Ärger wegen Subventionen Schlappe für Ryanair

Die Fluggesellschaft Air Berlin hat einen juristischen Teilsieg gegen den Flughafen Lübeck erzielt. Das Landgericht Kiel urteilte, der Flughafen müsse Subventionen an den Billigflieger Ryanair offen legen.


Berlin - Das Landgericht Kiel erklärte, die Entgeltordnung des Flughafens Lübeck aus dem Jahr 2002 für "unbillig" und verurteilte den Flughafen zur Offenlegung aller Vorzugsbedingungen, die er Ryanair Chart zeigen bisher gewährt hat, wie der Bundesverband der Deutschen Fluggesellschaften (BDF) mitteilte. Air Berlin Chart zeigenführt den Prozess stellvertretend für den BDF. Nach Angaben der Stadt Lübeck hat die 1. Kammer für Handelssachen des Landgerichts Kiel der Klage aber nur in zwei von sieben Punkten stattgegeben.

Ryanair-Flugzeug: Air Berlin klagte wegen möglicher Subventionen
REUTERS

Ryanair-Flugzeug: Air Berlin klagte wegen möglicher Subventionen

Der Flughafen gehört seit dem vergangenen Jahr zu 90 Prozent einem neuseeländischen Finanzinvestor. Nach Angaben der Stadt Lübeck behandelt der Investor die Fluglinien zu gleichen Konditionen. Das Urteil habe keinen Einfluss auf den Flugbetrieb. Eine Sprecherin des Bundesverbandes der Deutschen Fluggesellschaften (BDF) sagte hingegen, mit dem Urteil sei das Geschäftsmodell des Lübecker Flughafens ins Wanken geraten. Ryanair bedient von Lübeck aus derzeit sechs Flugstrecken, darunter eine nach London-Stanstedt.

Air Berlin hatte Flüge von Hamburg nach London wegen zu geringer Auslastung einstellen müssen. Weil sie eine Subventionierung der irischen Gesellschaft durch den Flughafen Lübeck vermutete, hatte Air Berlin mit Unterstützung des BDF gegen den Flughafen geklagt. Die BDF-Sprecherin sagte, damit habe erstmals ein deutsches Gericht entschieden, dass eine Fluggesellschaft auch dann ein Feststellungsinteresse habe, wenn sie den betreffenden Flughafen nicht ständig selbst anfliege.

Ryanair forciert einem Pressebericht zufolge nun die Expansion in Deutschland. Ryanair plane in Bremen den Aufbau einer neuen Basis und solle ab März 2007 ein Abflug-Terminal zur exklusiven Nutzung erhalten, berichtete das "Handelsblatt" unter Berufung auf Branchenkreise.

Ein Sprecher der Bremer Flughafen-GmbH sprach dem Bericht zufolge von einer "laufenden Ausschreibung", bei der noch keine Entscheidung gefallen sei. Ryanair-Vorstandschef Michael O' Leary hatte im Mai in einem Interview betont, er werde "bis Ende des Jahres" eine neue deutsche Flughafenbasis bekannt geben. Innerdeutsche Flüge seien dann sinnvoll, wenn Ryanair in Deutschland eine zweite Basis neben Hahn habe, so O' Leary weiter. Bisher operiert das Unternehmen in Deutschland ausschließlich auf Nebenflughäfen wie Hahn im Hunsrück, Weeze bei Düsseldorf oder Karlsruhe/Baden.

tim/ddp/dpa/Reuters/dpa-AFX



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