Adidas wird 50 Mit drei Streifen zum Erfolg

Angefangen hat alles in einer Waschküche. Der Franke Adi Dassler bastelte nach dem Ersten Weltkrieg in der Waschküche seiner Mutter aus Armeebeständen wie Gummi-Benzintanks und Zeltleinen Sportschuhe. 1949 ließ der Bäckermeister die aus seinem Vor- und Nachnamen gebildete Marke ins Handelsregister eintragen: Adidas. Heute ist Adidas nach Nike der weltweit zweitgrößte Sportartikelhersteller.


Hamburg - Die markanten drei Streifen tauchen auf allen Sportplätzen der Welt auf. Ursprünglich waren sie als Riemen gedacht, die dem Fuß Halt geben sollten. "Wir sind so bekannt wie Coca-Cola", sagt Adidas-Sprecher Peter Csanadi.

Steffi Graf trägt ebenso Adidas wie die Fußballstars von Bayern München, die Pop-Ikone Madonna, die Spice Girls und die Kids der Techno-Generation. Hauptzielgruppe sind heute die zwölf- bis 20jährigen. Sie trugen 1998 zum Rekordergebnis von 9,9 Milliarden Mark Umsatz und zum Reingewinn von 401 Millionen Mark bei. Die Belegschaft umfaßt inzwischen 12.500 Mitarbeiter in der ganzen Welt, davon 900 in Franken.

Doch nicht immer war Adidas in Siegerstimmung. Nach dem Tode von Adi Dasslers Sohn Horst 1987 geriet der Familienbetrieb in Schwierigkeiten. Die Herzogenauracher verschliefen Trends wie den Joggingboom. Die drei Streifen trug nur noch Vati vor dem Fernseher. Als die Familie Dassler ihre Anteile 1990 an den französischen Politiker, Künstler und Unternehmer Bernard Tapie verkaufte, wollte er Adidas zu einer Modemarke machen. Cordhosen statt Jogging-Anzüge, Krawatten statt Fußballschuhe - das akzeptierten die Käufer nicht. Bei 150 Millionen Mark Verlust in der Bilanz übernahm der Franzose Robert Louis-Dreyfus 1993 als Vorstandsvorsitzender das Ruder.

Robert Louis-Dreyfuss
DPA

Robert Louis-Dreyfuss

"Die Marke war verstaubt, aber noch im Bewußtsein der Verbraucher verankert. Das hat uns die Sache erleichtert", sagt der als Sanierer bekannte Louis-Dreyfus. Mit einer Verdoppelung des Werbeetats und der Auslagerung der Produktion ins Ausland joggte der "Retter von Adidas" zum Erfolg. 98 Prozent der Sportschuhe werden inzwischen im Ausland produziert. 1995 ging Adidas an die Börse.

Dennoch sieht sich Adidas weiter ganz im Geiste Dasslers. Top-Sportler haben immer noch in der Adidas-Werkstätte in Scheinfeld ihren persönlichen Leisten, nach dessen Vorbild ein Schuh gefertigt wird. Und Adidas profitiert weiter von den 700 Erfindungen und Patenten Adi Dasslers. "Das war ein ausgesprochener Tüftler", sagt der Schuhmacher Heinrich Schwegler (68), der 38 Jahre bei Adidas gearbeitet hat. Zu Dasslers Ideen zählen auch die Schraubstollen, mit denen die deutsche Fußball-Nationalmannschaft 1954 ihren legendären WM-Titel errang. Die Dassler-Brüder, die zunächst zusammenarbeiteten, trennten sich 1947 im Streit: Adi gründete Adidas, Rudolf Puma.

1997 übernahm Adidas den französischen Sportartikelhersteller Salomon (Ski, Golf, Radfahren). In Herzogenaurach soll bis 2005 ein Europa-Hauptquartier nach US-Campus-Vorbild entstehen (World of Sports). "Wir wollen einfach die beste Sportmarke sein," sagt Louis-Dreyfus.

Marion Trimborn



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