Hamburg - Über hundert Leser folgten in der vergangenen Woche dem Aufruf und sandten per Mail ihren persönlichen Warnhinweis-Favoriten ein. Eines scheint nach der unwissenschaftlichen Stichprobe klar: Den Amerikanern kann in Sachen aberwitzige Produktwarnungen keine andere Nation das Wasser reichen. Obwohl die meisten Zuschriften von Deutschen stammen, berichtet fast die Hälfte der Leser von Warn-Absurditäten, die ihnen in den USA aufgefallen sind. So entdeckte SPIEGEL-ONLINE-Leser Dieter Noga bei einer Reise ins Grand Canyon Village eine Toilettenspülung mit dem zweifellos gesundheitsförderlichen Hinweis: "Das Wasser nicht trinken."
Leser Leif Böttcher weiß wiederum von einem Fön zu berichten, den er in den Staaten erworben hat. Auf der Gebrauchsanweisung des Haartrockners, schreibt er, finde sich die Botschaft: "Nicht beim Schlafen benutzen". Und, noch hübscher und in derselben Anleitung: "Nicht auf der Intensivstation einsetzen, während Sauerstoff zugeführt wird."
Obacht, das Leben kann tödlich sein
Die Jahrzehnte alte Unsitte, Produkthersteller mit oft an den Haaren herbeigezogenen Schadenersatzklagen zu überziehen, hat die US-Konzerne offenkundig übervorsichtig gemacht. Rechtsabteilungen sichern sich ab, indem sie auf Produktetiketten vor jeder irgendwie denkbaren Missbrauchs-Eventualität warnen.
Die Devise: Sich lächerlich zu machen ist immer noch besser als die pressewirksame Millionenklage, wenn der Kunde sich mit einem Produkt verbrüht, vergiftet, verstümmelt oder sonst wie verletzt hat. Genauso gut könnte man auf die Produkte aber drucken: "Achtung! Leben auf eigene Gefahr!"
Allzu viel Spott über US-Etiketten wäre voreilig - längst hat der Warnungswahnsinn auch Deutschland erfasst. So stieß SPON-Leser Kai Sartorius in der Anleitung seines Herdes auf den Satz: "Verwenden Sie die Herdplatten nicht zum Beheizen des Raumes." In derselben Anweisung findet sich noch der Tipp, den Herd nur dann zu reinigen, wenn er ausgeschaltet wurde. Frank Lehmann-Diebold hat kurz vor Weihnachten eine Amaryllis mitsamt Warnschildchen erstanden: "Zu Dekorationszwecken und nicht zum Verzehr bestimmt."
Überhaupt trauen die Warnhinweis-Dichter den Kunden Heißhunger auf alle möglichen Erzeugnisse zu. Besonders oft eingesandt wurde der Ratschlag, der sich auf der amerikanischen Website von Apple findet. Dort ist der neue Flash-Spieler iPod Shuffle neben zwei Packungen Kaugummi zu sehen. Der Größenvergleich soll illustrieren, wie irrsinnig winzig das neue Hundert-Dollar-Gerät doch ist. Vorsichtshalber aber steht in der Fußnote: "Den iPod nicht essen". Oder, leicht variiert auf der britischen Apple-Site: "Den iPod nicht kauen".
Es mag wohl sein, dass dieser Satz als Parodie anderer Warnhinweise gemeint ist. Eins aber ist auffällig: Die deutsche Apple-Seite zeigt zwar ein ähnliches Kaufgummi-mit-iPod-Werbebildchen. Allein: Es gibt dazu keine Fußnote amerikanischer Art.
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Nicht nur in Amerika, auch in Griechenland trauen Produkthersteller ihren Kunden so ziemlich alles zu - diese Annahme jedenfalls legt ein E-Mail aus Kreta nahe. Ein Leser dort schreibt, in der Bedienanleitung seiner Waschmaschine finde sich die Warnung: "In der Waschmaschine keine Katze waschen."
Eingesandt von Dimitrios Tzortzakakis
In den USA bereits mit dem "Wacky Warnings"-Preis für besonders bizarre Warnhinweise ausgezeichnet wurde der Aufdruck auf einen faltbaren Kinderwagen. Eltern bekamen da den hilfreichen Tipp: "Das Kind vor dem Zusammenfalten entfernen".
Eingesandt von O. Elshiewy
Feuerzeuge haben die Eigenschaft, mitunter Dinge in Brand zu setzen - daher der Name. Damit beim Gebrauch kein Malheur passiert, stand auf einem amerikanischem Feuerzeug der Hinweis: "Nicht in der Hosentasche benutzen".
Ähnlich sinnig der Hinweis auf einem Abführmittel: "Kann abführend wirken."
Eingesandt von Klaus Stemple und Matthias Haase
Wenn gerade kein Abfalleimer zur Hand ist, muss man ja trotzdem irgendwo hin mit seinem Wrigleys oder Orbit ohne Zucker - aber bitte nicht in die High-Tech-Apparaturen zu Hause schmieren! Auf dem Beiblatt eines CD-Laufwerks wird der Leser belehrt, "keine Kaugummis einführen" - sonst hieße es ja auch Kaugummi-Laufwerk.
Eingesandt von Björn Schultze
Ein Rasenmäher ist ein recht klobiges Gerät, er lässt sich schwer hochheben - und ist im Garten eher fürs Grobe bestimmt. Das weiß aber nicht jeder - auf einem Mäher in den USA stand deshalb der Hinweis: "Nicht zum Heckenscheren geeignet".
Eingesandt von Friederike Bauer
Der Strom ist ja billig und es stinkt nicht so sehr: Die USA sind seit jeher das Stammland der elektrischen Weihnachtsbaum-Beleuchtung. Umso überraschter war ein deutscher Leser, als er in Sacramento echte Wachskerzen mit Dochten in einem Laden entdeckte. Benutzen soll man sie aber auf gar keinen Fall, so das Etikett auf der Packung: "Nur zu Dekorationszecken! Beim Anzünden besteht Brandgefahr."
Eingesandt von Björn Haake
Zugegeben, ästhetisch sehen sie aus, die Motorräder des Italo-Herstellers Aprilia. Aber muss Ästhetik gleich den Appetit anregen? Nicht auszuschließen, dachten sich wohl die Erfinder des Modells Moto 6.5. Auf Seite 34 des Handbuches wird der Kunde ermahnt: "Das Fahrzeug wird nicht mit eßbaren Teilen hergestellt. Aus keinem Grund Teile beißen, lutschen, kauen oder schlucken."
Eingesandt von Thomas Buchholz Thomas Schönenberg, Peter Grabo unc C. Lampe
Der Sturz aus großer Höhe ist hochgradig ungesund - das kann man gar nicht oft genug sagen. Ein Leser aus der Washington DC berichtet von einem Warnschild auf dem Fensterrahmen in seiner Wohnung: "Offene Fenster können gefährlich sein", steht da, und weiter: "Das Ignorieren dieser Warnung kann zu Verletzungen oder zum Tod führen." Vorsichtshalber gibt es am selben Fenster ein zweites Warnschild: "Insektenschutz hindert Kinder nicht daran, aus dem Fenster zu fallen." Okay, kapiert.
Eingesandt von Daniel Bergheim
Wieder ein Beispiel aus Deutschland, genauer gesagt aus Bayern: Eine Leserin erstand auf dem Viktualienmarkt einen Blumentopf mit drei kleinen Tulpen. Auf dem beigefügten Schild stand eine Pflegeanweisung - aber auch der Satz: "Für Dekorationszwecke bestimmt. Eignet sich nicht zum Verzehr". Die Einsenderin bedauert: "... und ich wollt mir grad so ein feines Tulpenragout machen."
Eingesandt von "Sabine aus München"
Es soll ja immer wieder vorkommen, dass Kinder die Katze Karussel fahren lassen oder tierliebe Leute den Pinscher nach dem Gassi-Gehen im Winter ein wenig aufwärmen wollen. Nur konsequent also, auf Mikrowellen die Warnung zu drucken: "Nicht für lebende Tiere geeignet". Für tote Tiere gilt das ja nicht - ein Glück für alle Nicht-Vegetarier.
Eingesandt von Johannes Heller
Nach dem iPod-Hinweis (siehe Haupttext) der Liebling der Leser: Auf diversen Nusstüten in den USA und Großbritannien steht der Hinweis "Allergiker-Warnung: Enthält Nüsse". Etwas befremdlicher die Variante "Könnte Nüsse enthalten" - na hoffentlich! Ganz ähnlich: Die Hinweise "Enthält Milch" auf einer Milchtüte und "mit Paracetamol" auf einer Packung Paracetamol-Pillen.
Eingesandt von Ulie Brandon, Ingo Ullrich, Sandra Reichstetter, Christian Hermann, Jörg Grössler, Martina Schreiber, Marcus Groll, Christa Huber
Die Nahrungsaufnahme gehört zu den gefährlichsten Momenten im Menschenleben - besonders, wenn das Essen fettig und heiß ist. Auf einer Hot-Dog-Packung wurde beschrieben, wie sich Käufer die Wurst daheim selbst aufwärmen können. Der Schlusssatz lautete: "Vorsicht, Hot-Dog könnte heiß sein." Auch hübsch der Hinweis auf einer Packung Reispudding von Marks & Spencer in Köln: Auf die Anweisung, den Pudding im Ofen zu erwärmen, folgte der Satz: "Produkt wird nach dem Erhitzen heiß sein."
Eingesandt von Ingo Bieneck und Frank Glenewinkel
Was passiert beim Atom-Störfall, wenn die Techniker gerade im Web herumsurfen und womöglich die private Steuererklärung wegmailen? Denken wir lieber nicht dran. Zum Glück warnen die Finanzämter in der Anleitung des Steuer-Programms ELSTER: "Die Software wurde nicht für eine Verwendung in gefahrenträchtiger Umgebung hergestellt, in der störungsfreier Betrieb erforderlich ist, wie z.B. in nukleartechnischen Einrichtungen, in denen ein Ausfall zu Todesfällen oder Schäden an Sachen oder Umwelt führen würde."
Eingesandt von Jens Tiemann