Adidas Fußball-WM als Verkaufsschlager

Der Sportartikelausrüster Adidas rechnet im Weltmeisterschaftsjahr mit Fußball-Umsätzen von mehr als 1,2 Milliarden Euro - 2007 soll der Boom anhalten. Auch Nike ist mit dem Geschäft zufrieden, obwohl der Adidas-Konkurrent kein offizieller WM-Sponsor ist.


Berlin - "Wir haben alle unsere Ziele für diese WM übertroffen, sowohl sportlich als auch geschäftlich", sagte Adidas-Chef Herbert Hainer in Berlin. Reißenden Absatz fand das Trikot der deutschen Nationalmannschaft: 1,5 Millionen Mal ging es über den Ladentisch. Insgesamt verkaufte Adidas drei Millionen Trikots der sechs mit den drei Streifen ausgestatteten Teams - darunter Frankreich und Argentinien. Zur WM 2002 hatte Adidas insgesamt 1,5 Millionen Trikots verkauft, davon 250.000 deutsche. Auch der offizielle WM-Spielball "Teamgeist" erweist sich als Verkaufsschlager. 15 Millionen Bälle verkaufte Adidas, nur sechs Millionen waren es vom Vorgänger 2002.

Hainer: "Nike greift uns an"
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Hainer: "Nike greift uns an"

Auch im kommenden Jahr, in dem es keine große internationale Meisterschaft gibt, will Adidas mehr als eine Milliarde Euro mit dem Geschäft rund um den Fußball verdienen. Im darauf folgenden Jahr will Adidas mit Hilfe der Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz den Fußball-Umsatz auf neue Rekordhöhen schrauben. Vom Fußball-Weltverband Fifa erhielt Adidas auch die Sponsorenrechte für die Europameisterschaft 2008. Adidas stattet als offizieller Sponsor auch Schieds- und Linienrichter sowie Balljungen mit seinen drei Streifen aus. Die Partnerschaft für die europäische Vereinsmeisterschaft "Champions League" wurde bis 2009 verlängert.

Wettstreit bei Fußballschuhen

Dank der Fußball-Euphorie schon im Vorfeld der WM habe Adidas den Marktanteil in Deutschland im ersten Quartal um einen Prozentpunkt auf 51 Prozent gesteigert, hieß es. Branchenprimus Nike habe gleichzeitig zwei Prozentpunkte auf 21 Prozent verloren. Den größten Sportartikelhersteller hat Adidas als aggressiven Wettbewerber bei Fußballschuhen ausgemacht, obwohl er weltweit noch deutlich hinter Adidas liege. "Nike greift uns in diesem Bereich an. Daran gibt es keinen Zweifel", warnte Adidas-Chef Hainer. In den USA sei der Marktanteil von Adidas daher auf 46 von 48 Prozent zurückgegangen, der von Nike dagegen auf 34 von 27 Prozent gewachsen.

Adidas-Konkurrent Nike hat im vergangenen Geschäftsjahr Umsatz und Ergebnis kräftig verbessert, auch ohne offizieller Sponsor der Fußball-WM zu sein. "Das Jahr war in der Tat eines für das Buch der Rekorde", sagte Finanzchef Don Blair bei der Präsentation der Zahlen für 2005/2006. Im vierten Quartal musste das Unternehmen wegen der Beilegung eines Lizenzstreites und Marketingausgaben für die WM allerdings einen Gewinnrückgang von 5 Prozent hinnehmen.

Wie andere Sportausrüster hat Adidas auf die WM im eigenen Land gesetzt, um das Markenbewusstsein zu schärfen. Vor der WM sah es noch so aus, als hätte Adidas Pech mit seinen Teams. Nur sechs qualifizierten sich für die WM, Europameister Griechenland etwa musste zu Hause bleiben. Zum Viertelfinale hat sich das Blatt aber gewendet. Die Hälfte der sechs Adidas-Teams ist noch dabei, darunter die deutsche Nationalmannschaft. Der kleinere der beiden Herzogenauracher Sportartikelunternehmen, Puma, war mit zwölf Teams in die WM gestartet - übrig geblieben ist davon nur Italien. Von acht Nike-Teams sind zwei im Wettbewerb, darunter Rekord-Weltmeister Brasilien.

tim/Reuters/AP



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