AEG-Nürnberg Streik droht weite Teile des Konzerns lahmzulegen

Der Arbeitskampf der Nürnberger AEG-Beschäftigten gegen weitet sich aus. Heute traten auch die Logistikmitarbeiter in einen unbefristeten Streik und legten die Geräteauslieferung lahm. Der Ausstand wird auch andere Werke in Mitleidenschaft ziehen.


Nürnberg/München - Mit einem baldigen Produktionsstopp in den polnischen Werken von Electrolux rechnet auch der bayerische IG-Metall-Chef Werner Neugebauer. "Spätestens am Mittwoch kann in Polen nicht mehr gearbeitet werden", sagte Neugebauer in München. In der ersten Streikwoche seien 25.000 Haushaltsgeräte nicht montiert worden.

AEG Nürnberg: Baldiger Produktionsstopp in polnischen Werken erwartet
DPA

AEG Nürnberg: Baldiger Produktionsstopp in polnischen Werken erwartet

Weil heute nach den Produktionsbeschäftigten auch die Logistikmitarbeiter am Nürnberger Electrolux-Standort in einen unbefristeten Streik traten, sei die Geräteauslieferung lahm gelegt. Die Lagerarbeiter wehren sich unabhängig von den Werksbeschäftigten gegen massive Lohnkürzungen, nachdem die Electrolux-Logistiksparte Ende vergangenen Jahres aus dem Arbeitgeberverband ausgetreten war.

Ein weiterer Streik droht Electrolux aus den gleichen Gründen ab kommender Woche auch bei seiner Ersatzteilsparte im fränkischen Rothenburg. Nach Angaben der IG Metall könne in den nächsten Tagen eine Urabstimmung stattfinden, falls das Management bei der letzten Tarifverhandlungsrunde für die gut 200 dort beschäftigten Mitarbeiter eine Beibehaltung des Metalltarifs ebenfalls verweigere.

Neugebauer sagte, die einzige Möglichkeit für Electrolux, trotz des Streiks zu produzieren, sei in Italien. Die Kollegen dort hätten aber erklärt, "dass sie keine einzige Stunde mehr arbeiten".

Electrolux spricht von "komplettem Unfug"

Er verwies erneut auf die Profitabilität der Produktion in Nürnberg, die Electrolux aus Kostengründen nach Polen verlagern will. Es gebe zwar einzelne Geräte, bei denen der schwedische Mutterkonzern draufzahle, die IG Metall habe aber verlässlich Zahlen, wonach "im Saldo pro Gerät 15 Euro Gewinn" anfallen. "Im Mix schreibt Nürnberg schwarze Zahlen", betonte er. Bei Geräten, bei denen Electrolux nach eigenen Angaben 60 Euro pro Stück draufzahle, sei in Polen ein Zuschuss von 25 Euro nötig. "Kosten werden in Polen genauso anfallen."

Dem widersprach der verantwortliche Manager für alle Electrolux-Werke in Europa, Horst Winkler. Er bezeichnete die Rechnung der IG Metall als "kompletten Unfug". Zwar mache das Werk in Nürnberg noch einen bescheidenen Überschuss, doch sinke dieser seit Jahren dramatisch. Es sei abzusehen, dass der Betrieb in die roten Zahlen rutsche. "Die IG Metall soll verhandeln und die Polemik unterlassen", erklärte Winkler.

Dem hielt Neubauer entgegen, dass die Streikkassen der IG Metall prall gefüllt seien. "Das ist kein Geldproblem." Die IG Metall fordert für die 1700 von der Entlassung bedrohten Mitarbeiter einen Sozialtarifvertrag, der weit über einen üblichen Sozialplan hinausgehen soll. Der Standort Nürnberg, an dem Waschmaschinen und Geschirrspüler gefertigt werden, soll nach Willen des Electrolux-Managements bis Ende 2007 geschlossen werden.



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