Ärger mit der EU Microsoft legt Berufung gegen Rekordbußgeld ein

Die EU-Kommission verhängte ein Bußgeld wegen Wettbewerbsverletzungen, doch Microsoft will nicht zahlen: Der US-Software-Riese wehrt sich vor Gericht gegen eine gigantische Forderung der Brüsseler Behörde. Es geht um eine Rekordsumme.


Brüssel - Der US-Software-Konzern Microsoft geht gegen das Rekordbußgeld der Europäischen Union in Höhe von 899 Millionen Euro vor. Das Unternehmen habe das EU-Gericht Erster Instanz angerufen, sagte ein Konzernsprecher am Freitag in Brüssel. Ziel sei es, das Bußgeld aufzuheben. Die nötigen Dokumente seien jetzt übergeben worden. Microsoft will nach eigenen Angaben mit dem Schritt nun Klarheit vom Gericht erhalten.

Microsoft-Produkte: Insgesamt 1,677 Milliarden Euro wegen Wettbewerbsverletzungen
AP

Microsoft-Produkte: Insgesamt 1,677 Milliarden Euro wegen Wettbewerbsverletzungen

Die EU-Kommission hatte Microsoft am 27. Februar wegen jahrelang zu hoher Lizenzgebühren für technische Informationen belangt. Es war das höchste EU-Bußgeld aller Zeiten gegen ein einzelnes Unternehmen. Die verlangten Strafzahlungen an die EU summieren sich für den US-Giganten aus Redmond seit 2004 auf nun 1,677 Milliarden Euro.

Die EU-Wettbewerbshüter hatten entschieden, der Windows-Hersteller habe gegen alte EU-Sanktionen verstoßen. Brüssel hatte Microsoft 2004 wegen Missbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung schwer bestraft und ein erstes Bußgeld von fast 500 Millionen Euro verhängt. Microsoft musste zudem technische Einzelheiten an andere Hersteller offenlegen, damit deren Software mit dem Microsoft-Betriebssystem Windows vereinbar wird. Nach Ansicht der Kommission kam Microsoft dieser zwingenden Verpflichtung bis Oktober 2007 nicht nach.

Nach Einschätzung von Microsoft betrifft das Bußgeld einen abgeschlossenen Vorgang, der durch die Einigung zwischen dem Konzern und Brüssel vom Oktober 2007 erledigt sei. Es laufen jedoch bereits neue Verfahren, bei denen es unter anderem um die Verbindung zwischen dem Web-Browser Internet Explorer mit Windows geht. Auch in diesen Verfahren drohen hohe Strafgelder.

kaz/dpa



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