Plus 15 Prozent Ägypten erhöht Maut für Suezkanal deutlich
Das Containerschiff »Ever Given« im Juli 2021: Havarie auf dem Suezkanal
Foto: Mahmoud Khaled / AFPDer Suezkanal ist eine der wichtigsten internationalen Wasserstraßen und auch für die Versorgung Deutschlands wichtig. Nun haben die ägyptischen Behörden bekannt gegeben: Der Transport durch den Kanal wird künftig deutlich teurer.
Die ägyptische Kanalbehörde kündigte an, die Maut für Öltanker und andere große Schiffe ab 15. Januar 2024 um 15 Prozent zu erhöhen. Die erhöhte Maut gilt demnach beispielsweise für Tanker, die Erdölprodukte, Flüssigöl, Flüssiggas oder Chemikalien transportieren. Ebenso betroffen sind Containerschiffe, Autofähren und Passagierschiffe.
Der Suezkanal ist zugleich die kürzeste Schifffahrtsroute zwischen Europa und Asien. Für Ägypten sind die Mautgebühren eine wichtige Devisen-Einnahmequelle: Sie brachte dem nordafrikanischen Land allein im vergangenen zweiten Quartal mehr als 2,5 Milliarden Dollar ein.
Keine Auswirkungen auf Konsumenten zu befürchten
Die kräftige Preiserhöhung wird die Inflation in Deutschland nach Einschätzung von Experten unterdessen nicht befeuern. »Die steigenden Transitgebühren wird man als Endkonsument nicht zu spüren bekommen«, sagte Ökonom Vincent Stamer vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW).
Die zusätzlichen Gebühren dürften nur etwa ein bis zwei Prozent der gesamten Betriebskosten eines großen Containerschiffs auf der Route Ostasien-Europa bedeuten. »Transportkosten sind wiederum nur ein kleiner Bruchteil der Konsumentenpreise für die importierten Güter«, sagte Stamer. »Das gilt insbesondere, da die Frachtraten auf der Suezkanalroute aufgrund von Überkapazität stark gefallen sind.«
Etwa zwei Drittel aller Importe zwischen Deutschland und Ostasien verlaufen auf dem 193 Kilometer langen Schiffsweg. Dem Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) zufolge fahren deutlich mehr als 90 Prozent der Containerschiffe durch den Suezkanal, wenn sie auf dem Weg zwischen Deutschland und China unterwegs sind.
Etwa acht bis neun Prozent der deutschen Warenimporte und -exporte laufen demnach durch den Suezkanal. China ist seit Jahren Deutschlands wichtigster Handelspartner: Im Jahr 2022 wurden Waren im Wert von fast 300 Milliarden Euro zwischen Deutschland und der Volksrepublik gehandelt.
»Ever Given«: Megastau und ausgebremste Lieferketten
Im März 2021 hatte das Containerschiff »Ever Given« Schlagzeilen gemacht. Der Grund: Das Schiff lief damals im Suezkanal auf Grund – und blockierte den kompletten Schiffsverkehr auf der wichtigen Wasserstraße für sechs Tage. Die Havarie des Containerfrachters verursachte vor der Kanaleinfahrt einen Megastau von rund 400 Schiffen, der sich nur langsam auflöste. Waren im Wert von Milliarden Dollar steckten damals fest. Viele Schiffe erreichten ihre Zielhäfen erst mit erheblicher Verspätung, was Lieferketten auf der ganzen Welt deutlich verlangsamte.