zeigen rutschten wieder leicht in die Verlustzone bei 8,71 Euro. Nach der Absage von Post-Chef Klaus Zumwinkel sucht das Unternehmen nach Informationen des "Handelsblatts" auch weiterhin nach einem externen Kandidaten für die Besetzung des Chefpostens. Allerdings erweise sich die Suche als schwierig, da T-Mobile-Chef Kai-Uwe Ricke als interner Kandidat die besten Chancen habe, schreibt die Zeitung in ihrer Dienstagausgabe unter Berufung auf Aufsichtsratskreise. Dennoch wolle die Telekom Ende des Monats dem Präsidium des Aufsichtsrats eine Auswahl an Kandidaten präsentieren. Der Konzern würde eine überzeugende externe Lösung bevorzugen.

Analystenkommentare belasten Software AG

Nach negativen Analystenkommentaren haben die im MDax notierten Aktien der Darmstädter Software AG Chart zeigen um mehr als drei Prozent auf 8,71 Euro nachgegeben. Händler verwiesen auf eine Analyse von UBS Warburg. Deren Analysten hatten demzufolge das Kursziel für den Titel von 16 auf zehn Euro gesenkt. "Der kritische Kommentar dürfte der Grund für die aktuelle Schwäche bei der Software-Aktie sein", sagte in Marktbeobachter. Schließlich hielten sich die anderen Techwerte im Dax-100 meist deutlich im Plus.



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